Ganz im deutschen Osten 2016

Das Lausitzer Seenland

2016-05-15. Glückliche Anreise

Den Pfingstsonntag hatten wir uns für die Anreise nach Brandenburg ausgeguckt, um jeglichem Rückreiseverkehr und den LKWs aus dem Wege zu gehen.

Das Wetter war durchwachsen angekündigt und das können wir bestätigen: Es gab von allem was.

Hinter Hamm-Uentrop sagte ich zu Elke: „Da vorne kommt’s besonders  dicke. Das ist nicht nur Regen!“ Wir fuhren in eine schwarze Wolkenwand mit Gewitterwolken. Und dann ging es ganz schnell: Aus dicken Regentropfen wurden Hagelkörner. Einen Augenblick später war die Fahrbahn bedeckt. Also ganz schnell vom Gas runter und langsam weiter. Gut so, und die, die es anders machten, wurden böse bestraft. Hundert Meter vor uns sehe ich plötzlich ein Auto quer zur Fahrbahn stehen. Warnblinkanlage an und langsam das Tempo noch weiter zurücknehmen. Behutsam an die Unfallstelle ran. Die Autobahn ist von Trümmern übersät, auf der linken Spur steht ein polnischer Opel der keine Schnauze mehr hat. Im Graben und in der Böschung rechts stehen zwei weitere schwer beschädigte Autos, von denen eines bis zu den Rücksitzen eingedrückt ist und verdächtig qualmt. Mindestens zwei weitere Fahrzeuge sind in den Unfall verwickelt. Einem Womo hat es den Fahrradträger heruntergerissen. Eine junge Frau steht blutend am Straßenrand. Es haben aber weitere Fahrzeuge angehalten und es sind genug Helfer vor Ort. Wir können langsam auf der mittleren Spur durch die Trümmer kurven und unsere Fahrt fortsetzen. Puh, das war knapp!

Gerät man da hinein, hat man keine Chance!

Später hörten wir im Radio, das es noch einen Folgeunfall gegeben haben muss und die Autobahn komplett gesperrt wurde.

Wir kamen nach 6 Stunden Fahrt inklusive Pausen planmäßig in Brandenburg auf dem Wohnmobilplatz am Wassersportzentrum „Alte Feuerwache“ an. Immer ein schöner Übernachtungsplatz auf der Reise in den Osten! Hier der Link für den, der es ausprobieren möchte: wassersportzentrum-alte-feuerwache

Noch zwei tierische „Begegnungen“: An der Autobahn lag an einer Stelle ein toter Dachs (fast alle Begegnungen mit Dachsen hatte ich leider so) und an anderer Stelle ein Baummarder. Krähen und Bussarde saßen jeweils schon auf den Beobachtungsposten, um sich ihren Teil am Kadaver zu sichern. Immer wieder sieht man tote Bussarde, denen diese „Beutetiere“ zum eigenen Verhängnis geworden sind. Tote Krähen hingegen sieht man eher selten. Krähenvögel sind halt intelligenter – auch als die Autofahrer die bei Hagelschlag meinen noch 160km/h fahren zu müssen.

Großtrappenhähne

2016-05-16. Trappenland und Linum

Das neue Café Javisst auf dem Gelände des Wassersportzentrum bietet für 8€/Person ein kleines aber ausreichendes schwedisches Frühstückbuffet an. Mit Kaffee satt. Kann man nicht meckern und es wird von vielen Wohnmobilisten auch gerne angenommen.

So kamen wir relativ zügig auf die Piste, hin zur ersten naturkundlichen Station: dem Märkischen Luch und seinen Großtrappen, deren Männchen die  schwersten flugfähigen Vögel Europas sind.

Noch bevor wir die Beobachtungstürme erreichten, sah ich rechts von der Straße in guter Entfernung balzende Trappenhähne. Wir mussten nur in langsamer Fahrt und mit Halt auf der Landstraße den richtigen Durchblick finden. Perfekter Weise kam sogar mal kurz die Sonne raus. Was für ein Glück!

Rohrweihe über Trappenland

Trotzdem sind wir noch zu dem Beobachtungsturm mit dem großzügigeren Parkplatz bei Buckow gefahren und dort gab es dann neben wenigen Trappen auch Kraniche, eine Grauammer singend auf kurze Distanz, Nachtigallengesang, eine kooperative Rohrweihe und vieles mehr. Es blieb, wie auch den ganzen späteren Tag, trocken.

Die weitere Fahrt Richtung Linum (vorbei an Ribbeck –„Herr von Ribbeck zu Ribbeck im Havelland…" Theodor Fontane) führte teilweise über schlechte Straßen, ging aber durch eine schöne Landschaft mit vielen alten Alleen.

Brutfloss auf den Linumer Teichen

An den Linumer Teichen war etwas mehr Betrieb wegen des Feiertages. Glücklicherweise hatte die Fischerhütte auf, unglücklicherweise hatten sie unsere Bestellung „Forelle und Saibling vom Grill“ irgendwie nicht hingekriegt, sodass wir in der kalten Gaststube über Gebühr warten mussten. Der Fisch war aber toll (mit Landbrot und Bärlauchbutter) und als Entschädigung gab es einen guten Obstler auf Kosten des Hauses.

In der Wartezeit kam unter anderem der Fischadler mal vorbei und einzelne Flussseeschwalben machten schon Appetit auf den Rundgang. Das Brutfloß war von Flussseeschwalben und Lachmöwen gut besetzt.

Kolbenentenpaar

Wenige Wasservögel ließen sich blicken, sehr schön aber ein Pärchen Kolbenenten.

Über den Teichen jagten 3 Schwalbenarten und fast wie erwartet, war auch ein Rotfußfalke mit von der Partie, allerdings nicht erfolgreich. In einem Busch sammelte die Beutelmeise Futter. Das beutelartige Nest konnte ich nicht entdecken.

Zum Turm 9 wollte Elke dann nicht mehr mit und dort stand ich lange Zeit allein und konnte die Landschaft auf mich wirken lassen. Als sich zwei Berliner aus Spandau eingefunden hatten, flog der Eisvogel ein paar Ehrenrunden, der Rothalstaucher kam vorbei, Graugänse mit Gösseln und mit der Sichtung eines Zilpzalps und den dazugehörigen Informationen, hatte das interessierte Ehepaar eine kleine Lektion Vogelkunde mit auf die Reise genommen.

Kranichpaar mit Jungvogel

2016-05-17. Kranichfamilien

 Eingeschlafen sind wir mit dem Gesang der Nachtigallen und dem Ruf des Moorochsen (wie die Rohrdommel wegen ihres tiefdröhnenden Rufes genannt wird). Auch verschiedene Frösche beteiligten sich am Konzert.

Geweckt wurde ich durch den Kuckuck, der offensichtlich in der Nähe des Wohnmobils rief. Das war so gegen 7Uhr und dann bin ich wieder eingeschlafen. Eine Stunde später brach in der Ruhe  des Rhinluchs  das Inferno aus. Das arbeitende Volk hatte den Auftrag die Flächen am Eingang der Linumer Teiche zu mähen, also direkt neben unserem „Schlafzimmer“. Nach einer halben Stunde sind wir aufgestanden und haben gefrühstückt. Und um den Arbeiter in seiner Arbeit nicht zu behindern, habe ich das Womo danach auf eine schon gemähte Fläche umgestellt.

Dann noch mal mit Elke zum Beobachtungsturm 9. Perfekt: Ein Kranichpaar war mit seinem relativ kleinen Jungvogel sehr gut vor dem Schilf zu sehen, verschwand aber nach kurzer Zeit hinter der Schilfwand. Rothals- und Zwergtaucher zeigten sich schön auf den Wasserflächen und ein Zilpzalppaar war fleißig beim Nestbau und polsterte das Nest mit Mauserfedern der Wasservögel aus. Da die Federn fast so groß waren wie der Zilpzalp, sah es so aus, als flögen weiße Wölkchen  zielgerichtet durch die Luft. Nun ja:  Dunen sind auch für kleine Vögel eine wärmende Bettstatt.

kämfende Kuckucke

Zwei Kuckucke kämpften im Flugspiel um den besten Platz im Rohrsängerrevier. Bei den vielen Gasteltern (hier insbesondere die Teichrohrsänger) hat der Kuckuck hier noch gute Bestände. Bei uns in Essen ist er seit Jahren eine Rarität.

Immer wieder gab es kleine Regenschauer und die Temperatur schwankte so um die 10 Grad. Nicht kuschelig, also auf in Richtung  Kyritz - Ruppiner - Heide, an deren Rand unser Lieblingsimker heimisch ist. Das Heidegebiet ist ein ehemaliger russischer Truppenübungsplatz und wurde 2013 von der Heinz-Sielmann-Stiftung als Nationale - Naturerbe - Fläche übernommen.

Nachdem wir getankt (Elke wurde schon etwas hibbelig weil die Tankanzeige aufleuchtete) und in Neuruppin ein wenig eingekauft hatten, ging es nach Rägelin zum Imker. Dort wurden wir von Bernd und Christine mit Kaffee und köstlichen Erdbeertörtchen begrüßt und konnten vorerst genug Honig für zu Hause tanken.

Bernd und ich stellten fest, dass es bezüglich der Bedenken gegen die heutige Form der Landwirtschaft und den ausufernden Windrädern viele ähnliche Ansichten zwischen dem Imker und dem Ornithologen gibt. Denn auch der Imker ist über seine Bienen stark mit der Umwelt vernetzt. Es war sehr interessant von ihm etwas über die unterschiedlichen Trachten  zu erfahren. Kornblumenhonig  haben wir natürlich auch mitgenommen.        Zur Homepage geht’s hier.

Auf der Rückfahrt nach Neuruppin noch einmal ein Kranichpaar mit einem etwas größeren Jungen direkt am Straßenrand.

 

Schellentenpaar

Genussvoll durch das Land Brandenburg fahrend sind wir zum CP „Am Spring“ am Werbellinsee gefahren und haben einen Platz am See bekommen.

Während ich schreibe: Hinter uns singen ausdauernd zwei Gartenrotschwänze und die vorbeifliegende Schellente (Erpel!) macht mit dem Flügelgeräusch ihrem Namen alle Ehre.

Bachstelze

2016-05-18.Am Werbellinsee

Als Weckrufe am Morgen kamen die langgezogenen „Kliööh“-Rufe des Schwarzspechts, unterlegt mit dem Stepptanz der Bachstelzen auf dem Womodach.

Es war sonnig und so konnten wir das erste Mal in diesem Urlaub draußen frühstücken. Sehr schön, denn so entgingen uns auch die 5 Seeadler (einmal 2, einmal 3) nicht, die rufend über den See flogen. Das Flugbild des Seeadlers erinnert an ein breites Brett. Kaum zu verwechseln.

Die steppende Bachstelze saß während unseres Frühstücks wie so oft auf dem Dach nebenan. Auf Dächern sitzt sie besonders gerne, weshalb sie mittlerweile von manchen Ornithologen auch schon Dachstelze genannt  wird. Jederzeit hatte sie aber die hungrigen Jungvögel im Blick.

Scharlachroter Feuerkäfer

Die belebte Natur hatte noch mehr zu bieten. In der Hecke neben uns ein roter Fleck, der sich bei genauerer Betrachtung als Scharlachroter Feuerkäfer entpuppte. 

Als ich vergeblich auf funktionierende Toiletten wartete (es gab ein Stromproblem an der Pumpe und deshalb es kein Wasser) unterhielten mich die zwei Gartenrotschwänze im Duett ganz ausgezeichnet. Und ich hätte soooo schöne Fotos machen können, wenn ich den Fotofix zum Klo mitgenommen hätte. Alle Versuche es später nachzuholen scheiterten kläglich. Die Vögel hatten keinen Bock auf Fotos.

Wir hatten uns vorgenommen eine Runde durch den Wald zu drehen. 3,8 km, eine auch für uns machbare Länge. Es wurden wohl 5 km, denn Elke hatte nicht das nötige Vertrauen zu den Wanderzeichen und meinen Einschätzungen. Sie ist nicht wirklich ein Waldkind!

Baumbiotope

Aber die vielen schönen alten Bäume, in deren Stämme die Buntspechte ihre Höhlen gezimmert hatten, deren Junge unaufhörlich und lautstark nach Futter riefen; diese Bäume fand Elke auch toll. Man kann sich vorstellen, wie viel Leben in diesen Baumbiotopen am Abend zum Leben erwacht: Fledermäuse, Siebenschläfer, Waldkäuze, Waschbären, … . Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Bei den Vögeln besonders hervorzuheben sind Pirol (der auf meine Rufe geantwortet hat), die schön schwarzweiß gefärbten Trauerschnäpper und  die vielen Waldlaubsänger, im Volksmund wegen ihres schwirrenden Gesanges auch Waldschwirrvogel genannt.

Auf dem Platz zurück haben wir uns entschieden, den Italiener (Kennzeichen MK=Mazedonien) im Strandrestaurant auszuprobieren. Draußen sitzen, mit Blick auf den See und das mit großartigem Essen, da kann man nicht meckern. Elkes Lasagne war gut und reichlich und ich habe selten so ein perfektes Rumpsteak gegessen. Und das zum kleinen Preis: Incl. Getränke 30€. Und einen Gratisschnaps gab es auch noch. Wir hatten uns Sambuca gewünscht. Was ich nicht wusste: Er wurde angesteckt serviert und ich habe mir am Glas den rechten Zeigefinger verbrannt – und vor Schreck den Schnaps über den Tisch gegossen. Mit einer warnenden Bemerkung und einem Lächeln bekam ich einen neuen.

kein lieber Schwan

Am Womo zurück trauten wir unseren Augen nicht. Der Schwanenhahn stieg aus dem See und kam die 100 m über die Liegewiese direkt auf uns zu. Er hatte wohl Langeweile und suchte Krach. Jedenfalls kam er bis zu unserer Parzelle und war sichtlich auf Krawall gebürstet. Erst mit zwei „Gegenangriffen“ mit einem Stuhl konnte ich ihn wieder vertreiben. Vielleicht war es sein Protest dagegen, dass überall Schilder stehen, dass man die Schwäne nicht füttern soll.

Das Duschen wurde auch noch erledigt und so können wir morgen in die „Wildnis“ der Schorfheide eintauchen.

Goldammer

2016-05-19. die Schorfheide

Heute weckte uns der Kuckuck. Aber wir ließen uns von ihm keine Vorschriften machen und blieben noch ein Stündchen liegen. Dann war Frühstück und Aufbruch angesagt. Bei der Ausfahrt vom Campingplatz noch singender Waldbaumläufer.

Nach Joachimsthal ging es ganz zauberhaft am See entlang. Auch hier galt wie den ganzen Tag (und auch den ganzen Urlaub): Bei mäßiger Geschwindigkeit durch die Landschaft zu fahren hat mit dem großen Wohnmobilfenster und dem hohen Sitz ein bisschen was von Kino.

Nach einem kleinen Einkauf und einer Orientierungsrunde ging es von Joachimsthal hinein in die Schorfheide. Enge, aber relativ gute Straßen und ganz wenig Verkehr, eine gute Kombination.

Pause am Beobachtungsturm am Melln, einem vergangenen See, der jetzt ein wertvolles Moor- und Feuchtgebiet ist. Kranichbrutplatz für mehrere Paare, als schicke Arten außerdem Schwarzkehlchenpaar im Rapsfeld, Goldammer ruhend im Baum gegenüber und Grauammer mit ihrem klirrenden Gesang nahebei.

Für die, die diesen Reisebericht lesen und keine ornithologische Vorbelastung haben will ich ab und zu die vielen netten Vogelarten bei ihren originellen Namen nennen. Es sang am Beobachtungsturm auch der Gelbspötter und die Klappergrasmücke (oder „dat Müllerken“, wie der Volksmund sagt).

Schwarzkehlchenpaar im Rapsfeld

Bei dem Versuch das Schwarzkehlchenpaar etwas besser vor die Linse zu bekommen stieg ich in die grasbewachsene Böschung … und hatte sofort eine Zecke am Hosenbein.

An weiteren Kranichen vorbei und durch eine wunderbare Landschaft fuhren wir zum nächsten Exkursionspunkt, der Nabu-Station Blumberger Mühle. An dieser Stelle mal ein besonderes Lob für die Planer der Naturschutzstation und ein Hinweis für andere Wohnmobilisten: Hier wurde ein schöner Stellplatz angelegt. Zwar ohne Ver- und Entsorgung, aber idyllisch gelegen und mit Vogelkonzert ohne Ende. Sprosser und Nachtigall singen mit vielen anderen um die Wette. Und der Pirol lässt sich samt Frau Gemahlin auch mal hören und sehen.

die Wackelbrücke

Hier hat der Nabu wirklich ein schönes Gebiet gekauft und auch für Kinder interessant angelegt. So kamen auch wir mal zu einem kleinen Abenteuer auf der Wackelbrücke, die gleich mehrfach begangen wurde.

Ringelnatter

Im Gelände waren die Highlights der Wendehals (!), die Sumpfschildkröten in allen Größen, Rotbauchunken (welch traurig und wohlig schönen Rufe!) und eine Ringelnatter die erfolglos Jagd auf sie machte. Und als besonderes Schmankerl die Beutelmeise beim Nestbau.

Der Rohrschwirl war über das Gelände hinaus zu hören und ich denke, dass wir auch heute Nacht den „Moorochsen“ hören werden.

Biberkunst

Es ist 21Uhr und wir werden jetzt einen Versuch unternehmen die Biber zu sehen, von denen es heute schon viele Spuren gab.

Mehr dazu morgen!

Nachtrag: Biberburg ja, Biber nein.

Außerdem war es in der Nacht doch ab und zu sehr unruhig: Güterzugverkehr auf einer der beiden benachbarten Bahnstrecken.

Womoplatz Blumberger Mühle

2016-05-20. Beutelmeise und andere Sehenswürdigkeiten

Nach einem Frühstück im Schatten (!) dieses schönen Stellplatzes und mit viel vogelkundlichem Spektakel (u.a. war auch der Wendehals wieder aktiv und wurde ebenso aktiv von einer Blaumeise attackiert) ging es noch einmal ins Gebiet, um die Beutelmeise beim Nestbau mit besserem Kameralicht belauern zu können.

Ich habe dann schließlich viele Fotos gemacht. Ob etwas Brauchbares dabei ist, werde ich erst am heimischen PC merken. Der Monitor des Netbooks ist einfach zu klein.

Wendehals und Blaumeise

Zugegeben: Das Wendehalsbild ist vom Vortag!

Die Beutelmeisennestbautrilogie 1 >

und 2 >

und 3 (bei kräftigem Wind - die Verankerung des Leichtgewichtes hält trotzdem!) >

Danach habe ich die ersten Karten geschrieben und dann ging es nach Angermünde zur Post, zur Sparkasse und wegen eines Mückensprays in den Dromarkt, da meine Füße durch die Socken schon einige Stiche abbekommen hatten. Es ist absehbar, dass wir auf dem Rest der Reise auch mit den lästigen (aber im Ökosystem wichtigen) Mücken rechnen müssen.

Im Hofladen des Ökodorfes Brodowin (!)  gab es einen kleinen Imbiss (für mich eine köstliche Kreation aus Ziegenfrischkäse, Honig, Nüssen und Salat), dann noch ein paar Einkäufe und weiter zum Campingplatz am Parsteinsee.

Pirol

2016-05-21. Wandern durch Pirolreviere

Elke hatte sich zu einem Ruhetag entschlossen und so konnte ich im eigenen Rhythmus durch Wald und Feld nach Brodowin wandern. Schließlich wurden es gut 15km und ich denke, da hätte Elke irgendwann streiken wollen, aber nicht können, da es nur den Rückweg zu Fuß gab.

Schon am Campingplatz hatte ich den ersten Sichtkontakt zu einem Pirol, der dort regelmäßig sein Revier besang. Im Laufe des Tages bin ich mindestens durch 7 Pirolreviere gelaufen, konnte einige beobachten und habe es tatsächlich geschafft im hohen Blätterdach ein zweijähriges Männchen zu fotografieren (für alle die mich kennen: nein, das ist diesmal kein Scherz, man erkennt es am Gefieder).

kleiner Krebssee

Ein toller Mischwald hier südlich vom Parsteinsee mit einigen ganz alten Exemplaren, die jeder für sich ein ganz eigenes Biotop sind.

Eingestreut immer wieder kleine Seen, sumpfige Senken und Moore. Dadurch waren allerdings recht viele der kleinen stechenden Blutsauger unterwegs, was Pausen etwas beschwerlich machte.

Hin und wieder ging Wild ab und ich muss zugeben, dass es mich etwas wurmt, dass die Tiere mich  früh sehen und ich sie dadurch nicht. Mal schauen, was ich diesbezüglich von den Wildnisleuten in der Lausitz lernen kann.

