Am Morgen des Aufbruchs

Nilgänse auf dem Storchenmast

am Morgen des 24.12.

Reisebericht Spanien Winter 2019 / 2020, Teil 1

24.11.2019 – 16:30 Uhr

Am Morgen des Aufbruchs

Gestern um 11:20 Uhr sind wir in Essen gestartet. Kilometerstand 9715.

Für alle die, die es noch nicht wissen: das ist der Kilometerstand von unserem neuen gebrauchten Wohnmobil, dass wir uns kurz vor dem geplanten Langzeiturlaub gekauft haben. Jetzt müssen alle Dinge im Womo neu geregelt werden. Auch für Gina eine Herausforderung. Insgesamt gibt es aber deutlich mehr Platz für alle.

Unser Start in den Urlaub kam genau zur richtigen Zeit, denn ab Montag wird die Kanalbaustelle vor unserem Haus voll in den Betrieb gehen. Das Foto nebenan entstand gestern am frühen Morgen.

voll Öko

Unsere Fahrt begann mit einem Besuch des Dethleffs-Center in Mülheim an der Kölner Straße. Ein Verschlussgriff der Heckgarage ist beim letzten Schließen vor der Fahrt abgebrochen. Alle vier Griffe gingen vorher schon schwer und das Plastikmaterial war einfach müde. Neue einbauen ist angesagt, aber die müssen bestellt werden. Wie ich jetzt die Klappe aufkriegen soll, konnte mir der Verkäufer bei Dethleffs auch nicht sagen. So habe ich mir gestern bei unserem Freund Jochen, den wir im Rheingau besucht haben, einen Akkubohrer und Schrauben geben lassen und diesen Ökoersatz gebastelt. Funktioniert einwandfrei … mal schauen wie lange.

Nach einem schönen Abend mit Jochen in einem Winzerlokal dann die erste Nacht im „Queensbett“. Nicht mehr die Leiter hoch und übereinander klettern.

An dieser Stelle der Hinweis, dass es unter „Fotos“ weitere Bilder zum Text gibt.

Heute dann der Schreck in der Morgenstunde: ich hatte vergessen den Kühlschrank umzustellen und die Zweitbatterie war ziemlich leer. Um dem abzuhelfen sind wir dann schon um 6:30 Uhr losgefahren und sind schon um 9 Uhr hier auf dem Campingplatz Mühlenweiher in Kirkel angekommen. Das gab es noch nie! Der Platzwart fand es völlig ok und war sehr nett.

Nilgänse auf dem Storchenmast

Hier begrüßten uns gleich die „Globalisierungsgewinner“: zwei Paare Nilgänse. Ein Paar hat sich wohl den Storchenmast als Brutplatz ausgesucht, denn es wurde fleißig gebalzt.

Apropos „Fremde“: als wir gestern auf der Autobahn durch Wiesbaden fuhren, flog ein Schwarm von mindestens 30 Halsbandsittichen über das Womo. So begann quasi der ornithologische Teil der Reise.

Hier auf dem Platz gibt es das saar.freifunk.net. Superschnell und kostenlos. So sollte es in Deutschland Standard sein.

Nachtrag um 19:40 Uhr

Wir haben ganz wunderbar im Campingplatzrestaurant gegessen - ein Steak auf den Punkt medium gebraten.

Dieser Campingplatz ist wirklich eine Empfehlung. Wir verstehen die Womofahrer nicht, die, warum auch immer, Campingplätze meiden. Hier war der Preis (22€) jeden Euro wert.

26.11.2019 – 4:30 Uhr

Gestern war Fahrtag und der Tag, an dem uns das bordeigene Navi (mein erstes im Leben) ein wenig Nerven gekostet hat. Schon am Vortag hat es gezickt und gestern wollte es gar nicht mehr. Dabei sollte es uns eigentlich den direkten Weg von Kirkel nach Nancy anzeigen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen den Fehler zu finden sind wir dann doch auf die Autobahn in Richtung Metz. Das war der Rat des Tankwarts, bei dem wir für 1,319 € Diesel getankt haben, weil ich im Netz gelesen hatte, dass es in Frankreich noch deutlich teurer sei: ab 1,459 € aufwärts, wie sich später herausstellte.

Auf die Minute genau 2 Tage nach unserem Start vor der Haustür, um 11:20 Uhr haben wir Deutschland verlassen und wenige Minuten später standen wir da, wo wir mit Hilfe des Navi nicht hin wollten: an der Mautstelle. Und wie schon in früheren Jahren die Frage: welche Durchfahrt ist die richtige. