Reisebericht Litauen – Masurische Seenplatte – Ostseeküste Mai 2019

6.5.2019 19:45 Uhr

Morgen um diese Zeit sollten wir schon auf der Fähre nach Litauen Quartier genommen haben und, da es noch hell genug ist, könnten wir vielleicht auch den Delphin gesehen haben, der seit einiger Zeit genau im Bereich des Fähranlegers regelmäßig auf Heringsfang geht. Hell genug ist es jedenfalls.

Als wir am 3.5. anfingen das Wohnmobil zu packen, wurde Gina schon ganz nervös. Wir hatten das sichere Gefühl, dass sie uns das ganze Vorhaben gerne ausgeredet hätte. Das große Haus und insbesondere ihre Privatcouch werden ihr fehlen.

Gleich zu Beginn: Ein Holzweg

Erstmal ging es am Wochenende nach Hann. – Münden, wo mein Patenkind Jakob konfirmiert worden ist. Eine sehr schöne Feier, ein sehr ernster und konzentrierter Konfirmand und ein grandioser Abschlussspaziergang, der, wie man auf dem Foto sehen kann, nach 2,9 Kilometern entspannter Wegstrecke ohne Vorwarnung im wahrsten Sinne als Holzweg endete. Durchkommen versucht, aber völlig zwecklos und das nur rund 300m vom Start- und Zielpunkt entfernt. Rückzug war angesagt und meine Freundin Ute meinte dazu so etwas wie: „Da seht ihr mal was es heißt mit Uwe zu wandern.“ Das traf mich in völliger Unschuld, denn der Weg war in keinster Weise als unpassierbar gekennzeichnet.

So hatten wir schon mal das erste kleine Abenteuer des Urlaubs weg und sind gespannt, ob die großen Wälder auf unserer Reise durch Litauen und die Masurische Seenplatte in besserem Zustand sind. Dort im Kaufunger Wald und auch auf der weiteren heutigen Strecke war das Chaos der Fichtenwälder nach Stürmen und Borkenkäfer beeindruckend.

Meine Entscheidung heute auf jeden Fall bis hinter Hamburg zu fahren ist auf jeden Fall richtig. Zwar kamen wir gut durch schlechtes Wetter (Regenunfall auf der Gegenfahrbahn) und den Elbtunnel, aber dann war schwerer Stau und da kann man ja die rücksichtslosen Auto- und Lkw-Fahrer kennenlernen. Manches wird mit Andeutungen von Gewalt gelöst. Da wünschte ich mir manches Mal die Polizei zur Stelle.

Apropos Polizei: Auf der A7 vor Hannover hatte ich eine ganze Zeit einen Reisebus dicht im Nacken sitzen, dem meine 100km/h wohl zu langsam waren. Eigentlich ja auch seine erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Dann zog er an mir vorbei und davon. Aber nicht lange … an der nächsten Raststätte schoss neben uns ein Polizeiwagen auf die Autobahn (auch nicht ganz verkehrskorrekt), setzte sich vor den Bus und ließ ihn über die nächste Ausfahrt folgen.

Nun sind wir in Hasloh auf dem Stellplatz „Tante Henni“, es sind keine 100km mehr bis zum Fährhafen und dann geht es richtig los. Vielleicht mit einem Delphin zum Start.

7.5.2019 8:30 Uhr

Der Stellplatz liegt in der Einflugschneise des Hamburger Flughafens und bis gegen 23 Uhr waren die relativ tief fliegenden Maschinen etwas störend. Dann griff aber das Nachtflugverbot und heute Morgen scheint die Flugrichtung geändert.

Der Platz kostet 17 € + Klimpergeld für Strom. Dafür liegt er nicht nur für unsere Reiseroute  sehr günstig, sondern auch für Hamburgbesuche. Der Bahnhof ist 900m entfernt und wird wohl bis spät in die Nacht von Hamburg aus angefahren.

Es gibt Brötchenservice am Platz, aber es sind dicke Aufbackbrötchen für 70 Cent das Stück. Das ist verbesserungswürdig.

Wir werden uns jetzt hier in aller Ruhe fertigmachen, unterwegs noch ein paar Dinge besorgen und dann frühzeitig zum Hafen fahren, um möglichst weit vorne in der Warteschlange zu sein. Die angekündigten 7,50 € Parkgebühren sind dann vielleicht doch gut angelegt. Und die Chancen auf den Delphin steigen.

Kleiner Ornithologiebericht: hier auf dem Platz singen Fitis, Zilpzalp, Mönchs-, Klapper- und Gartengrasmücke, Trauerschnäpper, ... . Aber der "ornitholgische Sammelbericht" beginnt erst mit der Ankunft im Fährhafen und der Überfahrt. ;-)

Delfine tauchen schnell!

7.5.2019 15:30 Uhr

Wir sitzen im Abfertigungsgebäude im Osthafen von Kiel, sind soweit eingecheckt und können in 3 Stunden ans Gate. Die Pizzen von Domino, der Restauration im Gebäude, sind keine Empfehlung. Ich hoffe das Essen an Bord der Fähre ist besser.

Die Fahrt hierher war kein Problem, die Ankunft schon, da gerade der gesamte Bereich der Abfertigung umgebaut wird und es für mich nicht erkennbar war, wo wir mit dem Womo denn parken sollten. Außerdem kommt man hier nicht ans  Wasser, was auch heißt, dass eine Chance auf die Sichtung des Delfins* erst an Bord besteht.

*meine Tochter Meike sagt, dass beide Schreibweisen gehen.

Parkgebühr müssen wir nicht zahlen.

 

 

Blick in die Kabine

7.5.2019 22:30 Uhr

Wir haben den Delfin in der Schwentine dann tatsächlich noch gesehen. Auf dem Foto (Delfine tauchen schnell) ist die Rückenflosse gerade noch vor dem mittleren Kanuten zu sehen. Ich bitte um etwas innere Kreativität!!!

Um 18:30 Uhr konnten wir in die erste Einschiffspur ;-) Aber erst um 19:50 Uhr konnten wir wirklich Richtung Schiff starten.

Die Fahrmanöver auf dem Schiff … nichts für schwache Nerven. Elke hält es kaum aus. Aussteigen und Gepäckbeförderung nur über den Fahrersitz. Wie wir da mit dem Womo wieder raus kommen … keine Ahnung.

Bepackt mit einigen Taschen mehrere Stockwerke über steile Treppen nach oben. Elke und ich im Schnaufmodus. Gina findet es spannend. Die Schlaftabletten, die wir für sie besorgt haben, könnte eher Elke gebrauchen. In der kleinen Kabine hat Gina sofort ihren Platz gefunden: unter dem Bett.

Unsere Frage wo Gina ihre Geschäfte verrichten kann wird vom Personal lakonisch beantwortet: überall auf den Außendecks. Gina wird da richtig Druck haben müssen! Sie ist offensichtlich der einzige Hund auf dem Schiff und ich wurde erstaunt gefragt, ob die Mitnahme ohne Probleme möglich ist. Wir haben ja sogar eine sogenannte Haustierkabine.

Abschied von Deutschland an der Reling mit einem holländischen Bier. Wenn wir morgen aufwachen, sind wir auf hoher See.

 

Blick in die Kabine

8.5.2019 9:30 Uhr

Letztlich hat Gina dann doch zwischen unseren Betten geschlafen und das vollkommen problemlos und ohne Medikamente. Wir haben alle gut geschlafen. Die Ostsee ist ruhig und es gibt nur ein ganz leichtes Schaukeln. Gina ist eher irritiert durch die Geräusche von klappenden Türen und laut palavernden Lastwagenfahrern.

Der Tag begrüßte uns mit blauem Himmel und Sonnenschein. Elke ist etwas länger liegen geblieben. Gina darf nicht mit in den Essbereich und so bin ich zuerst frühstücken gegangen und Elke jetzt.

Das Frühstücksbuffet ist üppig. Und wie ausgiebig man das genießen kann, sah ich bei einem Mann am Nachbartisch. Schon von dem Berg gebratenem Speck würde ich mittags satt. Außerdem gab es da aber noch mindestens 4 Würstchen, viel Rührei, einige Blinis, ca. 8 Gewürzgurken und zwei Schälchen mit Müsli. Und der Mensch war kaum dicker als ich!!! Er  schien aber genauso fassungslos von meinem süßen Frühstück, das lediglich durch zwei Spiegeleier aufgepeppt wurde. Da es Marmelade, Honig und Butter nur in Verpackung gab, hatte ich aber eindeutig den größeren Müllberg auf dem Tablett.

Blick aus dem Fenster

Das Frühstück vorzubuchen war eine gute Idee. So zahlten wir 15 € statt 21,80 € und könnten im Prinzip so lange essen wie wir wollen. Bei der Gelegenheit mal etwas zu dieser Fährfahrt:

Wir fahren mit der Victoria Seaways der Reederei DFDS. Für die „Außenkabine mit Hund“ und das Wohnmobil haben wir (2 Erwachsene + Hund + Frühstück - Frühbucherrabat) 300,25 € bezahlt. Ein fairer Preis, wie wir finden. 2 Handtücher lagen auf den gemachten Betten und die Nasszelle ist reichlich bemessen.

Leider wurde das Oberdeck gestern gestrichen und so bleibt ein erhoffter schöner Teil der Reise unerlebt, denn den Ausblick nach vorne gibt es jetzt nur durch die Restaurantfenster. Dafür gibt es überraschend doch Wi-Fi an Bord. 3 € für zwei Stunden und so kann ich diese Teile des Reiseberichtes später wohl doch schon ins Netz stellen und ein paar Mails beantworten.

Der Blick aus unserem Fenster zeigt, wie dicht die Lkw-Auflieger an Bord stehen und bei unserem Womo ist es  nicht viel anders. Außerdem zeigt die Abgasfahne, dass wahrscheinlich leider auch diese Fähre mit Schweröl betrieben wird.

ab unters Bett

Elke kommt gerade vom Frühstück zurück und bringt neben etwas Rührei und Brot für Gina auch die Information mit, dass an Bord litauische Zeit gilt. Danach ist es jetzt 11 Uhr und das Buffet wird abgeräumt.

Ach ja: die Ornithologie beginnt jetzt doch erst mit der Ankunft in Klaipėda, es sei denn, dass es bei einem der Deckbesuche überraschendes auf See gibt.

Gestern Abend trafen wir in der Raucherecke ein litauisches Ehepaar, das gerade auf dem Heimweg ist. Sie wohnten viele Jahre in London und kehren heim, auch wegen des drohenden Brexit.

Auch wenn es an einigen Stellen an Deck zu riechen ist, dass dort schon Hunde auf vorausgegangenen Fahrten Nachrichten hinterlassen haben, Gina ist sichtlich irritiert und bisher noch nicht bereit, sich an der Verbreitung von Neuigkeiten zu beteiligen. Nach dem neuerlichen Ausgang ist sie erstmal wieder unter dem Bett verschwunden.

bedrohliche Enge

8.5.2019 21:50Uhr – Heimatzeit

In Litauen ist es eine Stunde später. Die Tage hier sind ja gezählt, in Polen gilt dann wieder  die MEZ und deshalb bleibe ich bei den Heimatzeiten.

Wir sind tatsächlich ohne Schrammen vom Schiff heruntergekommen. Der „Platzanweiser“ war Spitze und ich hatte das Gefühl, er war sehr angetan davon, wie gut ich das Womo  im Griff habe.

Bei der Einfahrt ins Haff habe ich den richtigen Augenblick abgewartet um das perfekte Foto an der Ostseestrandlinie entlang zu schießen. Leider musste ich nachher feststellen, dass ich mal wieder den Autofokus ungewollt ausgeschaltet hatte. Der sitzt aber wirklich dämlich an der Kamera. Gut, dass die Raubseeschwalben zum Fotografieren zu weit weg waren.

die Fähre ins Baltikum

Einkaufen wollten wir eigentlich in der AKROPOLIS … einkaufsmeile. Geworden ist es Lidl. Wichtig war, dass Gina auch ein wenig ins Grüne konnte, denn sie hat tatsächlich 24 Stunden alles bei sich behalten. Unglaublich! Das Deck war eben keine Hundetoilette. Wir sind überhaupt mal wieder fasziniert von unserm „Reisehund“. Die Hauptsache ist, wir sind beide in ihrer Nähe. Gina ist wirklich ein Geschenk!

Litauen hat ein paar andere Ampelregelungen. Grün beginnt zum Ende hin zu blinken und das ist dann unser Gelb. Bei Gelb ist stehen angesagt. Fast hätte ich in der Folge eine ganz ungewöhnlich angebrachte Ampel bei Rot überquert. Das lag auch daran, dass die Autofähre auf die Nehrung nun doch näher am Ankunftsort in Klaipėda liegt und ich anders abbiegen musste.

Auf der Fährüberfahrt (24,60 € für Hin- und Rückfahrt) noch mal ein schöner Blick auf unser Transportmittel in das Baltikum. Nach ein Paar Kilometern dann noch die Mautstelle für die Nehrung. Noch sind wir mit 15 € in der billigsten Zeit unterwegs.