Dann aber doch eine Beobachtung: Mitten im Wald lief in aller Seelenruhe ein Kranich, der sicherlich in einer der feuchten Senken sein Brutrevier hat.

ein Drumlin

Am „Großen Stein“, einem fetten Findling, den man schon mal für Bauzwecke angefressen hatte, ging es im rechten Winkel quer durch den Wald in Richtung Brodowin. Hinweisschilder habe ich verschiedentlich ignoriert (was Elke kirre gemacht hätte) im Vertrauen darauf, dass mein Richtungsgefühl mich nicht im Stich lassen würde. Ich kam auch genau an der Stelle aus dem Wald, wo ich es geplant hatte. Und damit hinein in eine völlig andere Landschaft mit kleinen Hügeln (hier Drumlins genannt)  und vielen tollen Hecken. Hier um Brodowin herum gibt es dadurch eine hohe Dichte an Sperbergrasmücken und Neuntötern. Angeblich bauen diese Arten ihre Nester sehr gerne dicht beieinander. Nach dem Grund werde ich zu Hause mal forschen.

Insgesamt hatte ich mit mehr Sichtungen gerechnet, aber ich weiß ja von meinem Urlaub mit Jörg vor vielen Jahren am Elbufer, wie versteckt sich die Sperbergrasmücke verhält. So musste ich mit kurzen Beobachtungen wegfliegender Vögel zufrieden sein.

Über dem Brodowinsee (von dem ich erst gedacht hatte er sei ausgetrocknet, weil ich eine Verlandungszone gesehen hatte) flogen sowohl Trauer- wie auch Flussseeschwalbe.

artenreiche Landwirtschaft

In Brodowin hatte der Gasthof „Schwarzer Adler“ zum Glück auf, denn mein Durst war nach 4 Stunden Marsch mächtig. Der Gasthofname „Schwarzer Adler“ ist in der Regel ein Beweis dafür, dass es den (ziemlich dunklen) Schreiadler in der Gegend mal gegeben hat oder noch gibt. Und tatsächlich hatte ich auf dem Rückweg das Glück, in der Ferne einen Schreiadler fliegen zu sehen. Das passt zu dieser artenreichen Landschaft, in der aus jedem Kleingewässer die Frösche und Unken rufen, die dieser Adler gerne mal zu Fuß jagt.

Die Tatsache, dass es in Brodowin ausschließlich ökologische Landwirtschaft (3 Betriebe) gibt ist ein Segen für die Natur. Über den naturnah bewirtschafteten Feldern singen hunderte Feldlerchen, zwischen Getreide mit eingestreuten Korn- und Mohnblumen ist die Wachtel noch häufig und aus den großen und dichten Hecken erklingt vielfältiger Vogelgesang. Ein ornithologisches Paradies!

Zurück am Campingplatz war das Motto nur noch: raus aus den Wanderschuhen, ab zur platzeigenen Gaststätte mit Schnitzel und Spargel, wo wir schließlich noch das Pokalfinale zwischen dem BVB und Bayern sehen konnten, über dessen Ergebnis wir dann aber doch ein wenig angesäuert waren. Na ja, wenn man im regulären Spiel kein Tor schießt und im Elfmeterschießen 2 versemmelt, dann brauch man sich nicht zu wundern, wenn Guadiola jubelt.

Zwergseeschwalbe

2016-05-22. der Blick nach Polen

Es galt Abschied zu nehmen vom Parsteinsee mit seinem Campingplatzpirol und von dem Ehepaar aus Hof, das uns auf den letzten drei Plätzen am Werbellinsee, an der Blumberger Mühle und eben am Parsteinsee immer wieder begegnete.

Da wir vor dem Oderbruch mit der Ungewissheit der Versorgung noch einkaufen wollten, habe ich die Pläne erneut geändert. Da ich auf der gestrigen Wanderkarte (stark generalisiert) einen Stellplatz ganz in der Nähe und nahe der Oder gefunden hatte, gab es jetzt noch einen kleinen Zwischenschritt.

Auf dem Weg vom Stellplatz zur Oder wieder Unkenkonzert, Neuntöter und etliche Lachmöwen, die, wie sich herausstellte, auf der anderen Oderseite in einem Kiesabbaugebiet zu brüten scheinen. Und nicht nur Lachmöwen. Auch ein paar Großmöwen ließen sich blicken und, zu meiner großen Freude, jagte gleich hinter dem Deich, also noch auf deutscher Seite, eine Zwergseeschwalbe, die ebenfalls von der polnischen Seite zur Nahrungssuche herüberkam. Sie war sogar so freundlich, genau vor uns ihre Jagdflüge zu machen und sich fotografieren zu lassen. Ich muss zugeben, dass ich gar nicht wusste, dass Zwergseeschwalben auch im Binnenland brüten.

am Oderdeich

Wir saßen auf dem Deich und ließen das Naturkino vor uns ablaufen. Über der Oder jagten auch Fluss- und Trauerseeschwalben und schließlich auch der Fischadler erfolgreich. Der Adler zog mit dicker Beute ab zu einem Wald auf der deutschen Seite, während über dem polnischen Wald gegenüber der Schwarzstorch kreiste. Toll!

In dem Gewässer vor dem Deichfuß schwammen mehrere Familien Graugänse, der Graureiher stand am Ufer und lauerte auf Frösche und all das bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen 27°.

Grauammer

Die Grauammern scheinen hier überall gut verbreitet (in NRW stehen sie vor dem Aussterben), Goldammern sind häufig und endlich bekam ich mal wieder ein schönes Exemplar vom Bluthänfling vor die Linse.

Bluthänfling

Abschlussbemerkung zum Tage: Auch hier am Stellplatz singt der Pirol und ich glaube sowohl Nachtigall wie auch den Sprosser zu hören. Allerdings sind neben Mücken auch Gnitzen unterwegs und deshalb breche ich den Bericht hier ab. Aber die Kraniche, die gerade rufen, und die Mücken bilden ja wohl immer eine Lebensgemeinschaft. ;-)

Neuenhagener Oderhalbinsel

2016-05-23. Stippvisiten in Naturschutzgebieten

Nach einer ruhigen Nacht (wenn man die Nachtigall und den Sprosser mal ausnimmt) weckte uns am Morgen diesmal der Girlitz. Ich hatte am Vorabend schon das Gefühl, dass er in der benachbarten Weide brütet.

Die Frühstücksbrötchen hatte die Stellplatzbesitzerin noch warm in eine Tüte gepackt. Deshalb waren sie diesmal besonders weich (sie hatte am Vorabend noch von knusprigen Brötchen geschwärmt).

Von dem für den Westen angekündigten Wetterwechsel kann hier keine Rede sein (gut, wir sind auch weit weg), im Gegenteil, die Hitze wird langsam etwas lästig. Gefrühstückt wurde so ein Stück weg vom Womo im Schatten des Girlitzbaumes. Und siehe da: Die Gnitzen waren auch schon wieder da.