Campingplatz Nida

Danach 48 km durch schöne Landschaften bis hierher auf den Kempingas bei Nida. Die Rezeption war schon zu, die Schranke ließ sich öffnen und jetzt ist Schluss für heute. Gina ist froh, dass sie ihr gewohntes Bett wieder hat.

der frühe Vogel

9.5.2019 18:13 Uhr

Ein paar Minuten wird es hier draußen am Campingtisch noch gehen, dann ist die Sonne hinter den Bäumen verschwunden und es wird zu frisch. Den ganzen Tag hat sie uns bei Temperaturen von rund 16° verwöhnt und Elke hat irgendwann sogar die Kapuze aufgesetzt, weil sie Sorge hatte, sich wieder einen Sonnenstich einzufangen.

Doch erstmal zum Tagesbeginn: Um kurz vor 6 Uhr wurde ich wach und hörte im Wald hinter dem Campingplatz den Pirol rufen. Vielleicht noch ein durchziehender Vogel, denn den Rest des Tages haben wir ihn nicht mehr gehört.

Ich bin dann jedenfalls erstmal für anderthalb Stunden ins Gelände und habe mir so eine kleine Übersicht verschafft, was um den Platz herum so singt. Buchfinken und Fitisse sind eindeutig dominierend, aber es sangen auch Zilpzalp, Mönchs- und Klappergrasmücke und Gartenrotschwanz. Die Kohlmeisen füttern wohl die Jungen in einer Öffnung im Dach und die Rauchschwalben sind zahlreich auf Nahrungssuche.

Bei der Gelegenheit: Wir haben in anderen Berichten gelesen, dass Camper auf der Nehrung unter Stechmücken zu leiden hatten. Es fliegen zwar (erfreulich) viele Insekten, aber eine Stechmücke hat uns noch nicht attackiert. Ich denke das hochgelobte Ballistolspray, dass ich vor der Reise noch bei Hornbach gekauft hatte, wird in den nächsten Wochen aber sicher noch zum Einsatz kommen. Mückengebiete gibt es ja noch reichlich.

Es war am Morgen dann doch noch sehr frisch und ich bin noch mal für 2 Stunden ins warme Bett. Was für ein Luxus!

Während  Elke das Frühstück machte, habe ich uns an der Rezeption angemeldet. Die junge Frau sprach nur Englisch, was bei mir nur rudimentär vorhanden ist, aber wir haben natürlich alles geregelt bekommen. Der Preis für 3 Nächte: 71 €. Duschen, Ver- und Entsorgung und Internet inklusive. Kann man nicht meckern.

litauische Sahara

Nach dem Frühstück ging es hinauf auf die Parnidžio – Düne. Dort oben gibt es einen großen Parkplatz, den hier wohl üblichen Bernsteinverkauf und viele Leute. Auf dem Weg kam uns schon ein Reisebus entgegen und wir erfuhren später, dass ein Kreuzfahrtschiff der Aida – Flotte in Klaipėda vor Anker liegt.

Die Ausblicke waren aber wirklich toll, die Landschaft spektakulär. Kurz meinte ich den erhofften Brachpieper gehört zu haben, fand ihn aber nicht. An den nächsten beiden Tagen gibt es ja noch Chancen.

> Ein Einlassung zum Reisebericht: Hier werden immer nur wenige Fotos eingebaut. Viel mehr Bilder gibt es auf der eigenen Fotoseite dieses Frühjahrsurlaubs. <

kleine Schönheit

Neben den weiten Blicken über die Nehrung und über die Dünen bis zur Ostsee sind auch die kleinen Schönheiten am Wegesrand eine Augenweide. Auch hier freue ich mich auf die verschiedenen Bereiche der Nehrung morgen und auf der Rückfahrt nach Klaipėda am Samstag. Schon auf der Hinfahrt habe ich mir ein paar Plätze ausgeguckt, an denen wir einen Stopp einlegen werden, was aufgrund der fortgeschrittenen Zeit am Mittwoch nicht möglich war.

Gina war völlig aufgekratzt und wälzte sich wieder und wieder im Sand. Sie sprang ausgelassen um uns herum und, wenn wir nicht schnell genug reagierten, auch an uns hoch, was mir einen Kratzer an der Hand eingebracht hat.

Haus mit Bernsteinverkauf

Von der Düne hinab ging es nach Nida, dem bekanntesten Teil der Gesamtgemeine Neringa. Niedliche Häuser prägen das Bild, das schon ein wenig an Skandinavien erinnert. Auch dieses Kupferrot ist regelmäßig zu sehen. Auf allen Wegen gibt es viele Bänke und eingestreute Spielplätze. Beeindruckt hat mich dabei auch die Schaukel für Rollstuhlfahrer.

In Nida war Hochbetrieb, was sicher auch an der Aida lag. In den Gärten blühten die Forsythien, der Flieder ist noch nicht auf und die ersten Obstbäume öffnen gerade die Blüten. Die Vegetation ist gegenüber der Heimat hier einige Tage im Rückstand. Im Dorf sind sowohl Rauch – wie Mehlschwalben in großer Zahl unterwegs. Die Mauersegler scheinen aber noch nicht angekommen zu sein.

Thomas-Mann-Haus

Wir sind den ganzen Strand entlang gelaufen bis zu dem Haus am Steilufer, dass sich Thomas Mann als Feriensitz hat bauen lassen. Dieser Weg war den meisten Touristen wohl zu weit, denn hier war es auffallend ruhig. Eine Besichtigung des heutigen Thomas-Mann-Museums ist unserm Hunger und Durst zum Opfer gefallen und natürlich auch ein wenig der Tatsache, dass Gina da nicht mit hinein gedurft hätte.

Aalschaschlik

Beim Essen kommt man auf der Nehrung am Fisch fast nicht vorbei. Er wird in allen Restaurants angeboten und ich war geradezu entzückt, als Elke auf der Karte Aalschaschlik entdeckte. Köstlich und mit Bier und Finnlandiaschnaps kaum zu toppen. Jedenfalls für mich.

Am Thomas-Mann-Museum begann „das Problem“ (wie Siegfried Lenz es in seinen „Masurischen Geschichten“ nennen würde). Das Problem ist in diesem Falle eine total verhärtete Wade an meinem linken Bein, die in den letzten Wochen schon mehrfach mit Krämpfen unangenehm aufgefallen ist. Der Rückweg war etwas beschwerlich. Elke hat mir die Wade mit Schmerzgel eingerieben und mir eine Magnesiumtablette „verordnet“. Es wäre bitter, wenn ich in den nächsten Wochen nicht richtig laufen könnte. Morgen wissen wir mehr.

auch Nebelkrähen mögen Fisch

Zur Ornithologie noch dies: es waren auffällig wenige Wasser – oder Seevögel auf dem Haff. Und überhaupt keine Limikolen. Mal sehen, wie es morgen auf der Ostseeseite aussieht. Die Ostsee heißt hier übrigens „Baltisches Meer“. Die Litauer sind ein stolzes Volk und haben eine eigene und sehr alte Sprache. Es war für sie kaum auszuhalten, dass die Russen in der Sowjetzeit die Sprache unterdrücken wollten.

Nur 3 km hinter dem Campingplatz beginnt übrigens die russische Enklave Kaliningrad, was dazu führt, dass viele Russen auf der Nehrung unterwegs sind. Ein Ehepaar hier auf dem Platz ist von dort gekommen und erzählte, dass die Russen zwar an der Grenze in alle Schränke gucken wollten, aber ansonsten keine Schikanen durchgeführt haben, wie man  es ab und zu im Netz lesen kann. Ein Visum ist natürlich notwendig.

am Baltischen Meer

10.5.2019 17:45 Uhr

Heute war der Tag eher trübe und ab mittags hat es ab und zu auch ganz leicht getröpfelt. Kein gutes Fotowetter, wie man an dem Foto am „Baltischen Meer“ sehen kann.

Aber von Anfang an: Schon vor dem Frühstück saß ich vor der Rezeption, denn nur dort ist das Internet stabil. Dafür war ich auch hier wieder erstaunt, wie schnell das Netz ist. Die große Zahl der Bilder war innerhalb von 20 Sekunden auf meine Homepage geladen. Ein wenig hatte ich darauf gehofft, dass die Rezeptionistin um 9 Uhr (Ortszeit) spätestens den Laden öffnet. Sie war allerdings auch kurz vor 10 Uhr noch nicht da, so dass ich die ganze Zeit vor der Tür saß. Nach einer halben Stunde wurde mir dann immer kälter, denn es waren keine 10°, trotz Windschatten.

Zum Frühstück hatten wir uns gestern ein Baguette aus Nida mitgebracht, denn Shop und Restaurant auf dem Platz sind noch geschlossen. Es ist überhaupt erkennbar, dass wir hier ganz am Anfang der Saison sind. Überall wird renoviert und in Strandbereich ist alles noch zu.

Rupfung des Wanderfalken

Auf dem Weg zum Strand habe ich mir ein Zwiegespräch mit dem örtlichen Pirol geliefert, was diesen einigermaßen erzürnt hat. Tatsächlich konnte ich ihn irgendwann auf der Suche nach dem Nebenbuhler über den Wald fliegen sehen.

Über Nacht sind auch die ersten Waldlaubsänger angekommen, Heidelerche und Baumpieper baten um Registrierung und in den Dünen gab es auch das erste Braunkehlchen.

Auch an der Ostseeküste wenig Wasser – und Seevögel. Aber die Samtenten flogen in erkennbarer Entfernung vorbei. Am Strand allerdings auffallend viele Überreste von Drosseln. Viele Singdrosseln mit den typischen Fraßspuren des Wanderfalken, dem zusammenhängenden Schultergürtel, an dem noch beide ungerupften Flügel hängen.

Über den Leuchtturmhügel sind wir nach Nida hinein, denn ich brauchte noch Briefmarken und wir wollten bei einem empfohlenen kleinen Fischlokal essen.

Die Frau in der Post sprach zum Glück ein paar Worte deutsch. Als ich ihr sagte, ich könne leider kein Litauisch, mich für die Briefmarken aber mit „aatschu“ (Aussprache für „Danke“) bedankte, meinte sie, dass ich doch ein sehr wichtiges Wort könnte. ;-) Es ist hier nicht anders als bei meinen Besuchen in Spanien: die Einheimischen freuen sich über jedes gelernte Wort der Gäste.

Künstlerhaus nahe dem Campingplatz

Auch der Wirt des kleinen Restaurants konnte etwas deutsch, jedenfalls genug, um unsere Bestellungen zu verstehen. Elke: Zander mit Nüssen, ich: Flunder mit Zwiebeln. Beides mit reichlich Beilagen, drei großen Bier und zwei „normalen“ (bei uns wären es doppelte) Schnäpsen = 37 €. Mal sehen, wie es morgen auf dem Campingplatz im Memeldelta sein wird.

Die Vorderseiten der Häuser sind reichlich mit Schnitzarbeiten verziert. Die Ornamente und insbesondere der „Lékiai“ (das obere weiße Ende der Verzierungen) hatten mystische Funktion und sollten das Haus vor bösen Geistern schützen.

Die Wade zwickt weiter, aber ich bin jetzt auf wärmende Salbe umgestiegen und die 6 km heute habe ich einigermaßen hingekriegt. Jetzt noch eine kleine Runde mit dem Hund und dann bereiten wir schon mal die Weiterreise morgen vor.

> Nachtrag: Auf dem Platz sind derzeit 17 Wohnmobile und ein Wohnwagen: alle deutsch,  ergänzt durch einen schweizer Kastenwagen, einen Russen mit Auto und Zelt und einen Radfahrer mit Zelt. <

Blick nach Russland

11.5.2019 20:14 Uhr

Wir stehen im Memeldelta auf dem Campingplatz Ventaine in Vente. 31 € für uns alle und Internet. Kein Shop aber ein sehr gutes Restaurant, dazu später mehr.

Gestern Abend habe ich mir den Gang auf die Düne wegen meiner Wade geklemmt, aber heute Morgen um 5:30 Uhr wurde ich wach und die Sonne schien. Ein Morgen in aller Frühe ohne Touris war dann doch zu verlockend. Auf dem Weg hinauf überholte mich schon der erste Bernsteinhändler. Sonst war ich aber allein mit der Natur. Nur ganz in der Ferne auf den Dünen sah ich auch die Patrouille der Russen.

Gestern Abend las ich im Internet, dass es einen Flechten – Kiefernwald gibt. Dann gibt es hier wohl ganz viel davon und ein Flechtenbüschel ziert jetzt unser Armaturenbrett. Eine Kiefer pflanzen wir dort aber nicht!!!

Ameisenlöwentrichter

Neben Gartengrasmücke, Sommergoldhähnchen und den aus Russland rufenden Kranichen konnte ich auch den erhofften Brachpieper bei dem (kläglichen) Balzfluggesang verbuchen. Es ist aber auch das perfekte Gelände. Und nach der Zugbeobachtung in der Ruhrau  in Steele meine Zweitbeobachtung. Mal schauen, ob es auch noch eine Erstbeobachtung im Urlaub gibt. Der Seggenrohrsänger im Memeldelta ist die nächste Chance.

Viele frische Spuren führten über den Sand und hunderte von Ameisenlöwen warteten auf ihre Beute. Fällt eine Ameise in einen dieser Trichter wird sie so lange mit Sandkörnern beschossen, bis die Larve am Grund sie mit ihren Zangen packen kann.

Nach einer Stunde waberten so langsam die ersten Seenebelbänke von der Ostsee kommend über die Nehrung. Und sie sollten uns leider den ganzen Tag begleiten.

An der nach unserer Beobachtung günstigste Tankstelle direkt bei Nida kostete der Diesel 1,999 €. Im Gegensatz zu dem, was ich in Deutschland gelesen hatte, also nicht 10 Cent billiger pro Liter. Als wir später aus Klaipėda herausfuhren sahen wir an einer Tankstelle 1,099 €, da hätte es gepasst. Auch in Litauen variieren die Preis stark.

Eigentlich wollte ich noch mit dem Spektiv aufs Meer gucken, aber wir fanden keinen befahrbaren Zugang. Auch mit den sonstigen Parkplätzen hatten wir kein Glück. Entweder waren sie wegen des Wochenendtages zu voll, oder man durfte das angrenzende Gelände aus Naturschutzgründen nicht betreten.

Zwischendurch hatten wir dann noch das erste  Säugetier vor dem Womo: ein Fuchs spazierte in aller Seelenruhe über die Straße. Elch wäre auch möglich gewesen. ;-) Sehr passend im Naturpark übrigens auch die Leitplanken aus (Kiefern-) Holz.

Kormorankolonie

Aber bei der Kormorankolonie bei Juodkante, in der auch vereinzelt Graureiher Brüten, hatten wir Glück. Ein vom Kot der Kormorane weißes Stück Wald mit vielen inzwischen abgestorbenen Bäumen. Trotzdem sehr beeindruckend. Sprosser und Gelbspötter gab es für mich als Verzierung.

Für die, die es wissen wollen: auf der Rückfahrt von der Nehrung nach Klaipėda wird das Ticket nicht kontrolliert. Ob die Russen aus Kaliningrad kostenlos reisen … keine Ahnung.

Kaum raus aus der Stadt in Richtung Memeldelta schon das erste Wiesenweihenmännchen. Kurz danach eine männliche Rohrweihe, die ersten Kiebitze und in jedem kleinen Dorf mindestens ein Storchennest.

Die „Empfangsdame“ hier auf dem Platz kann kein Deutsch und unsere gemeinsame englische Sprachbasis war auch nicht von Missverständnissen frei. Letztendlich wurde aber alles geklärt.

Der Gang zum Leuchtturm und zu den Fangnetzen der Ornithologen machte mir klar, dass es hier mit dem Seggenrohrsänger nix wird. Die verheißungsvollen Wege sind sämtlich für das gemeine Volk gesperrt.

Dorngrasmücke im Mückenland

So muss ich mich hier mit Feldschwirl, Dorngrasmücke, Grauammer, Flussregenpfeifer, Grün- und Rotschenkel als Erstbeobachtungen für diesen Urlaub zufrieden geben.

Dafür war das Essen im platzeigenen Restaurant sehr gut. Auch hier wieder um ein paar Euro billiger als in Deutschland. Und nebenbei sahen wir vor dem Fenster, wie zwei Stieglitze die Samen vom Löwenzahn verspeisten. Untereinander auch durchaus futterneidisch.

Morgen kurven wir noch ein wenig durchs Delta, gehen ein wenig ins Moor und dann geht es die Memel hinauf. Übermorgen überqueren wir die polnische Grenze und müssen uns wieder an eine neue Sprache gewöhnen. Na ja, so ein wenig eben.

letzter Blick auf die Nehrung

12.5.2019 21:30 Uhr

Was für ein spannender Tag! Und ein Adlertag, ganz ohne Zweifel.

Wir sind jetzt im Honigtal, d.h. auf dem Campingplatz HoneyValley im Memeltal östlich von Jubarkas. Eine absolute Empfehlung! Dazu später mehr.

So früh wie heute sind wir selten aufgebrochen. Diesmal hatte ich das frühe Aufstehen dazu genutzt, mir mit Hilfe der Vogelbroschüre aus der Rezeption (die mir dann geschenkt wurde!) und der Komoot – App auf meinem Handy einen Plan zu machen, wie wir uns im Delta noch ein wenig umschauen können. Um 10 Uhr warfen wir noch einen Blick übers Haff auf die Dünen der Nehrung, heute ohne Seenebel und von der Sonne beschienen. Noch ein Foto hiervon und ein Foto eines der vielen Fischrestaurants und es ging ins Deltahinterland.

Karmingimpel im Apfelbaum

Aus der Broschüre stammte der Tipp zum ersten Beobachtungsplatz am „Kniaupas Bay“ und die Ankunft dort war der Knaller. Halten, Womotür auf und ich höre einen Gesang den ich nicht gleich zuordnen kann. In einem Apfelbaum neben der Beobachtungskanzel singt ein Karmingimpel. Überhaupt: was für ein Gesangsplatz. Es singt und quakt durcheinander, dass man Schwierigkeiten hat einzelne Stimmen zu identifizieren. Die Rohrsänger (Teich-, Drossel-, Schilf- und Sumpfrohrsänger) versuchten das Froschkonzert zu übertönen. Und Elke brauchte eine Zeit, um in dem Stimmengewirr auch den Rohrschwirl zu hören.

kreisender Schreiadler

Wir lauschten noch Kuckuck, Sprosser und dem hier überall anwesenden Pirol als Elke den ersten Adler entdeckte. Ein junger Seeadler kreiste über der Bucht, ein Altvogel kam dazu. Kaum hatten wir sie im Fernglas, als zwei kleinere Adler sie attackierte. Im benachbarten Wald brütet wohl der Schreiadler und wollte seinen großen Vetter nicht in seinem Revier.

Die Wasservogelplätze im Delta haben wir wohl noch nicht gefunden, auch wenn an diesem Beobachtungsplatz ein Pärchen Knäkenten abflog. Auch ein Silberreiher machte sich davon. Er ist inzwischen also auch im Baltikum angekommen.

Blick ins Delta

Die Fahrt ging über Schotterpisten weiter zu den großen Fischteichanlagen im Delta. Inzwischen war aufgrund des Zeitablaufes aber klar: mehr Beobachtungsplätze im Delta schaffen wir heute nicht. Also nur noch Beobachten vom Womo aus und noch der Gang ins Moor. Kraniche, Große Brachvögel, Wiesen- und Rohrweihen, meine ersten Falkenbussarde und vieles mehr so mal eben am Wegesrand! Das Baltikum ist sicher noch einmal eine eigene Reise wert. Jetzt war es ja eigentlich in erster Linie Transitland auf dem Weg in die Masurische Seenplatte, die wir morgen erreichen wollen.

im Moor

Den Gang in das Moor hatte ich mir ja schon zu Hause vorgenommen. Leider ist heute Sonntag und es waren viel mehr Menschen unterwegs, als der schmale Holzsteg im Gegenverkehr bewältigen kann. Gina wäre auch immer gerne mal vom Steg gehopst. Und dann über dem Moor die große Adlerschau: letztendlich kreisten über der Moorfläche 7 kleinere Adler und 4 Seeadler. Die kleineren waren vermutlich alles Schreiadler, aber sie waren zum Teil so weit oben, dass auch durchziehende Schelladler dabei gewesen sein können. Begleitet wurde unsere Moorexkursion passenderweise von ständigen Kranichrufen.

Capingplatz HoneyValley

Dann ging es in gemütlichem Tempo in Richtung Tagesziel. Unterwegs sahen wir, dass die Lebensmittelgeschäfte trotz Sonntag geöffnet hatten und so konnten wir unsere Vorräte auffüllen. U.a. sollten 4 Flaschen Bier gekauft werden, aber da war der litauische Gesetzgeber vor: seit dem letzten Jahr sind die Alkoholbestimmungen verschärft, weil es in Litauen wohl ein größeres Problem mit Alkoholismus gibt. Und so dürfen die Geschäfte sonntags wohl keinen Alkohol mehr verkaufen. Eine gute Gelegenheit meine Litauischkenntnisse zu dokumentieren: die Aussprache für das litauische Prost klingt in unseren Ohren wie „iss-wie kater“. Kann man sich doch gut merken, oder?

Gegen 15 Uhr waren wir dann hier im „Honigtal“ und wurden nicht nur von der Besitzerin, sondern auch vom Pirol freundlich begrüßt. Ausgerechnet als meine Speicherkarte im Netbook steckte, rief er, der im Volksmund auch Goldamsel genannt wird, direkt im Baum neben dem Womo. Foto verpasst, aber Elke hat ihn schön gesehen.

Fischadler über der Memel

Auch hier gibt es kein Bier sondern nur Honig, wie der Platzname schon vermuten lässt. Der Besitzer der Fläche ist Imker. Ein Restaurant gibt es am Platz und in der Nähe nicht. Gut dass wir noch eine geräucherte Makrele an Bord haben.

Am Abend bin ich dann noch mit Gina hinunter zur Memel. Sehr schöner natürlicher Flusslauf mit Kiesflächen und offensichtlich Brutplatz von Flussregenpfeifer, Flussuferläufer und Zwergseeschwalbe. Die Adlerkollektion des Tages ergänzte dann noch der jagend Fischadler. Was für ein Tag!

Und morgen geht’s nach Polen

Falkenbussard

13.5.2019 19:30 Uhr

Der letzte Tag in Litauen begrüßte uns mit Regen. Schade, hatte ich doch ein wenig darauf gehofft am frühen Morgen im Memeltal die Vogelwelt zu erkunden. Gut, so konnte ich mal etwas länger liegen bleiben. Der Pirol sang trotzdem! Und der Trauerschäpper war trotz der trüben Aussichten auch schon aktiv.

Bevor wir um 11:30 Uhr starteten, flogen noch mehr als 30 Fichtenkreuzschnäbel laut rufend über den Platz.

Störche all überall. Und Kraniche balzend oder Wache haltend vor den Brutplätzen. Der Falkenbussard hat mich ein wenig veräppelt, in dem er Meter für Meter weiter flog, aber schließlich ist der „Schuss“ noch gelungen.

litauische Autobahn

Wir haben alle von mir geplanten Wege gut gefunden, auch wenn eine Baustelle uns erstmal ein wenig durch die Einsamkeit geschickt hat. Und schließlich kamen wir auf die „Autobahn“ nach Polen. Das wäre bei uns eine untergeordnete Bundesstraße.

Auf dem Weg nach Polen gab es dann auch in Litauen immer mehr riesige Monokulturen. Zeitweilig Raps bis zum Horizont. Und dann war dort auch das gleiche Phänomen festzustellen wie bei uns in Deutschland: die vorher in der Landschaft sehr häufigen Feldlerchen verschwanden mehr und mehr. Das Kornweihenmännchen am Wegesrand war dafür auch nicht wirklich eine Entschädigung.

Kranichpaar am Wegesrand

Um 13:30 Uhr haben wir die Grenze nach Polen überfahren. Völlig problemlos. Jetzt waren wir also in Masuren und wollten das erste Highlight anfahren, eine kleine Schlucht. Es gab aber leider keine Hinweise. Dafür mehrfach Kraniche am Wegesrand.

In Sejny an den Bankautomaten um Zlotys zu holen. Nach Eingabe der Kreditkarte kein Problem, da deutsche Sprachführung möglich. Und das Einkaufen (einschließlich Schnitzel) war auch entspannt.

Kloster Wigny im Regen

Jetzt stehen wir auf dem Campingplatz u Haliny in Wigny direkt am Kloster, zur Begrüßung rief die Rohrdommel (im Volksmund auch der Moorochse genannt) und hoffen morgen auf trockenes Wetter.

Die Chefin des Platzes hat nur „Außengastronomie“ und dafür ist es zu kalt. Aber wir haben sehr schön im Klosterrestaurant gegessen, wo Gina allerdings nicht mit hinein durfte. Ich glaube sie war aber froh, endlich eine Runde ohne Rappeln schlafen zu können.

Noch ein wenig Nachlese für Litauen:

  • Aufgrund der Kürze der Zeit haben wir „nur“ 94 Vogelarten gesehen oder gehört.
  • Es gibt in Litauen offensichtlich auch ein großes Sozialgefälle. Die Zahl der nicht zu Ende gebrachten oder ohne Putz gebauten Häuser ist auffallend.
  • Viele Leute haben eine Kuh und halten sie angepflockt auf einer kleinen Grasfläche.
  • Litauen hat aber noch viel Platz und die Landwirtschaft ist in weiten Teilen (zum Glück für die Tierwelt) noch nicht so perfektioniert.
  • Das Land ist für Naturliebhaber auf jeden Fall eine Reise wert. Im Moment würde ich sagen: wir kommen wieder
  • Und: Stechmücken sahen wir bisher nur 2 im Honigtal.

14.5.2019 15:20 Uhr

Heute Morgen trompeteten die Kraniche schon früh aus den Wäldern südlich von uns und sie waren auch bis zum Mittag ständig zu hören.