Blick in den Oderbruch

Auf dem Weg nach Bad Freienwalde sind wir erst gemütlich durchs Oderland gereist und sind in Altgliezen  ein Stück auf die Gabower Hangkante gelaufen. Der „versprochene“ Wiedehopf hat sich nicht blicken oder hören lassen, aber das Landschaftsbild hat uns entschädigt. Man steht auf einem riesigen Sandberg (das Ganze gehört zur Neuenhagener Oderhalbinsel und ist ein von der Alten Oder umflossener Umlaufberg) und hat einen weiten Blick in den Oderbruch und auf die Halbinsel.

Literaturhinweis: Die meisten Tipps wie auch diesen und die folgenden habe ich aus dem Buch „Vögel beobachten in Ostdeutschland“. Für eine Naturkundliche Reise unbedingt zu empfehlen. So etwas gibt es auch für Nord- und Süddeutschland.

Dann ging es aber erst mal nach Bad Freienwalde, wo wir die geplanten Einkäufe erledigt haben.

Naturschutzgebiet Altranft

Kurz danach der nächste Zwischenstopp: Das ehemalige Truppenübungsgelände bei Altranft. In dem Naturschutzgebiet gilt ein Betretungsverbot, aber es ist eine offene Fläche und man kann auch so den einen oder anderen Blick auf die Natur erhaschen. Heidelerchen und Baumpieper habe ich gehört, für eine ausführliche Beobachtung benötigt man mehr Zeit. Das hier diente nur dem Appetitholen für ein Wiederkommen. Aber das gilt schon fast für die ganze Reise.

Altfriedländer Teiche

Nächste Station  war Altfriedland mit seinen Teichen und Seen. Dieser Ort liegt schon am Rande der Märkischen Schweiz, die wir uns ansonsten aber auch für eine weitere Reise aufsparen.

Eine kleine Enttäuschung gab es am Anfang: Der Fischer, bei dem wir zu Mittag gegessen haben, hatte keinen Räucheraal mehr. Nun gut, der Zander war auch nicht schlecht. Allerdings kam auch der nicht aus eigenem Fang, denn dies ist ein reiner Karpfenzuchtbetrieb. Nach Angaben des Fischers kam der Zander „wie überall“ aus Kasachstan.

Dann ging es zum anderen Ortsrand und den Beobachtungsständen. Die Überraschung dort waren die Weißbartseeschwalben, die sich mit Lachmöwen und Flussseeschwalben die Brutflöße teilten. Sehr schön war ihre Eigenart zu sehen, die Insekten im Flug von der Wasseroberfläche zu fangen. Auf dem Rückweg zum Womo kam mir noch ein Waldbaumläufer vor die Linse.

Eintauchen in den Oderbruch mit unserm fahrbaren Kino. Zwischendurch hatten wir aber eine „Bildstörung“ weil endlich mal wieder in einem Ort das fette Kopfsteinpflaster erhalten worden ist.

Gespannt waren wir auf den Campingplatz in Zechin und sehr angenehm überrascht. Der private Verein „Oderkids e.V.“ betreibt den Platz überwiegend mit Ehrenamtlichen. Es ist alles da was wir brauchen, sogar eine Wlan-Verbindung.

Kanal im Oderbruch

2016-05-24. Radfahrtag im Oderbruch

Auch dieser Tag begann mit der Suche nach einem Schattenplatz fürs Frühstück. Die Brötchen waren uns netterweise schon auf den Tisch gelegt worden, und diesmal kamen sie vom Bäcker. Elke erkannte sie gleich als die Knüppelbrötchen ihrer Kindheit. Auf die Brötchen von Malzer in Essen freuen wir uns schon!

Heute sollte es gemeinsam mit dem Rad auf eine interessante Strecke durch den Oderbruch und an der Oder entlang gehen. Sollte! Bei meinem Rad ließ sich ein Reifen nicht mehr mit Luft füllen und da er völlig platt war, war ich es auch. Elke hat sich sofort bereit erklärt noch einmal einen ruhigen Tag einzulegen und so bin ich alleine mit ihrem Damenrad los. Letztendlich war es dann aber auch gut so, denn auf dem Rückweg hatte ich kräftigen Wind von vorne, was Elke ja nun mal gar nicht mag.

Viele Landschaftselemente des Oderbruchs erinnern mich an das Elbufer bei Gartow. Auch das Artenspektrum ist ähnlich, wobei hier die Artenzahl noch höher sein dürfte. Auch heute mehrere Pirolreviere, Neuntöter auf jeder Hecke und die scheue Sperbergrasmücke hat auch hier keinen Bock auf ein Foto.

Trauerseeschwalben

Sehr schön einzusehen war die Trauerseeschwalbenkolonie. Es waren sicher mehr als 30 Vögel, die sich fast komplett in die Luft erhoben, als die Rohrweihe vorbeiflog. Den Seeschwalben haben die Naturschützer kleine Flöße angeboten und so weit ich das sehen konnte, waren sie alle besetzt.

Biberspur

Hatte ich mich an der Oder noch gewundert, keine Biberspuren zu entdecken, an dem Seeschwalbengewässer waren sie nicht zu übersehen. Ein Objekt in frischer Vollendung habe ich mal mit Landschaft fotografiert.

Schon während der windreichen Rückfahrt hatte ich mich auf Griespudding mit Erdbeeren gefreut (haben wir gestern gekauft). Am Womo überraschte Elke mich mit Pommes und Currywurst (vom Imbiss am Freibad) und danach gab es das Andere als Nachtisch. Köstlich.

vor dem Gewitter an der Oder

Am Vortag waren mit uns zwei ältere Herrschaften mit einem Selbstausbauwohnmobil angekommen.  Am Morgen hatte ich den Mann schon bewundert, mit welcher Engelsgeduld er sein Faltboot zusammengebaut hat.  Auf meine Frage, ob ich mir ihr Mobil mal von innen ansehen dürfte, haben sie es mir stolz gezeigt und ich war mal wieder völlig  fasziniert, welche handwerklichen Fähigkeiten manche Menschen haben. In diesem Fall war es übrigens ein pensionierter Lehrer, der allerdings auch Werkunterricht gegeben hat.

Den ganzen Tag baute sich auf der polnischen Seite eine Gewitterfront auf, weshalb ich meine Tour auch abgekürzt hatte. Am Abend grummelte es dann auch bei uns, aber es fielen nur wenige Tropfen und das eigentlich Gewitter hat sich wohl jenseits der Oder ausgetobt.

Kromlau

2016-05-25. Fahrtag

Die Fahrt in die Lausitz war von vielen Umleitungen geprägt. Um 16:30Uhr kamen wir dann auf dem Campingplatz in Kromlau an (der vorherige Blick in ein großes Tagebaugebiet wurde uns durch „ich find nicht die richtige Stelle“ verwehrt …was ja vielleicht gut ist).

 

Rakotzbrücke

Eine Runde mit Wegwiederholungen durch den Rhododendronpark von Kromlau gab es noch als Körperertüchtigung. Am kräftigsten blüten die gelben Büsche, deren aufdringlicher Geruch fast schon ein wenig nervte.