Heute Morgen um 7 Uhr trompetete der Trompeter des Klosters zum Wecken. Eine kleine feine Melodie und eigentlich auch geeignet um gleich weiter zu schlafen.

Camping "u Haliny" vom Kloster aus gesehen

Rohrdommeln gibt es hier offensichtlich mehrere Brutpaare. Die Rufe kommen jedenfalls von verschiedenen Stellen des Sees.

Um 7:30 Uhr bin ich aufgestanden und es war wahrlich frisch: 4 Grad Außentemperatur und kleine Windböen. Elke meinte später, das seien vielleicht die Eisheiligen.

Jedenfalls war es trocken und so bin ich hinauf zum Kloster um ein Foto von „u Haliny“ zu schießen. Eine schöne Lage auf der Halbinsel. Auf dem Rückweg habe ich bei der Chefin noch die bestellten Brötchen abgeholt.

östliche Unterart des Kleibers

Beim Frühstück sahen wir den Kleiber neben dem Womo und er kam mir so hell vor. Siehe da, es ist die östliche Unterart mit weißer Brust und weißem Mittelbauch. Dadurch fällt die Maske noch mehr auf. Auch Feldsperling, Bluthänfling und Flussseeschwalbe ließen sich freundlicherweise fotografieren.

Beim Spaziergang mit Gina flog uns der Baumfalke vor der Nase lang. Er wird hier auch nicht selten sein, denn Schwalben sind reichlich unterwegs. Aber in der ganzen Zeit haben wir erst einen Mauersegler gesehen und das hier am Kloster und offensichtlich durchziehend.

Apropos Kloster: dort gehen wir jetzt essen. Das Restaurant hat jeden Tag bis 18 Uhr geöffnet. Die Speisekarte ist nur auf Polnisch. Die Kellnerin ist aber gerne bereit auf Englisch Hilfe zu leisten (was mir nicht viel hilft, Elke schon eher). Außerdem hat Elke gestern die Karte mit dem Handy abfotografiert um sie hier mit Unterstützung des Internets auf uns genehme Leckereien zu untersuchen. Na dann: „dobry apetyt”

das Klosterrestaurant

14.5 2019 19:40 Uhr

Das Klosterrestaurant ist wirklich eine Empfehlung. Die Schnitzel mit Beilagen und der Salat waren köstlich, dazu 3 Biere und zwei Wodka = rund 25 €. Und das Ambiente ist auf dem Bild gut getroffen.

Die Bedienung von gestern fragte uns zum Schluss, ob wir morgen wiederkämen und als wir das verneinten, zeigte sie echtes Bedauern. Alles wirklich nett. Und bei so viel Herzlichkeit werden wir an unseren Polnischvokabeln weiter arbeiten.

Johannes Paul II. ist hier überall

Zum Schluss dann noch eine Runde mit Gina in den Klosterhafen. Hier (wie in ganz Wigny) ist Johannes Paul II. überall präsent.

Aufgrund des Kälteeinbruchs ist unsere erste Gasflasche leer und wir müssen morgen in Suwalki mal schauen, dass wir Nachschub bekommen. Allerdings soll es ab morgen auch mit den Temperaturen nach oben gehen.

Jetzt gibt es noch zwei Masurische Geschichten und dann wird das Bett rufen. Morgen wollen wir zügig los, denn es gibt viel zu sehen und einkaufen müssen wir auch. Gas zum Beispiel!

DIE Spinne von Wigry

Nachtrag um 21:05 Uhr

Was ich noch vergass:

  • Aus der Kultur > Der Trompeter spielt auch zum Tagesabschluss um 21 Uhr, also gerade eben.
  • Aus der Natur > Der kleine Ort Wigry hat auch eine besonders große Spinne zu bieten. ;-)
fast deutscher Campingplatz

16.5.2019 14:30 Uhr

Jawohl: Gestern habe ich keinen Tagesbericht geschrieben. Der Hauptgrund: ich war am Abend völlig fertig und schwer frustriert. Aber dazu gleich mehr.

Wir sind schon seit gestern Abend da, wo wir eigentlich nachher erst ankommen wollten, nämlich auf dem Campingplatz Sonata auf einer Halbinsel des Mauersees, der sich aus mehreren Becken zusammensetzt und insgesamt ungefähr so groß ist wie die Müritz.

Nach einer Nacht mit gesundem Schlaf, viel Vogelgesang und einem größeren Spaziergang mit Gina habe ich jetzt so viel Abstand, dass ich den gestrigen Tag nun abarbeiten kann.

Das war der 15.5.2019:

Eigentlich begann der Tag ganz harmlos. Der Trompeter hat uns um 7 Uhr geweckt, ich bin auch gleich aufgestanden, habe mir noch mal den Tagesplan angesehen und bin dann die Brötchen holen und bezahlen gegangen. 128 Zloty für 2 Nächte, Strom und Brötchen, das sind umgerechnet 30 €. Wirklich ein guter Preis, wenngleich die sanitären Einrichtungen gerade renoviert werden und die Männer zurzeit weder Duschen noch Waschbecken haben. Dafür ist es demnächst umso schöner.

Dass der Trompeter in Wirklichkeit ein Computer ist, konnte man sich schon denken, aber diese Nachricht der Platzbetreiberin war wie ein Signal für einen „gebrauchten Tag”.

die Waggons der Kleinbahn (Popp)

Kaum hatte Elke nach dem Frühstück mit Gina das Womo verlassen, damit ich alles reisefertig machen konnte, begann es zu regnen. Elke hatte gestern noch gesagt, dass Wetter solle besser und wärmer werden. Wärmer stimmte, besser nicht!

Am Südufer des Wigrysees konnten wir einen Blick auf eine der legendären masurischen Kleinbahnen werfen. Beim Anblick der niedlichen Waggons musste ich sofort an die Geschichte vom Großvater Hamilkar Schaß denken, der die Bänke in der Bahn so schön fand, dass er gleich versucht hatte, eine während der Fahrt zu demontieren, um sie vor dem eigenen Haus aufzustellen.

kleine nasse Waldschönheit

Beim Spaziergang zu den Aussichtsplätzen am See sind Gina und ich komplett nass geworden. Es regnete mal mehr und mal weniger, aber immer schön gleichmäßig.

Eine Gasflasche haben wir bekommen, aber eine polnische. Und der Tankwart zuckte erstmal kurz, ob er meine deutsche Flasche überhaupt annehmen sollte. Getankt haben wir auch und ungefähr zum gleichen Preis wie in Deutschland.

Zum Einkaufen hatte sich Elke das Suwalkiplaza ausgeguckt, ein Einkaufszentrum. Keine Empfehlung für Wohnmobilisten, denn nur mit Glück bekamen wir einen Parkplatz, denn das eigentliche Parken in der Tiefgarage geht für uns natürlich nicht. Jeder andere Supermarkt wäre besser gewesen.

Allerdings hätte ich mir in diesem Einkaufscenter eine neue Computermouse kaufen sollen, denn meine hat offensichtlich einen Kabelbruch und wird nicht mehr erkannt. Und das mit dem Touchscreen ist nix für meine alten Finger.

Lindenallee

Im Suwalskipark sollte es die erste größere Pause geben mit einem Gang zu einem gelobten Aussichtsplatz. Inzwischen war der Regen eher besonders kräftig und es sah auch nicht so aus, als wenn sich das so bald ändern würde. Eine Alternative musste her.

Auf der Komoot fand ich einen Campingplatz in 7,6 Kilometer Entfernung. Was ich nicht gleich geschnallt hatte: Luftlinie. Und: als wir dort ankamen gab es den gar nicht mehr. Es regnete weiter Bindfäden.

Also den Tag abhaken und weiter auf den Campingplatz nach Goldap. Ein wenig ließ der Regen nach, als wir in die Nähe des begehbaren Eisenbahnviaduktes bei Stanczyki kamen, was ja auch auf der Besichtigungsliste stand, wegen schöner Aussicht und so. Also doch mal eben hin, dachte ich. Dann habe ich an der falschen Stelle vermutet auf der falschen Straße zu sein und kurz vor dem Ziel gewendet. Und es begann wieder fester zu regnen. Also doch nach Goldap. Daselbst wegen schlechter Beschilderung ein paar Ehrenrunden und ... der Campingplatz ist dicht.

Elchspur im Vergleich zu meinem Fuß

Hier will ich es mal kurz machen: Im zeitweise strömenden Regen sind wir über sehr enge Straßen zusammen mit vielen drängelnden Autofahrern auf Umwegen um 18 Uhr hier gelandet. Es war den ganzen Tag sicher eine schöne Landschaft, aber am Ende war ich einfach nur noch enttäuscht und platt. Meine ganze schöne Planung für den Tag für die Katz.

Neben dem netten Platzbesitzer, der sehr gut Deutsch spricht und eine handfeste Küche bietet gab es dann auch noch eine naturkundliche Überraschung: nicht weit von unserm Womo war in der Zeit, in der wir essen waren, ein Elch vorbeigetrabt. Der Fußabdruck ist durchaus beeindruckend. Und man sollte die Warnschilder „Wildwechsel” ernst nehmen. Es gab auf der Straße vor dem Campingplatz im letzten Jahr zwei schwere Unfälle mit Elchen.

16.5.2019 17:50 Uhr

Nun kommen wir also zum heutigen Tag. Auch der war nach einem trockenen Beginn für Frühaufsteher „schön“ feucht. Perfektes Wetter für die Frösche der Umgebung, von denen einige auch über unseren Platz hopsen. Gina hatte einen vor der Nase und es war ein Bild für die Götter, dass Gina, als der Frosch wegsprang einen sehr ähnlichen Satz zur anderen Seite machte. Wir haben schon einen gefährlichen Bluthund! ;-)

Distelfink oder auch Stieglitz

Der Schilfrohrsänger hatte mich am Morgen vor die Tür gelockt und bei Pirol und Rohrdommel kann man fast nicht verstehen, dass sie bei uns so selten sind. Hier sind sie überall und an jedem Tag mehrfach. Eigentlich hatte ich das Foto Nummer 100 für den Pirol vorgesehen, aber der zeigt sich noch nicht so richtig. Auf dem regenschweren Spaziergang mit Gina hat der Distelfink / Stieglitz sich für das hundertste Foto schön in Positur gesetzt.

An einem der kleinen Gewässer der Nachbarschaft flog ein Waldwasserläufer davon, als ich gerade auf der Pirsch nach dem nächsten singenden Karmingimpel war.

Blick vom Stellplatz auf den Mauersee

Der Campingplatz Sonata ist rustikal, liegt aber ganz wunderbar in der Natur. Es ist kein Wunder, dass, wie der Besitzer erzählt, die Pfadfinder St. Georg aus Essen hier regelmäßig ihr Lager aufschlagen. Überhaupt haben wir das Gefühl, dass auf diesem Platz Deutsch die erste Sprache ist. Und was das Rustikale angeht: an Verbesserungen wird auch hier gearbeitet.

Die Rezeption + Restaurant + Duschen ist rund 400 m weg und dort ist auch nur Internet. So werde ich jetzt ein Bierchen trinken gehen und den Reisebericht und die neuen Bilder ins Netz stellen.

Danach plane ich mal den morgigen Tag neu … wenn denn das Wetter mitspielt.

  • Nachtrag aus der Rezeption / dem Restaurant: im Radio lief die ganze Zeit ein Musiksender mit eingestreuter Werbung und ich kam mir fast vor wie in Spanien, wo immer ein Fernseher läuft. Verstehen tue ich hier allerdings noch weniger!
Schloss Steinort

17.5.2019 20:20 Uhr

Zum Beginn des Tages hat mich der Pirol erstmal auf Trab gehalten. Um 6:30 Uhr hat er mich aus dem Wohnmobil gelockt, weil er genau darüber in einer Birke anhaltend gerufen hat und dann sah ich ihn eine Stunde lang immer nur wegfliegen. Schließlich gab ich auf und habe mich noch eine gute Stunde einem Buch gewidmet, das mir gestern Abend der Platzwart in die Hand gedrückt hat. Es ist die Erzählung über einen ehemaligen Gutsbesitzerssohn aus Ostpreußen der mit dem Kutscher seines Vaters noch einmal in die Heimat reist. Ich konnte aus Zeitgründen natürlich nur Teile des Buches lesen (das sowohl in Deutsch wie auch in Polnisch geschrieben ist), aber es war sehr interessant. Unwillkürlich fragte ich mich, wie es wohl für die Masuren gewesen sein muss, aus diesem weiten und wilden Land in unser Deutschland zu kommen.

Nach dem Start sind wir dann auch erstmal nach Steinort (heute Sztynort) gefahren, um einen Blick auf das Schloss derer von Lehndorff zu werfen, von denen einer für die Beteiligung am Attentat auf Hitler erschossen worden ist. Das Schloss ist in einem erbärmlichen Zustand und kann außerhalb der Saison auch nur von außen betrachtet werden. Die angeschlossene Pension ist deutlich besser in Schuss.

Wie auch Siegfried Lenz beschreibt, wurde gerne üppig gegessen und getrunken im Masurenland. Sehr nett fand ich in der Morgenlektüre den Hinweis auf eine masurische Spruchweisheit: Lieber mal mehr und dann reichlich! Hier übrigens im Zusammenhang mit dem damals üblichen selbstgebrannten Schnaps.

neues Blockhaus

Nahe dem Campingplatz Sonata wird gerade eine neue Siedlung gebaut (die Elche werden dumm gucken!). Eines der neuen Häuser ist ein Blockhaus und wenn man sieht, wie viel Holz hier geerntet wird, ist das eigentlich nur konsequent. Und wenn man bedenkt, wie viele Steinhäuser in Litauen und Polen unvollendet in der Landschaft stehen, eine Augenweide.

Wildnisfahrten

Und dann endlich das Masuren so, wie ich es mir erhofft hatte: wild, mit Straßen die diese Bezeichnung in Deutschland nicht erhalten würden und mit Blicken in die Natur, die uns sprachlos machten. Elke hatte allerdings zwischenzeitlich Angst um das Womo, zuletzt aber eingesehen, dass Sandwege nicht die schlechteste Art der Straßenbefestigung sind. Das noch aus der Vorkriegszeit stammende Katzenkopfpflaster ließ uns noch minutenlang nachbeben. Man sollte die in den Straßenkarten gelb gekennzeichneten Durchgangsstraßen nicht auf deutschem Niveau erwarten und im Wohnmobil alles gut verstaut haben. Und ein nervenstärkerer Hund als Gina wäre auch gut. Sie hat sehr gelitten.

Suleiken erreicht ;-)

Haben wir auf dem Campingplatz Sonata den Elch knapp verpasst, so war es heute ein Wisent. Mitten im Wald war mitten auf dem Weg ein riesiger Fladen und ich denke, das Tier war höchstens eine Stunde vor uns an diesem Platz. Ein Foto für meine Fans habe ich mir geklemmt. ;-) Es sollen übrigens rund 80 Wisente in der Borkener Heide unterwegs sein, deren Vorfahren mal aus einer Aufzuchtstation ausgebüchst sind und die sich prächtig vermehren.

Schließlich habe ich mir noch einen kleinen und ganz alten Traum erfüllt: einmal in Suleiken (Sulejki)  sein, auch wenn ich weiß, dass Siegfried Lenz selbst von einem fiktiven Ort gesprochen hat. Schließlich haben mich seine Masurischen Geschichten ja in gewisser Weise hierher getrieben.

das Land der Störche

Es sei noch angemerkt, dass hier wirklich jedes Dorf seine Weißstörche hat. In Harsz, dem wirklich kleinen Ort am Campingplatz Sonata, alleine fünf besetzte Nester entlang der Straße. Die Frösche der Gegend (auch Laubfrösche waren die ganze Nacht laut zu hören) wird es nicht freuen.

Camping Borowo in Bystry

Nun sind wir auf dem Campingplatz Borowo südlich von Gizycko. 73 Zloty ~ 18 €  pro Nacht für uns. Allerdings sind Duschen mit 1 Zloty für 1 Minute extra zu bezahlen. Der Platz liegt schön am See, aber die Hauptstraße führt oberhalb vorbei und ab und zu jagt ein bekiffter Motorradfahrer mit jaulendem Moped vorbei.

Gerade lese ich in der Platzbeschreibung folgenden Hinweis: „Mittwochs vormittag werden lute Ordnungsarbitten durchengeführt (z.B. Rasenmühen)."

Na dann ist es ja gut, dass heute Freitag ist und später Abend.  ;-)

Camingplatz Wagabund

18.5.2019 19:30 Uhr

Wir sind auf dem Campingplatz Wagabuna in Mikołajki, dem früheren Nikoleiken, das auch in den Erzählungen von Siegfried Lenz immer mal vorkommt. Den Ort haben wir bisher nur aus der Ferne gesehen, aber wir haben uns jetzt entschlossen hier drei Nächte zu bleiben und so werden wir Nikoleiken auf jeden Fall noch ausreichend würdigen. Der Platz ist fest in deutscher Hand und das nicht nur weil die Betreiber gut Deutsch sprechen, sondern weil auch gefühlt 90 % der Gäste aus Deutschland kommen.

Heute ist der erste Tag, an dem ich den Reisebericht vor dem Womo sitzend schreibe. Es ist zwar gerade ein Gewitter über uns hinweg gezogen und die Mücken sind das erste Mal auf dieser Reise engagiert im Einsatz, aber Markise und Ballistol schützen uns. Und die Temperatur liegt jetzt bei 20°.

neue Reisemaus

Zum Tagesanfang: um 6:30 Uhr bin ich duschen gegangen und hatte nur 2:50 Zloty mitgenommen – 3 waren geplant. Also duschen in 2 Minuten und 30 Sekunden. An sich kein Problem, aber es war um diese Zeit natürlich niemand vor mir unter der Dusche und es dauerte schon mal eine halbe Minute, bis das Wasser überhaupt warm wurde. Ok, es hat schließlich doch alles noch gekappt und ich stand nicht eingeschäumt in der Gegend rum. Elke kam dann mit 4 Zloty aus.

Danach zuerst mal nach Kaufland (!). Meine Mouse hat einen Wackelkontakt und der Touchscreen ist was für Leute ohne Tatterich. Eine wirklich gute Mouse kostet in Polen 19,99 Zloty, das sind 4,64 €. Unglaublich! Ich hätte auch schon eine Mouse für weniger als 2 € kriegen können. Subventionen wie damals in der DDR?

blühende Feuchtwiese

Mit Komoot hatte ich uns einen schönen Spaziergang östlich von Otzysz ausgesucht, um Gina auch mal ein wenig freie Landschaft zu bieten (und die Hoffnung auf Feuchtwiesenarten). An der Stelle, wo wir das Womo in Wezewo abgestellt haben, fand sich Marek ein, wie wir den netten Mischling genannt haben. Der fand Gina ganz nett und ist dann knappe zwei Stunden mit uns durch die interessante Landschaft gelaufen. Sehr autonom, aber immer in unserer Nähe. Gina wäre gerne mit ihm durch die Wiesen getobt aber Elke hatte Sorge, sie könnte mit Marek durchbrennen.

der Dickkopf am Ende der Leine

Heute endlich der erste rufende Wiedehopf. Und eine Bekassine war aus den nassen Wiesen zu hören, während hinter uns die Rotbauchunken riefen. Gerne hätte ich ein Foto von Elke und den Hunden vor der Landschaft geschossen. Aber der eine Hund (Gina) hatte keinen Bock und Elke verzweifelte am anderen Ende der Leine und Marek legte sich auf den Weg und schaute sich das Drama an.

entspannter Pole

Die anschließende Fahrt um den Sniardwy-See  (deutsch Spirdingsee) bot sehr unterschiedliche Landschafts- und Waldtypen. Es hätte uns auch hier nicht gewundert, wenn plötzlich ein Elch auf der Straße gestanden hätte. Und es ist sicher: hier könnten wir auch Monate verbringen, ohne ansatzweise das Land verstanden zu haben.

sehr leckere Felchen

Fisch wollten wir heute unbedingt essen. Es wurden gebratene Felchen (auch Renke, Maräne oder Schnäpel genannt) in Ruciane-Nida. Und die waren gut! Das Fleisch aß ich, die Köpfe und Schwänze Gina. Wir waren alle zufrieden und das Ganze für umgerechnet 20 €. Wohlgemerkt 2 Portionen plus zwei Radler und Trinkgeld.

Jetzt ist es 22 Uhr und es hat uns das dritte Gewitter des Tages erreicht. Gina weiß gar nicht, wo sie sich noch verkriechen soll. Und ich, ich freu mich auf den morgigen Abend. Denn vorhin ging ein Pole über den Platz und hat uns für morgen einen frisch geräucherten Aal versprochen.

19.5.2019 16 Uhr

So begann der Tag:

  • Augen auf – die Sonne ist da :-)
  • Wohnmobiltür auf – ein Campingstuhl ist weg :-(

Fassungslos habe ich ihn rund ums Womo und auch darunter gesucht: nix

Sollte wirklich ein abreisender Camper unsern Stuhl geklaut haben? Jedenfalls war an draußen frühstücken nicht zu denken. Wir hatten nur einen Trost: der Dieb hatte den Stuhl erwischt, den wir neulich einer Notreparatur unterziehen mussten und von dem erwartet werden kann, dass er bei höherer Belastung wieder zusammenbricht. Hat er davon!!!

Womo vorne - Toilettenhaus hinten

Nach dem Frühstück wollte ich den Diebstahl an der Rezeption melden, aber heute war dort niemand der Deutsch sprach. Nur ein netter junger Mann mit guten Englischkenntnissen, die mir allerdings fehlen. Was heißt Diebstahl auf Englisch? Also sollte Elke das später noch klären. Aber ganz schöne Ansichtskarten habe ich erstanden. Briefmarken für Europa aber Fehlanzeige.

Als ich spülte ging Elke zum Klo und war nach einer Minute mit unserm Stuhl wieder da. Er hatte vor dem Toilettenhaus gestanden … ein Mysterium. Mein Bruder Jörg, dem ich per Mail von diesem Vorfall berichtet hatte, meinte: „Eindeutiger Fall von eiligem Stuhlgang ;-))).“

Mikołajki

Inzwischen war die Sonne weg und das sieht man leider auf dem ersten Foto von Mikołajki. Den folgenden Regen haben wir bei Kaffee und Kuchen unter einem großen Sonnenschirm im Hafen ausgesessen. Hier ist es übrigens nicht so wie in Deutschland, dass jedes Lokal ein eigenes Klo haben muss, sondern es gibt oft kleine privat betriebene Toiletten für mehrere Lokale, die dann einen kleinen Obolus, in diesem Fall 2 Zloty, kosten.

schöne Hotels und Restaurants

Der Ort ist schon deutlich touristischer, was heute, an einem Sonntag, besonders auffällt. Bei vielen Lokalen sind die Speisekarten auch in Deutsch und es gibt wirklich nette Außengastronomie. Für uns Hundebesitzer natürlich entspannter.

abendlicher Blick auf das "Hotel auf der Vogelinsel"

Im Ort gibt es sowohl alten und zum Teil heruntergekommenen Baubestand wie auch schön hergerichtet Häuser. Und es gibt auch dies: das Mikołajki-Hotel auf der „Vogelinsel“. So ist die Beschreibung im Internet und es ist tatsächlich so, dass man das Hotel auf einer ehemaligen Vogelinsel im See gebaut hat. Der Ornithologe* runzelt darob die Stirn. Und was die Architektur des Baus anbelangt, kann man es durchaus an dieser Stelle unpassend finden. Aber alle Zimmer mit Blick auf das Wasser.

*Apropos Ornithologe: dieser vogelkundlich eher ruhige Tag hatte dann doch eine schöne Überraschung parat. Auf dem Weg in den Ort sind wir einen Umweg durch den Wald gegangen und dort sang der Zwergschnäpper. Auf meiner Vogelliste des Urlaubs die Art Nummer 124. Da wir heute auch den Sperber in diesem Urlaub zum ersten Mal gesehen haben (die Schwalben jagten ihn über den Campingplatz) und noch einige Allerweltsarten auf der Liste fehlen, bleibt die Hoffnung auf 150 Vogelarten in diesem Urlaub bestehen. Dabei muss man natürlich berücksichtigen, dass in diesem Urlaub die Ornithologie nur ein Teilaspekt ist und an vielen Stellen mehr Zeit und Nachsuche weitere Beobachtungen möglich gemacht hätten. Und nachts war ich gar nicht richtig unterwegs, sodass auch Eulen und Ziegenmelker ausfallen.

Die Rotbauchunken aus dem Tümpel nahe des Waldes kann man gerade bei günstigem Wind bis hierher hören. Es wird in den masurischen Landschaften sicher auch eine reiche Amphibienfauna geben, die wir aber auch in den Nächten hätten erkunden müssen.

gegrillter Fisch

19.5.2019 19:30 Uhr

Der Tag begann mit einem Mysterium und endet mit einer Enttäuschung: den ganzen Tag habe ich mich auf den versprochenen frisch geräucherten Aal gefreut und jetzt ist der Pole damit nicht aufgetaucht. Wenn wir das gewusst hätten, wäre in Mikołajki gegrillter Fisch = Ryby  auch gut gewesen.

20.5.2019 18 Uhr

… und es ist Nacht!

Schon am frühen Nachmittag bauten sich die Gewittercluster von Süden her auf und wir waren froh, es rechtzeitig zum Campingplatz geschafft zu haben.

Das erste „normale“ Gewitter habe ich noch mit meinem mobilen Büro unter der Markise verbracht. Gina und Elke waren da schon ins Womo geflohen.

Unwetterunfoto

Aber was dann kam war für mich (und fast auch für die Markise) zu viel des Guten. Kaum hatte ich Netbook und Co. ins Trockene gebracht, trieb der Wind Regen und Hagel fast waagerecht über den Platz, es wurde minütlich dunkler und schließlich musste ich sogar raus, weil die Hagelmassen die Markisenstangen umzuknicken drohten. Zum Glück hatte ich gestern das Sturmband gespannt. Andererseits konnte ich so die Markise auch nicht schnell genug einfahren.