Schließlich fanden wir die Rakotzbrücke mit den Basaltsäulen, ein Kunstwerk, das auch gerne als Kulisse für Hochzeitsfotos genommen wird. An diesem Tag von einem polnischen Brautpaar.

Nun bereiten wir uns vor für die „Wildnis“.

Ich bin sehr gespannt. Es ist ein wenig ein Schritt zurück in gute alte Nabu-Jugendgruppenzeiten. Was für Leute, was für Bedürfnisse und ein wenig auch: Wie viel Fundies diesmal?

Sehr spannend auch die Frage, wie Elke mit alledem zurechtkommt. Ihr fehlt so jegliche Vorerfahrung in dieser Richtung.

Nun, es ist nur bis Sonntag und dann geht es weiter zu Carola und Ludwig auf einen „normalen“ Campingplatz.

Trauerschnäpper

2016-05-26. Rhododendron vor der Wildnis

Der Trauerschnäpper war an diesem Tag unser Morgenbote. Er singt und brütet unmittelbar neben dem Wohnwagen der Campingplatzverantwortlichen und sie haben ihn bisher überhaupt nicht wahrgenommen.

Nach den wichtigen Erledigungen des Tages noch einmal in den Rhododendronpark und das Herrenhaus um noch einmal ein paar Karten zu kaufen, über die sich die Empfänger hoffentlich freuen. Elkes Tanten vorneweg.

Blockhütten

Und dann ab zum Wildniscamp in Neustadt. Erst mal mussten wir ein wenig suchen (wie wir später erfuhren ging es mehreren so). War es nicht hinter dem Sportplatz? Also rein in die Pampa. Nee, stimmte nicht. Also auf Privatgrund wenden, dann bei den Forstleuten (mit 9 Wochen altem Kurzhaar – schniff) eine Orientierungsfrage. Dann reichte aber eine  ;-) weitere Rückfrage um Karsten und sein Wildniscamp zu finden.

der Truthahn

Was für ein imposantes Gelände mit einem tollen Blockhaus für Karsten und seine Familie (siehe Bild morgen) und originellen Blockhütten für die Campteilnehmer. Ich vermute mal von alldiesem wäre in Essen nix genehmigt worden. Aber urig!!! Außerdem bewacht von einem höchst erregten Puter. Bunt aber nicht schön! Bei DER Nase würde ich mir eine Schönheitsoperation überlegen, obwohl ich sonst nicht viel davon halte.

Wir bekommen einen Platz neben der Zeltwiese zugewiesen, haben aber selber das Gefühl: Das Wohnmobil ist hier echt overdresst! Wir werden jedoch (als Alte mit besonderen Bedürfnissen ;-)) akzeptiert.

So viele Menschen und so viele Namen. Ich denke, wir werden das alles erst drauf haben, wenn wir am Sonntag abreisen.

Fischadler am Horst

Dann der erste Ausflug ins Wolfsland. Achim war so nett uns im Auto mitzunehmen (das Womo sollte nicht bewegt werden) und hat uns auf den ausgiebigen Fahrten des Tages viel über Wildnisschulen, ihren Ursprung und die Wirkung auf das eigene Wahrnehmen der Welt zu erzählen. Sehr interessant und ein toller Einstieg ins Wochenende.

Erster Stopp war der renaturierte Tagebau Nochten. Der erhoffte Wiedehopf zeigte sich auch diesmal nicht. Der Neuntöter schon, aber der ist hier mit Sicherheit in großer Dichte zu finde.

Zweiter Stopp am Fischadlerhorst. Das Paar bot uns eine Galavorstellung, vielleicht auch ein wenig der Störung geschuldet, die wir aber im Rahmen gehalten haben.

Schwedenbecher

Bevor es zum Kernpunkt des Tages, dem Tauerwiesenteich ging, gab es noch eine für mich bis zu diesem Tag unbekannte Spezialität: den Schwedenbecher (Erklärung beim Anklicken und hier noch ein Video zur Herstellung). Wirlich eine leckere Variante.

Auf dem Beobachtungsturm zeigten sich sofort die Kraniche, wie Achim uns versicherte an einem der Rendezvousplätze des heimischen Wolfsrudels. Rehe gab’s auch, einen fischenden Eisvogel und Graugänse wie Schwäne mit Jungen. Kein Seeadler, der am gegenüberliegenden Ufer brüten soll und vor allem keine Wölfe. Obwohl Achim, Elke und ich bis tief in die Dämmerung blieben. Die anderen waren mit den Kindern ins Camp zurück gefahren, was zu deutlich mehr Ruhe führte und als die Laubfrösche mit ihrem Konzert begannen, war die Abendstimmung perfekt.

Auf dem Weg zurück musste Achim tanken. Dringend! Es wurde eine lange Fahrt durch die Nacht mit einer Rotwildkuh, mehreren Füchsen, mehreren Steinmardern und einer (nicht zu gering zu schätzenden) Maus. Immer schön mit den Scheinwerfern  beleuchtet, die Achim mit gekonnten Fahrmanövern auf die Felder in die Nacht schickte.

Elke wurde schon nervös, als die erste Tanke geschlossen hatte und die nächste für 8km angekündigt war, obwohl Achim betonte, nur noch für 5km Sprit zu haben … aber es ging gut. Diese Tankstelle am Zubringer zur Autobahn machte mit dem Alleinvertretungsanspruch um diese Zeit richtig Geld: Statt 1,069€ am Tag mussten nun 1,239€ (!) für den Liter Diesel gezahlt werden.

Um 0:00Uhr waren wir im Camp zurück.

Und nach diesem Tag habe ich mal wieder richtig entspannt geschlafen!!!

das Trapperhaus

2016-05-27. Wolfsspuren

Gemeinsames Frühstück am Morgen. Wirklich ein bisschen wie in alten Zeiten. Gut, die Leute damals kannte man alle vorher schon.

Achim hat einen „kleinen Morgenspaziergang“ angeboten. Die „Wüste“ war angesagt.

Ungefähr die Hälfte der Truppe ist mitgefahren. Auch Elke wollte lieber einen „Ruhigen“ machen.

Nach knapp 2km Anfahrt zu Fuß rein in den Wald. Kiefernwald vom Normalsten. Vogelmäßig ziemlich tote Hose. Misteldrossel in der Ferne, Schwarzspecht im Stangengehölz, schließlich wenigstens ein Baumpieper im Sing- und Sinkflug.

Wolfslosung

Selten habe ich an einem Tag so viel über Exkremente geredet. Aber wir haben wirklich eindeutig Wolfslosung gefunden. Darin sind ganz viele gezwirbelte Rehhaare (die Hauptbeute hier in der Lausitz) und der Kot liegt meist am Wegesrand, weil die Wölfe hier entlang laufen und ihr Revier markieren. Ich hätte nicht  gedacht, dass man sich über Kacke mal so freuen kann.