Das „Foto“ zeigt das neben uns stehende Wohnmobil hinter den Regen- und Hagelschwaden, vom Küchenfenster aus aufgenommen.

Es  blitz und kracht seit über einer Stunde und Gina weiß überhaupt nicht, wohin sie sich verziehen soll. Wo mag der Waldkauz sich verkrochen haben, den wir gestern Abend rufen hörten. Hoffentlich sind seine Jungen nicht in der Höhle ertrunken.

Hier im Womo ist es jetzt so dunkel, dass ich Licht brauche, um die Tastatur zu sehen.

Zwergschnäpperwald mit Waldmeisterunterwuchs

Aber nun zum total sonnigen Anfang des Tages:

Um 7 Uhr bin ich bei schönster Morgensonne „für ein Stündchen“ raus, um mich ein wenig umzusehen und auch noch mal den Zwergschnäpper zu suchen. In den Bäumen über den Unkengewässern waren die jungen Kolkraben mit den Altvögeln unterwegs und lärmten fast so schlimm wie gestern Abend die jungen Polen auf dem Campingplatz.

Ein tolles Licht in dem frühlingsgrünen Wald und tatsächlich ließ sich der Zwergschnäpper fast an der gleichen Stelle wieder hören. Ein schöner Mischwald mit viel Waldmeister als Unterwuchs. Mehrfach meinte ich den Vogel direkt vor mir im Baum zu haben, sehen ließ er sich nicht. Meine Nackenprobleme machen lange Beobachtungen weit oben auch nicht leichter.

Morgensonne auf der Perle der Masuren

Heute ist mir dann bei schönerem Licht auch ein gutes Foto von Mikołajki gelungen.

Aus dem geplanten Stündchen wurden zwei, aber das war nicht so schlimm, weil meine Reisegruppe noch schlummerte, als ich zurückkam. Und ich hatte schon einen schönen Tagesanfang in der Natur vor dem Frühstück hinter mir.

Seeadler über dem Frühstückstisch

Und sozusagen zum Frühstück flog der Seeadler genau über den Campingplatz. Vorher waren schon hunderte Kormorane in mehr oder weniger geordneten Formationen über uns hinweggezogen. Möglicherweise vor dem Seeadler fliehend.

Es war dann zwar noch sonnig, als Elke, Gina und ich zu einer Gassirunde mit Ziel im Ort aufgebrochen sind, aber auch schon sehr schwül. Wichtig war heute der Gang zur Post, um endlich auch ein paar Karten aus Masuren in die Heimat schicken zu können. Hat auch geklappt und siehe da: war in Litauen das Porto nach annähernd so wie bei uns, ist es in Polen deutlich teurer. 5 Zloty = ~1,20 € kosten Karte und auch Brief nach Deutschland.

Dohle auf Kontrollflug über die Lokale

In dem Lokal, das wir für unser Essen ausgesucht haben, konnten wir sehr schön draußen sitzen, aber mit uns auch eine größere deutsche Reisegruppe aus Sachsen. Himmel waren die laut! Wir waren froh, als sie nach einigen Minuten aufbrachen. Wir hatten das Gefühl, dass dieses Lokal auf solche Gruppen spezialisiert ist. Die Bedienung brachte uns auch sofort die Speisekarte auf Deutsch. Meine halbe Ente war gut, aber Elke fand, dass es ein wenig „Abfertigung“ war. Vielleicht lag es auch daran, dass ihr Hähnchenschnitzel paniert war. ;-)

So, nach fast zwei Stunden hat es sich draußen so weit beruhigt, dass ich mit Gina die Abendrunde drehen kann. Vorhin stand das Wasser sicher 10 cm auf dem gesamten Platz und wir sind mal gespannt, ob die Abreise morgen ohne Probleme auf dem Wiesenuntergrund von statten geht

Nachträge:

  1. Die Gewitter kamen zurück, bevor ich Gina die Leine anlegen konnte und zwar mit ziemlicher Wucht. Jetzt mussten Elke und ich doch raus um die Markise einzufahren. Es dauerte eine weitere Stunde bis es mal etwas weniger wurde mit dem Regen!
  2. Der Spaziergang war erst entspannt, bis es wieder anfing zu blitzen. Dann wollte Gina nur noch zurück.
  3. Feuchtigkeit hin, Feuchtigkeit her. Kurz entschlossen ging ich duschen, um das schon mal erledigt zu haben. Hier auf dem Campingplatz Wagabunda ist wirklich alles inklusive. Duschen ohne Limit … brauche ich eigentlich nicht aber im Gegensatz zum letzten Platz, wo man auch einfach das falsche Geld für entspanntes Duschen mitgenommen haben kann, ist das schon Luxus. Und heiß ist heiß! Nur als ich versuchte die Dusche mit laufendem Wasserstrahl in die vorgesehene Halterung zu hängen, ging der Strahl Richtung Decke und ich befürchtete, den Gebäudetrakt unter Wasser gesetzt zu haben.
  4. Auf dem Hin- und Rückweg musste ich im Halbdunkel mehreren Fröschen den Vortritt lassen. Es ist mal wieder Froschwetter und die Laubfrösche und Unken sind auch sehr aktiv.
  5. Jetzt, um 21:30 Uhr gewittert es wieder. Na dann: Gute Nacht!

21.5.2019 20 Uhr

Am Morgen habe ich erstmal den Flurschaden besichtigt. Er hält sich zum Glück im Rahmen. Markise, die ich in der Morgensonne habe trocknen lassen, und das Gestänge sind ohne Befund. Die Wiese ist auch wieder etwas abgetrocknet und die, die vor uns fahren, haben keine Probleme mit dem Geläuf. Nach dem Chaos des Abends konnten wir heute Morgen wieder draußen frühstücken.

Eine Frage, die ich mir schon in der Nacht gestellt hatte, war die, ob wir denn nach dem Unwetter heute überhaupt die vorgesehenen Strecken fahren können. Kein Problem: die Polen sind echt schnell. Zwar kamen wir im Laufe des Tages an einigen Bäumen mit Sturmschäden vorbei, die Straßen selbst waren aber alle schon wieder frei.

leichte Feuchtigkeit auf dem Weg

Auf Komoot (die App bewährt sich im großen Ganzen) hatte ich mir einige Aussichtstürme östlich von Mikołajki ausgeguckt, um den Hundespaziergang mit ein wenig Landschafts- und Vogelbesichtigung zu verbinden. Die Blicke gehen auf den oft beschriebenen „Schwanensee“. Irgendwie hatte ich tausend erwartet, aber es waren nicht viel mehr als hundert. Der Weg dahin war, sagen wir mal, feucht. Hätte das nebenstehende Foto eine Tonspur würde man hören, dass Elke sagt: „Das brauche ich nicht!“ Die allgegenwärtigen Frösche in grün und braun meinten: „Sei kein Frosch!“ und ich habe es durchgezogen. Irgendwann wurde das Wasser in den (unpassenden) Schuhen warm und störte nicht mehr.

der Schwanensee bei Mikołajki

Auf dem Weg wieder eine frische Elchspur. Wahrscheinlich aus der letzten Nacht. Das Ganze übrigens bei Łuknajno, wo es eine Campingmöglichkeit mit Restaurant in der absoluten Einsamkeit gibt. Wir haben es vorgemerkt.

Auf dem See endlich auch Schnatterenten. Wir sind sehr erstaunt, wie wenige Wasservögel wir auf all den vielen Seen sehen. Genau wie das bisher völlige Fehlen von Fischadlerbeobachtungen in Polen. Ganz anders als in MecPom.

Hotel - Restaurant Mole in Mgarowo

In Mgarowo haben wir sehr gut im Hotel-Restaurant Mole mit Blick auf den See Czos gegessen. Nicht nur die Vorspeise, sondern auch Tagliatelle (Elke) und ein wirklich üppiges Zanderfilet haben uns begeistert. An dieser Stelle und in diesem Ambiente für das Essen, zwei große Alsterwasser und Trinkgeld rund 20 €, das macht uns sprachlos.

Auf dem Rückweg dann auch die ersten Reiherenten des Urlaubs.

Ein schöner Blick vom Schreibtisch

Jetzt sind wir auf dem privaten Stellplatz „Haus am See“ in Janowo 1, den Elke schon in Essen gefunden hatte. Der Ausblick von meinem gedachten Schreibplatz war so … bis das nächste Gewitter kam. Die Wiese auf der die 2 Wohnmobile stehen ist seifig und wir werden sehen, welchen Flurschaden ich morgen anrichte.

Nachtrag am nächsten Tag:

Auf meine Frage nach dem Internet hat mir der (deutsche) Mitbesitzer gesagt, das gäbe es auf der Terrasse und dort auch den W-Lan-Schlüssel. Es war 21 Uhr als ich den Reisebericht und die Bilder hochladen wollte. Die Terrasse dunkel und kein Lichtschalter zu finden. Ok, das Netbook leuchtet ja von selbst. Plötzlich kommt der Besitzer heraus, macht aber kein Licht an und ranzt mich an, dass das ein privater Bereich sei. Er war offensichtlich wegen seinem Rasen mit den Nerven zu Fuß und hätte es am liebsten gehabt, wir wären gar nicht auf unseren Platz gefahren.

Beide Womos sind übrigens ohne Rasenschäden wieder auf der Straße gelandet.

20 € oder 86 Zloty kostete die Übernachtung und ist hier damit eine der teuersten.

Morgenstund am See

23.5.2019  7 Uhr

Nach einer Nacht auf dem Campingplatz 197 in Malbork / Marienburg mit ganz viel Froschgesang will ich jetzt mal den gestrigen Reisebericht nachholen.

Der 22.5.2019

Die merkwürdige Attacke des Besitzers am Abend hatte dann doch die Wirkung, dass ich am Morgen um 5 Uhr wach war und mir Gedanken darüber machte, was denn wohl wäre, wenn wir uns festfahren. Gegen 7 Uhr bin ich aufgestanden, habe mir noch mal den möglichen Fahrweg auf der schrägen Wiese angeguckt und war dann davon überzeugt, dass es schon klappen würde. Der morgendliche Blick auf dem See und das Vogelkonzert holten mich zurück in die Urlaubsstimmung.

Geneigte Ebenen

Fahrtag nach Marienburg war angesagt und die Besichtigung der „geneigten Ebenen“.

Gleich zu Beginn stand seitlich der Straße eine kleine Gruppe Sikahirsche, leider aufgrund der Verkehrslage nicht zu fotografieren ohne Gefahr zu laufen, persönliche Bekanntschaft mit der Polizei zu schließen.

Apropos Polizei: Zu diesem Fahrtag passen ganz gut ein paar Erkenntnisse zum polnischen Straßenverkehr:

  • Der Beginn von „geschlossenen“ Ortschaften wird immer durch ein Schild mit Stadtsilhouette angekündigt. Am Ortsende ist das Schild dann rot durchgestrichen. Viele Ortschaften bestehen aber aus Häusern, die weit verstreut auseinanderliegen und man kann zwischendurch vergessen, dass die Endtafel noch fehlt. Es gibt Radarmessungen! Außerdem wird das Tempo oft auf 40km/h heruntergeregelt.
  • Vor unbeschrankten Bahnübergängen steht häufig ein Stoppschild und das sollte unbedingt ernst genommen werden. Selbst die Draufgänger unter den polnischen Autofahrern halten dort an.
  • Auch Zebrastreifen sind unbedingt ernst zu nehmen. Ich fand es schon erstaunlich, wie sehr sich manche Fußgänger darauf verlassen, dass die Autofahrer halten.
  • Die kleineren Straßen sind teilweise in einem schlechten Zustand. Und wenn der angestrengte Wohnmobilist mit geringer Geschwindigkeit über die Pisten zuckelt, tut er gut daran, den nachfolgenden Autos per Lichtsignal beim Überholen zu helfen. So kann man übles Drängeln oft vermeiden. Oft wird dafür gedankt.
  • In Polen gilt eine Promillegrenze von 0,2! Diesen „Restalkohol“ hat man am Morgen nach einem Gelage oft noch im Blut. Es wird kontrolliert und Überschreitungen werden hart bestraft.
  • Die Sirenen der Einsatzfahrzeuge haben hier den Sound von Los Angeles ;-)
Seilscheiben im Oberwasser

Die Bundestraße 16 in Richtung Olzstyn / Allenstein ist sehr gut ausgebaut und je näher wir der Stadt kamen, umso mehr veränderte sich die Struktur der Landschaft. Es gibt einfach schon mehr Gewerbeflächen, die Flurbereinigung ist in weiten Teilen erkennbar und auch die Wälder sind oft monostrukturiert.

Durch Allenstein sind wir nur durchgefahren und hatten dabei auch nicht das Gefühl, die Großstadt mit ~130.000 Einwohnern unbedingt kennenlernen zu müssen.

Bei Ostróda / Osterrode wechselten wir auf die E77/S7  Richtung Danzig, eine gut ausgebaute Autobahn für sehr wenig Autos. Jedenfalls heute.

ein Schiff fährt bergauf

Unser Zwischenziel war jetzt die „geneigte Ebene Buchenwalde“, eine von 5 Seilbahnen, an denen die Schiffe bergauf und bergab transportiert werden. Schon vor dem (gebührenfreien) Parkplatz begrüßte uns ein freundlicher Pole mit den Worten: „Ah, aus Essen, dem Ruhrgebiet! Wollen Sie eine Fahrt über zwei Ebenen mitmachen?“

Wollten wir nicht, aber es war damit klar, wir konnten dem Spektakel zusehen. Wirklich sehenswert und dazu hatten wir ja noch absolut Glück mit dem Wetter. Nur Gina fand die Schiffe auf den Schlitten, die mit Ächzen und Knarzen an uns vorbeigezogen wurden nicht so prickelnd.

die Marienburg

Es ging dann über Straßen, die masurisch anmuteten, quer durchs Land nach Marienburg. Und dann der erste Blick auf die Burg, den größten Backsteinbau Europas. Gigantisch! An der Straße am gegenüber liegenden Ufer der Nogat ist extra eine Haltebucht für die fälligen Fotos eingerichtet. Mehr Marienburg / Malbork gibt es heute.

Einen naturkundlichen Leckerbissen gab es an dem Fotoplatz auch noch: Trauerseeschwalben über einem riesigen Feld der Krebsschere, einer schwimmenden Wasserpflanze, die ich in dieser Menge überhaupt noch nicht gesehen habe. Übrigens eine sehr interessante Pflanze, denn sie verbringt den Winter auf dem Gewässergrund, taucht im Frühjahr auf, schwimmt dann in dichten Beständen auf dem Wasser und sinkt im Herbst wieder auf den Grund.

23.5.2019  18 Uhr

Leider war der heutige Tag nicht sonnig, aber zum Glück trocken. Im Laufe des Tages frischte der Wind etwas auf und pfiff dann schon kühl durch die Knopflöcher.

Ornithologisch war es der Tag der Spechte. Hatten wir Anfangs unserer Reise sehr wenig Spechtsichtungen, waren es heute drei Arten. Der Grünspecht erwartete mich hinter dem Womo auf der Wiese, als ich das erste Mal ins Freie trat. Fast schon widerwillig hoppelte er ein paar Meter weiter, guckte, hoppelte weiter, guckte, kroch unterm (!) Zaun durch und flog an den nächstbesten Baum. Dort verschwand er hinter dem Stamm, lugte aber immer noch mal links und rechts vorbei, ob ich endlich verschwunden sei. Schließlich flog er in den Auenpark.

Fitnessgeräte im Auenpark

Auf dem Weg zur Marienburg sah ich dann erst einen Buntspecht der fütterte und kurz danach einen Mittelspecht, der für ein Foto leider zu fix war. Und seit unserer Ankunft in Litauen sahen wir heute die ERSTE Blaumeise. Auch sie fütterte in einer alten Weide.

Übrigens soll es nach einer Hinweistafel im Auenpark auch den Dreizehenspecht geben, wenn ich das alles so richtig verstanden habe. Erstaunlich!

Dieser Park ist sehr gut ausgestattet. Fitnessgeräte für Jung und Alt, viele Hinweistafeln auf die möglichen Naturbeobachtungen und reichlich Bänke. Auch für Hundebesitzer wie uns ein schönes Gelände direkt am Campingplatz.

Marienburg an der Nogat

Um vielleicht doch noch ein besseres Foto der Trauerseeschwalben zu bekommen, gingen wir erstmal zu der bekannten Stelle mit dem Krebsscherenbestand. Aber die Vögel waren unterwegs und erst als wir über die Nogatbrücke gingen, kamen zwei zurück. Aber es wäre heute bei den Lichtverhältnissen eh schwierig geworden mit einem Foto der flinken Flieger.

Nach dem notwendigen Einkauf bei Kaufland (Leclerc und Intermasche hätten auch zur Wahl gestanden, ebenso NETTO und Lidl) dann die Besichtigung der Marienburg. Gemeinsam mit tausend (?) anderen, deren Busse auf allen Parkplätzen der Stadt standen. Ins Zentrum der Burg sind wir gar nicht gegangen, was möglicherweise wegen Gina auch gar nicht gegangen wäre. Elke hat gelesen, dass man mit dem auszuleihenden Audioguide 4 Stunden für die komplette Besichtigung benötigt.

das Wirtshaus der Ritter

Eigentlich wollten wir heute den neuen Gasgrill anwerfen, aber die Einkäufe liegen jetzt auf Eis. Im Außengelände der Burg stand ein „Wirtshaus der Ritter“ und der Räucherduft war dann doch zu verführerisch. Alles schön fett und reichlich! Gab es da nicht eine Masurenregel? Ja, den notwendigen Wodka gab es am Wohnmobil. ;-)

Obwohl: das hier ist ja gar nicht mehr Masuren sondern Pommern. Das Masuren haben wir gestern verlassen und aber gegenseitig versichert, dass wir wiederkommen.

Morgen geht es auf einen Kurzbesuch nach Danzig und am Abend weiter nach Leba.

Campingplatz Nogat 197

25.5.2019  11 Uhr

Und wieder muss ich einen Tag nachtragen. Nach dem Verkehrschaos bei der Fahrt im Bereich Gdansk (Danzig) – Gdynia (Gdingen), kamen wir erst am Abend hier in Leba an und dann reichte die Lust nur noch zur Auswahl der Bilder. Aber jetzt:

25.5.2019  11:11 Uhr ;-) für den 24.5.2019

Den Campingplatz Nogat 197 können wir empfehlen. Er liegt schön in dem Auenpark, alles ist gut gepflegt und man ist in einer viertel Stunde zu Fuß an der Marienburg. Die Parzellen sind, wie man sieht, mit Lebensbäumen unterteilt, es gibt zusätzliche Hütten und im Restaurant hatten wir schon am Ankunftstag unerwartet gut und wie immer preiswert gegessen. Lediglich der Ort Malbork/Marienburg hat uns etwas enttäuscht.

der heimelige Mittelspecht im Auwald

Wie schon im ganzen Urlaub war ich wieder früh auf und habe versucht den Mittelspecht zu fotografieren. Beim Girlitz, der jetzt die Nr.123 auf der Fotoseite ersetzt hat, ist es mir perfekt gelungen. Die beiden Mittelspechte hielten sich stets im Halbschatten auf und ein wirklich scharfes Foto gelang mir nicht. Aber zur Bestimmung reicht es.

die Fähre zum Krantor

Genau um 11:11 Uhr verließen wir den Campingplatz und eine Stunde später waren wir auf dem angestrebten Parkplatz an der Musikakademie in Danzig. Überhaupt kein Problem und eine Übernachtung an diesem Platz, der 300m von der Altstadt entfernt liegt, wäre durchaus eine Alternative. Er ist bewacht und mit einer hohen Mauer gesichert. Allerdings ohne Infrastrukturangebote auf dem Platz. Wir haben für etwas über 3 Stunden parken mit dem Wohnmobil 18 Zloty bezahlt, umgerechnet 4,20 €. In Deutschland wäre das in dieser Lage deutlich teurer.

ein Radler im hängenden Schaukelstuhl

Das Wetter meinte es sehr gut mit uns, wie man auf den Fotos unschwer erkennen kann. Sonnenschein bei angenehmen Temperaturen. Es reichte sogar um draußen zu essen. Mit Schaukelstuhl für den Reiseleiter. Und auch hier in der Touristenmetropole haben wir für Essen und Getränke keine 30 € bezahlt. Meine in Schmalz gebratenen Heringe waren hervorragend und so viel, dass ich sie nicht ganz aufessen konnte.

reges Treiben auf dem langen Markt

Die Stadt ist schon grandios. Der Wiederaufbau nach dem Krieg und auch die meisten Neubauten sind gut in die alten Bestände eingepasst. Die alte Handels- und Hafenstadt mit ihrem Reichtum ist gut zu erkennen. Die vielen Touristen bringen auch heute gutes Geld nach Danzig und so hat die Stadt auch die Mittel, alles in guten Zustand zu erhalten. Soweit wir das sehen konnten.

Rechtstädtisches Rathaus mit Aussichtsplattform

Die Marienkirche ist die größte mittelalterliche Backsteinkirche Europas, erwies sich aber durch ihre Größe als unfotografierbar. An Motiven bestand auch so kein Mangel. Auch hier der Hinweis auf die Fotosammlung zum Urlaub.

Für die Fahrt aus den Städten war wie gesagt Geduld gefordert. Bei dem ewigen Stopp- und Go-Verkehr war ich erstaunt, dass Gina die leckeren Heringsschwänze bei sich behalten hat. Elke hatte vor allen Dinge Sorge, dass wir nicht mehr die notwendigen Einkäufe machen könnten. Erwies sich natürlich als unbegründet. Auf dem Weg nach Leba kamen wir an einem kleinen Supermarkt mit dem Namen DINO vorbei. Vom Warenangebot und der Freundlichkeit des Personals wirklich ein Großer. Hundertmal besser als der Intermache, in dem wir neulich fast verzweifelt sind.

25.5.2019  20 Uhr

Menschenskind! Es gibt Traumnächte, die wirklich keiner braucht! Um 6:30 Uhr hatte ich die Faxen dicke und bin raus in die Natur. Eigentlich für einen langen Strandspaziergang. Doch obwohl ich mich warm eingemuckelt und auch eine Mütze aufgesetzt hatte, trieb mich der kalte Wind am Ostseestrand nach einer Stunde wieder ins Bett. Auch schön!

Auf dem Weg zum Strand steht dieses Ensemble. Die Minibunker stehen hier noch mehrfach an der Küste und sind Relikte aus dem zweiten Weltkrieg, der ja nicht weit von hier mit dem Beschuss der Westerplatte durch das deutsche Kriegsschiff „Schleswig-Holstein“ am 1.September 1939 begonnen hat.

Ein traumhafter Strand! Weißer Sand, kaum Menschen und für Gina endlich mal die Chance so richtig Gas zu geben, was sie auch weidlich ausgenutzt hat. Allerdings wurde der Sand heute reichlich verblasen und das ganz oft in Ginas Augenhöhe. Sie hatte trotzdem total Spaß an der Backe.

das perfekte Wetter für Kitesurfer

Westlich von Leba gibt es eine große Wanderdünenlandschaft, die gerne auch als Sahara Polens bezeichnet wird. Zu der sind es aber 7 km Strandweg plus Aufstieg, was wir uns bei diesem Gegenwind geschenkt haben. Der Wind kam den Kitesurfern recht. Einer zeigte uns mächtige Sprünge und für ihn hätte es noch kräftiger blasen können.

Auffällig übrigens auch hier der Mangel an Vögeln. Eine einsame Bachstelze, ein dutzend Silbermöwen und wenige Lachmöwen und Nebelkrähen waren die gesamte Strandausbeute. Es gibt aber auch keine Muscheln oder Krabben am Strand und selbst der erhoffte Bernstein war uns nicht vergönnt.

Räucherfisch direkt vom Fischer

Auf einem Plan, der hier am Campingplatz zur Mitnahme liegt, wird das Lokal „Chata Rybacka“ (heißt wohl Fischerhaus) beworben und das zu Recht. Heute hatte Elke Lust auf eine  Pizza, die auch sehr gut war, und für mich gab es einen Steinbutt, der umgerechnet knapp 10 € gekostet hat. Ein leckeres Schnäppchen. Und damit nicht genug zum Thema Fisch: auf dem Weg zum Campingplatz habe ich für morgen Abend in Kolberg schon mal eine Räucheraal bei einem Fischer erworben. Der fehlte ja noch seit Nikoleiken.

Abschließend noch ein paar Worte zum Campingplatz Morski – Leba 21, für den wir uns hier entschieden haben. Es ist eine gute Wahl. Bis zur Ostsee sind es wenige hundert Meter und auch im Ort ist man schnell. Die einzelnen Campingparzellen sind groß und liegen zum Teil im Kiefernwald. Jetzt in der Vorsaison ist der Service (Bar, Laden, …) noch eingeschränkt, es ist sonst aber alles im Preis enthalten. Und das Internet funktioniert gut, was für das Einstellen des Reiseberichtes ja wichtig ist.

frisch wundversorgt

26.5.2019  20 Uhr

Der Tag begann mir Regen, der verhalten auf das Dach des Womos trommelte. Für mich das Signal, mich noch einmal im Bett umzudrehen und mal etwas länger zu schlafen.

So ganz ausgeschlafen war ich dann bei der Abfahrt aber wohl nicht. Beim Zurücksetzen habe ich einen der Lebensbäume der Umgrenzung so ungünstig getroffen, dass ich mir in die erst kürzlich für teures Geld ersetzte hintere Ecke ein Loch gefahren habe. Mist!!! Wie man sehen kann, habe ich den Schaden aber mit Gewebeband behoben. ;-)

Auch heute hatte Elke Sorgen, dass wir wegen des Sonntags vielleicht nicht einkaufen könnten. Weit gefehlt. Vom kleinen Sklep (Tante-Emma-Laden) bis zu riesigen Einkaufscenter in Słupsk (Stolp) – alles geöffnet. Die Sonntagsöffnung wird in Polen gerade neu geregelt. 2019 dürfen die Geschäfte noch am letzten Sonntag im Monat geöffnet sein, ab 2020 gilt ein Öffnungsverbot mit vielen Ausnahmen.