Wolfsspur

Achim erklärte geduldig (aber in der Hitze des Tages tlw. vergeblich) den Unterschied zwischen Hunde- und Wolfsspur. Aber schließlich hatten wir sie doch: die Wolfsspur, wo das Hinterbein den Trittsiegel des Vorderbeines trifft (schnürender Gang!). Und als Vergleich eine (geschnürte) Fuchsspur daneben.

Ich habe Paul bewundert, der Tomte den ganzen Weg mehr oder wenig geduldig über ~11km schleppte. Na gut, ich erinnere mich an die Zeiten der eigenen Kinder.

der Spreebalkon

Zurück am Camp haben wir zu mehreren den „Hammer“ gekapert, eine Gaststätte gegenüber dem Camp. Kühles Hefeweizen im schattigen Wintergarten… was für ein Genuss. Der „kleine Morgenspaziergang“ hatte 3 Stunden gedauert, er war höchst interessant, aber jetzt war der Durst vorrangig. Und der kann lange anhalten. ;-)

Bevor der Regen kam, und trotzdem noch ein Teil der Truppe auf Exkursion ging, haben wir im Camp noch ein gutes Ökomahl (u.a. mit Brennnesseln) gegessen. Und für mich begann diese Schreibezeit!

War die „Losung“ am Vormittag noch ein Grund sich zu freuen, das Nachfolgende war ärgerliche  Sch…: Ich hatte den ganzen Tag nicht gemerkt, dass ich gestern vergessen habe den Autofocus wieder einzuschalten. Die meisten Fotos des Tages sind nichts geworden, weil der manuelle Focus auf nahe Distanz gestellt war. Zum Beispiel die schön geschnürte Spur der Wolfsfähe auf der Düne.

Deshalb an diesem Tag die Fotos von Karstens Haus und dem Spreebalkon, auf dem besonders die Abende beim Plausch beendet wurden.

Teichbegutachtung

 2016-05-28. ein tierreicher Tag

Ein nachgemachter Kuckuck rief um 8 Uhr zum Frühstück, obwohl Wolfsgeheul vorangekündigt war. Ausschlafen kommt wieder nach dem Wochenende.

Schon witzig so ein bunter Haufen, bei denen sich die Eine oder der Andere auch schon mal schwer tut, um Fremdproviant nachzufragen. Dabei war teilen der Vorräte ja angesagt. Aber am zweiten Morgen klappt es schon besser.

Nach dem Frühstück ging es zügig (allerdings musste erst wieder eine Tankstelle gefunden werden) zum Zentrum des Biosphärenreservates „Oberlausitzer Teichlandschaften“ in Warta. Diesmal waren fast alle mit von der Partie. Achim hatte diesen Platz auch deshalb ausgewählt, weil dort die Wege klug für Kinder aufgebaut sind. Immer wieder kleine Stopps und eine vielfältige Tierwelt. Allerdings wegen des Wochenendes auch gut Betrieb. Mit der Ruhe war es da so eine Sache.

Flussseeschwalbe

Auch an dieser Stelle wären See- und Fischadler zu erwarten gewesen, aber wir mussten uns mit Silberreihern, Flussseeschwalben etc. zufrieden geben. Neben vielen Rohrsängern gaben auch die Rotbauchunken und Wasserfrösche ihr Bestes für eine schöne Teichlandschaftsstimmung. Und immer wieder gab es schöne Blicke auf die Teiche und ihre Bewohner.

Teichblick

Ein Teil der Gruppe ist dann zum „Dreifrauensee“ zum Schwimmen gefahren, andere Einkaufen und Elke, Achim und ich noch mal zum Tauerwiesenteich, an dem wir dann tatsächlich endlich einen Seeadler sahen. Angeblich gibt es in der Oberlausitzer Teichlandschaft den höchsten Brutbestand in Deutschland und wir brauchen Tage …

Dann gab er aber auch eine kleine Vorstellung mit einer kurzen aber vergeblichen Attacke (auf eine Blässralle?), um anschließend noch freier in einer Birke zu sitzen.

Tauerwiesenteich

Für 17 Uhr war gemeinsames Grillen geplant und deshalb ging es zurück. Sven und Michael saßen im „Hammer“ und wegen der beiden abstrusen Gesellschaften (Mädels mit merkwürdiger Plastikkleidung etc.)konnten wir leider nicht das Endspiel im Niederrheinpokal zwischen Rot-Weiß-Essen und Wuppertal sehen. Aber Sven war über sein Handy (im Gegensatz zum Camp gab es dort Netz) gut mit Freunden und seiner Frau vernetzt, die ihm die neuesten Entwicklungen mitteilten. Und dazu ein frisches Bier und schon wanderten Termin und Grillen weit in den Hintergrund. Und das RWE 3:0 gewonnen hat, gefällt sogar mir als ETB-Fan.

Und so kam es, dass ich vom ganzen Grillschmaus nur eine Krakauer und etwas Tsatsiki abbekam, weil Martin, Achim und ich noch die Wildvielfalt auf der „Hochkippe“ (alles hat hier irgendwie mit dem Braunkohletagebau zu tun) auf uns wirken lassen wollten und die Zeit drängte.

Wildschweinrotte

Verbotenerweise saßen wir nachher auf einem Hochsitz der heimischen Jägerschaft und das Schauspiel begann:

Die Fläche ist ein riesiger Wildacker, den die Jäger/Förster für die Wildtiere angelegt haben. Deshalb natürlich auch umzingelt von Hochsitzen.

Wir kamen etwas spät und so waren die ersten Wildschweinrotten schon auf dem Acker unterwegs. Es wurden innerhalb der nächsten Stunde mehrere Rotten mit insgesamt über 200 Wildschweinen. An den Waldrändern äste außerdem weibliches Rotwild und schräg über die Lichtung standen ein paar Kraniche (auf dem ersten Foto oben rechts zu erahnen). Und genau die eröffneten den Showdown: Sie flogen hoch, eine mächtige Rotte Wildschweine floh am Waldrand lang und dann erschien der Wolf. Wie Achim meinte, wahrscheinlich die Fähe. Die Distanz war groß, das Licht nicht mehr das Beste, aber gute Ferngläser holen noch einiges raus. Als die Wölfin merkte, dass die Wildschweine kaum noch zu erreichen waren, stand sie noch ein Weile am Waldrand und verschwandt in der Deckung. Ein Wolf!!! Vor dem Urlaub hätte ich es nicht zu hoffen gewagt. Wie würden die jungen Leute unseres Camps sagen: krass! Oder etwas noch moderneres.

~10 Prozent der Wildschweine

Erst hatten wir den Verdacht, dass auch noch ein Wolf in Richtung Hochsitz den Weg entlang kam, es war dann aber doch der Fuchs. Das war auch das Zeichen dafür, dass das Licht jetzt auch für die guten Gläser nicht mehr reichte, und wir machten uns auf den Heimweg.

Dort gab es noch einen Plausch auf dem „Spreebalkon“. Karsten erzählte Geschichten aus der lausitzer Sagenwelt und irgendwann klatschte unter uns etwas kräftig das Wasser und ich war zu gerne bereit zu glauben, dass uns zum Abschluss des Tages jetzt auch noch der Biber beehrt hat.