Es waren heute nur knappe 150km, aber wir waren inclusive Tanken (Diesel umgerechnet 1,18 €) fast 4 Stunden unterwegs. Auf vielen Strecken war die Geschwindigkeit wegen neuem Straßenbelag, Baustellen, schlechtem Straßenzustand oder Ortsdurchfahrten auf 40km/h begrenzt. Oft kombiniert mit Überholverboten. Beides scheint aber für viele Polen nicht zu gelten. Selbst LKWs sind an uns vorbeigedonnert. Allerdings erschlossen sich die Beschränkungen uns auch nicht immer.

Wir haben uns sehr gewundert, den ganzen Tag nicht einen Greifvogel, Kranich, Kiebitz oder sonstigen Wiesenbrüter zu sehen, obwohl es schöne Feuchtwiesen gab. Greifvögel waren auf der ganzen Reise durch Polen Mangelware.

Honig, Wachskunst und neue Tassen

Dann endlich das ersehnte Schild: Miód = Honig. Eigentlich sind wir ja durch unseren Imker im Brandenburgischen gut versorgt, aber im Moment können wir ein wenig Reiseproviant gebrauchen und es ist ja auch immer spannend zu sehen, was angeboten wird. Der Imker, ein arbeitsamer Rentner, stellte sich als Vogelliebhaber und Naturbursche heraus, sprach sehr gut Deutsch und wir wären sicher auf Kaffee und Kuchen eingeladen worden, wenn seine Frau nicht gerade geschlafen hätte. Als Freizeitbeschäftigung bastelt er Formen um schöne Figuren aus Bienenwachs zu gießen. Alles sehr liebevoll gemacht!

Wildschweine am Wegesrand

Jetzt sind wir in Kołobrzeg (Kolberg) auf dem Campingplatz Baltic. Sehr gut besucht! Es wird gut Deutsch gesprochen. Preis derzeit inclusive Kurtaxe: umgerechnet 33 €. Wohlgemerkt für einen Kurort.

Zum Meer sind es 500 m und es geht entlang dem Park Aleksandra Fredry. Wohlgemerkt: auch stadtnah. Das ist wichtig weil auf unserem Weg zur Ostsee gruben 3 Wildschweine den Waldboden um und ließen sich von den Spaziergängern und Hunden in keiner Weise stören. Nach einem kurzen Spaziergang am Strand verweigerte Elke daraufhin den Gang durch den Park zurück zum Campingplatz. Nur weil der Weg ein wenig aufgewühlt war! ;-)

was für ein granioser Räucheraal!

Dann mit einer Woche Verspätung: der Räucheraal. Und was für eine Delikatesse! Kein Zuchtaal sondern ganz offensichtlich ein Wildfang, denn er hatte weniger Fett und war unglaublich zart. Ob der Pole in Mikołajki uns so was Gutes hätte bieten können? Kaum zu glauben.

der Park der Wildschweine

 

27.5.2019  18:30 Uhr

Bis heute Morgen um 10 Uhr dachte ich, der Kolbergtag wird eine feuchte Angelegenheit oder fällt gar ganz ins Wasser. Wir hatten alle bei den gemütlichen Geräuschen, die der Regen auf dem Dach verursachte, so recht keine Lust aufzustehen.

Doch beim Frühstück hörte es auf zu regnen und die Sonne blinzelte mal so eben durch die Fenster. Es wurde ein richtig schöner Tag, der es auch mit einigen Bildern in die Galerie geschafft hat.

Erstmal entlang der „Wildschweinlinie“ zum Meer. Heute ohne Sichtung. Auf dem Bild ist rechts eine weit verzweigte mächtige Eiche zu sehen, die bei uns in Essen sicher schon der „Verkehrssicherungspflicht“ zum Opfer gefallen wäre. Auch bei den Alleebäumen in ganz Polen sind uns viele schöne alte Exemplare aufgefallen, die bei uns nicht mehr stehen würden. Die Polen sehen das wohl entspannter.

Blick auf die Seebrücke von Kolberg

Am Kolberger Strand sind Hunde in weiten Teilen nicht erlaubt, es soll einen Hundestrand geben, nach dem wir aber nicht gesucht haben. Wir wollten heute zur Seebrücke, dem Leuchtturm und dann zum Essen in die Innenstadt. Es gibt eine sehr kilometerlange schöne Promenade zwischen Meer und lichtem Wald. Sole und Sauerstoff … perfekt!

Blick vom Leuchtturm

Auf der Seebrücke saßen wir eine Stunde in der Sonne und haben für unglaubliche 4,65€ zwei Radler getrunken. Dafür hätten wir auf Usedom nicht eins bekommen! Hinter uns standen die Angler und plötzlich klatschte ein Seehecht neben mir auf den Boden, der schwungvoll aus der Ostsee befördert worden war. Leider war ich mit dem Foto nicht schnell genug. Der Angler hatte ihn in Windeseile ausgenommen und in seinem Eimer gebunkert.

was für eine Prachtbuche

Nach einem Aufstieg auf den Leuchtturm (Himmel, meine Kondition ist echt nicht die Beste) und den fälligen Fotos ging es in die Stadt. Unglaublich wie grün Kolberg ist. Wir hatten das Gefühl von einem Park in den nächsten zu gehen und so bis ins Zentrum zu kommen. Und was für Bäume da stehen! Eine sicher hundertjährige Buche hatte die perfekte Form!

Überall Bänke und Spielplätze. Hier kann sich manche deutsche Stadt ein Beispiel nehmen. Ok, Kolberg ist eine Kurstadt, aber auch da kenne ich in Deutschland traurige Beispiele. Auch hier zahlt man Kurtaxe, hat aber das Gefühl, es ist gut angelegtes Geld.

ein Rathaus wie eine Festung

Unmittelbar vor dem bemerkenswerten Rathaus (hier muss man eine Festung stürmen) haben wir wieder gut und Preiswert gegessen. Die Bedienung ausgesucht freundlich! Auch Gina bekam sofort einen Wassernapf. Heute waren es ohne Trinkgeld 30€, das aber für Lachs, Steak, 2 große Bier und 2 große Goldwasser (die Danziger Liköre mit dem Blattgold standen noch aus – Elke glaubt, unser innerer Wert sei nun gestiegen).

Hochhäuser gibt es hier auch

Es gibt natürlich auch hier nicht so schöne Ecken und Hochhäuser in denen wir nicht leben wollen würden. Diese hier sind nicht die Schlimmsten und es ist natürlich die immerwährende Frage: wie schaffe ich Wohnraum ohne die Freiflächen zu zerstören.

Auch in Kolberg und auf dem Campingplatz Baltic könnten wir es ohne Probleme einige Tage aushalten. Morgen geht es weiter gen Berlin. In Polen bleiben wir aber noch einen Tag.

auch Wildschweine drohen mit aufgestellter Bürste

27.5.2019  20:30 Uhr

Nachtrag: Nach der vorläufigen Vollendung des Reiseberichtes bin ich mit Gina noch eine Runde in den „Wildschweinpark“. Ein traumhaftes Licht und ja, die ungefähr zwei Jahre alten Wildschweine hätten dem Hund nicht Platz gemacht! So gab es noch zwei weitere Bilder des Tages.

 

28.5.2019  20:45 Uhr

Dies ist mit ziemlicher Sicherheit der letzte Teil des Reiseberichtes, der in diesem Urlaub in Polen geschrieben wird. Er geht aber ganz sicher heute nicht mehr ins Netz. Dort, wo wir jetzt gelandet sind, gibt es viel Natur und vielleicht in der „Taverna“ Internet, aber ganz sicher nicht im Womo. Und die Fahrt hierher …

Vorgestern sah ich ein Pickup-Wohnmobil aus Mülheim und Elke, der ich das berichtete meinte schon: „Das wird doch nicht die Karin sein?“ Heute Morgen stellte sich heraus, dass es stimmte. Immer wieder stellt man fest: benimm Dich in der Fremde, es könnten Dich Leute kenne. Nun, das war hier natürlich nicht das Problem.

endlich Wasservögel in den Salzsümpfen

Wie geplant ging es erstmal in die Salzsümpfe östlich von Kolberg. Ein kleiner Spaziergang nur, aber die vielen Wasservögel, die wir bisher auf unserer Fahrt so vermisst haben, sind ein weiterer Grund, auf jeden Fall noch mal für mehrere Tage hierher zurück zu kehren. Die Stadt hat uns wirklich gut gefallen und noch viel zu bieten. Und das Kamingimpel und Zwergschnäpper sozusagen in Nachbarschaft singen. Unglaublich! Auch gab es in diesem Bereich ein kleines Steilufer in denen Uferschwalben ihre Brutröhren gegraben haben.

bin ich Fisch oder Hund?

Es ging hernach stramm nach Süden. Es gab sowohl das Pommern mit weiten Ackerflächen und Monokultur, wie auch lichte Wälder und sumpfige Senken. Es dauerte aber auch heute lange, bis wir die ersten Greifvögel und Kraniche sahen. Ornithologisch gesehen sind wir sicherlich an den Highlights vorbei gefahren. Auch das gilt es nachzuholen.

Es ist geplant gleich eher südlich an Berlin heranzufahren, da wir unser Quartier dort in Kleinmachnow aufschlagen wollen. Für die letzte Nacht in Polen habe ich uns diesen Campingplatz in Krzemień ausgesucht. Bei Komoot gab es einen Weg von Osten her, aber ich war mir nicht sicher, ob das nicht eher ein Wanderweg ist. Deshalb habe ich gestern vom  Routenplaner des ADAC den Weg berechnen lassen und er zeigte die gleich „Straße“. Wir wären kläglich im Wald gescheitert! Und ein Berliner, der seinen Lebensabend wegen der günstigen Preise hier verbringt, erzählte mir, dass auch die Leute, die nach dem Navi fahren, im Wald stecken bleiben. Es sind angeblich Wege, die es 1936 hier mal gegeben hat.

Wir fanden dann doch einen befestigten Weg durch Wald und Flur. Auch für manchen Wohnmobilfahrer ein Graus wegen der Schlaglöcher, mit angepasstem Tempo aber zu fahren. Und kaum hatte ich angesichts der Landschaftsform gesagt, dass das Fehlen der Neuntöter erstaunlich sei, als Elke ein Pärchen auf einem Zaun sitzen sah.

endlich ein Bad im Trinkwasser

Nun, der Campingplatz ist schön und sehr ruhig. Die Chefin hat uns Piroggen serviert, die lecker aber sehr mächtig waren. Für das Essen, 2 Bier und den Campingplatz zahlen wir keine 30€. Dass das Essen auf Plastiktellern und mit Plastikbesteck serviert wurde, ist eher ein Kuriosum.

Am See sahen wir die versprochenen Seeadler nicht, dafür aber mal wieder Flussseeschwalben. Und Gina konnte wieder ausgiebig die Pfoten kühlen und das Wasser trinken, im Gegensatz zur Ostsee.

Außer uns ist noch eine kleine Jugendgruppe mit Betreuerinnen auf dem Platz. Sie haben ein Lagerfeuer angezündet und verbrennen u.a. frische Fichtenzweige. Es riecht so ein wenig nach Weihnachten. Jedenfalls ist es eine ruhige Truppe und so wird es sicher auch eine ebensolche Nacht.

ein himmlisch ruhiger Platz

29.5.2019  21 Uhr

Unser Treffen mit meiner Tochter Meike und Freundin Vera auf dem Campingplatz in Kleinmachnow ist vorbei und jetzt folgt der letzte Teil des Reiseberichtes über unser „Abenteuer“ nach Litauen und Polen.

Man muss sagen: es war keins. Besonders in Litauen, aber auch in Polen ist uns nett begegnet worden und viele unserer Sorgen bezüglich der Sprachprobleme waren völlig unbegründet. Ist man selber freundlich, so sind es auch die Menschen in den anderen Ländern, das ist eine Erkenntnis, die wir in ganz Europa machen.

Die Nacht in Krzemień war erwartet ruhig und wäre die eigene Reiseunruhe nicht gewesen, hätten wir auch bis 12 Uhr schlafen können. Was für eine entspannte Stimmung! Und gerne darf man bei einem weiteren Besuch auch hier die Details der Ornithologie suchen.

ein in jeder Hinsicht bunter Urlaub

Auf der Fahrt zur Grenze nach Deutschland musste ich dann dieses Foto schießen, nicht ahnend, dass ich das auch jenseits der Grenze gut hätte tun können. Aber ich fand, es war ein gutes Foto in Bezug auf unsere Reise durch Litauen und Polen: es war bunt und freundlich! Wir kommen wieder!

oh ja ... wie wahr!!!

Es fehlten nur 10km um 2000km in Litauen und Polen gefahren zu sein, als wir bei Kostrzyn (Küstrin) über die Oder fuhren. Kurz hatte ich überlegt für die 2000 eine Ehrenrunde zu drehen.

Jetzt sind wir auf dem Campingplatz in Kleinmachnow. Hatten einen schönen Abend mit meiner Tochter Meike und Freundin Vera und genau hier endet unser Reisebericht.