Leider ließ sich auch heute der Ziegenmelker nicht hören. Man kann nicht alles haben und er kommt vielleicht noch am Bärwaldsee vorbei.

Frühstück vor dem Aufbruch

2016-05-29. Aufbruch zum Bärwalder See

Auch an diesem Morgen weckte uns der Pirol. Wie werde ich in Essen ohne ihn auskommen? Nun ja, nach dem Verlassen der Lausitz in Richtung Thüringen wird es wohl schon stiller um ihn.

Die anderen Wildniscampteilnehmer saßen schon wieder an den langen Frühstückstischen und waren zum Teil schon dabei im wahrsten Sinne des Wortes die Zelte abzubrechen. Viele von uns waren der Meinung, es dürfte gerne auch noch eine Woche so weiter gehen. Wir hatten für unsere Wildnisbesuche natürlich auch exzellente Wetterverhältnisse.

Elke und ich haben uns dann doch dahingehend entschlossen, dass wir direkt nach dem Frühstück zum Campingplatz am Bärwalder See wechseln. So kann Achim, der noch ein paar Tage bleiben will,  die Ruhe der Landschaft auch endlich genießen.

Der Campingplatz „Sternencamp Bärwalder See“ ist 2015 von Carola und Ludwig übernommen worden, die wir 2014 auf dem Campingplatz am Steinwald kennengelernt haben (Ludwigs Küche ist legendär, wenngleich er sie hier nicht mehr zelebriert)(und Zoiglbier gibt es auch keines –tststs).

Ludwig stand im Kiosk, erkannte uns sofort und freute sich sichtlich. Carola saß in der Rezeption und es war allerseits ein herzliches Hallo. Und dann kam Afra, ihr afrikanischer Hund aus einem Hinterzimmer und freute sich fast einen Knoten in den Schwanz. Sehr nett!!!

Bärwalder See und Kraftwerk Boxberg

Ein toller Platz mit weitem Sandstrand, allerdings ohne Schattenplätze.  Alles neu und sauber und … das Kraftwerk Boxberg sieht man nicht. Eigentlich! Denn ich wollte aus einiger Entfernung ein Foto vom CP machen, bin Steilhänge hochgeklettert und durch dichten Bewuchs gebrochen. Als ich irgendwann halbwegs freie Sicht hatte, stellte ich fest, dass von dort aus Boxberg zu sehen ist.

Morgen geht es weiter nach Thüringen und jetzt beginnt eigentlich der Heimweg.

Den ganzen Tag waren schon Heidelerchen zu hören und ich bin guter Dinge, dass uns heute Abend der Ziegenmelker in den Schlaf singt:

Nachtrag > dem war nicht so. Kein schnurren, kein Flügelklatschen, aber die Heidelerche trällerte noch lange.

2016-05-30.  ab in die Kultur nach Weimar

Auch auf dem Platz am Bärwalder See: zum Wecken ruft der Pirol. Und noch ein lange nicht gehörter Vogel singt: der Brachpieper. Bei uns im Ruhrgebiet ein extrem seltener Durchzügler und hier wohl an den Verwüstungen der vielen Tagebauflächen sporadischer Brutvogel. Und der Bärwalder See ist ein gefluteter Tagebau, von denen es in den Braunkohletagebauen der Nation später noch ganz viele geben soll. Ein Gewinn für die Natur? Darüber lässt sich prächtig streiten. Zuerst einmal sind es tiefe Wunden, verbunden mit einer gravierenden Veränderung der Lebensgemeinschaften.

Herzlicher Abschied von Carola und Ludwig („Überlegt es euch gut, ihr fahrt ins schlechte Wetter!“) und ab Richtung Weimar, unserem kulturellen Zwischenstopp.

Goethe und Schiller

Um 15 Uhr kamen wir am Wohnmobilstellplatz an und ab ins Getümmel. Das hielt sich aber wegen des Wochentages in Grenzen. Ich hatte nicht daran gedacht, dass Montags in Deutschland ja Museen etc. geschlossen sind.

Sowieso wollten wir erst mal was Essen. Auch nicht so einfach, viele Restaurants machen in einer gewissen Logik auch am Montag nicht oder verspätet auf. Schließlich Elkes Lieblingslösung, ein Italiener mit Pizzen und Trattoria. Zu diesem Zeitpunkt weitgehend blauer Himmel und so um die 23°.

Meine ungewöhnliche Pizza mit Spargel und Parmaschinken auf Creme fraiche statt Tomatensauce war ein Gedicht. Und die russische Kellnerin haben wir mit der Bestellung eines Russen (Hefeweizen mit Fanta) ganz schön aus dem Konzept gebracht.

Stadtrundfahrt

In der Wartezeit kam eine Droschke auf Stadtrundfahrt vorbei und es gab natürlich viele Leute zu gucken und ihre Gebrechen, an denen sie unserer Meinung nach leiden konnten. Schließlich kam ich auf die Idee für ein neues Geschäftsmodell: die Trattoriapraxis. Man guckt sich die Leute im vorbeigehen an und bietet ihnen an, für 5€ eine Einschätzung ihrer möglicherweise vorhandenen oder von uns vermuteten Erkrankungen abzugeben. O.k., im Einzelnen muss an der Idee vielleicht noch ein wenig gefeilt werden.

Goethes Gartenhaus

Dann ab zu den großen Weimarer Dichtern – Schillers und Goethes Wohnhaus und vom Letzteren auch das Gartenhaus im Ilmenpark und … da holten uns die Schlechtwetterfronten ein. Nicht ganz so arg wie es aussah, aber es reichte zum Rückzug zum Wohnmobil. Elke war über die mangelnde Beschilderung der Häuser über ihre berühmten Bewohner eh etwas pikiert, wo die Gebäude selber schon wg. Montag  zu waren.

 

Gewitter über Weimar

Mal kurz ein paar Worte zum Urlaubswetter, denn da können wir echt nicht meckern. Die Unwetter waren immer wo anders und wir waren zeitgleich immer auf Exkursion. Und auch heute Morgen konnten wir noch draußen frühstücken, bevor die ersten Tropfen fielen.

Abendhimmel über Zella-Mehlis

Das Ende der Reise

Hier endet dieser Reisebericht. Was dann noch kam waren ein Besuch bei Elkes Cousine Hanni in Zella-Mehlis (mit sehr netter Bewirtung und obigem "schmutzigen" Abendrot) und einer Zwischenübernachtung auf einem Campingplatz vor der Autobahn in Hessen. Und hier vergass ich ein Foto für meine Rubrik Kurioses zu machen: Über den Urinalen waren Spiegel so angebracht, dass der Benutzer genau ... oh, das will vielleicht keiner so genau wissen. ;-)

Manche Dinge im Leben muss man nicht verstehen.

Ich danke den werten Lesern für ihr Interesse und wer die Bilder und weitere noch mal in Folge sehen will, der schaue unter Fotografie - Frühjahrsurlaub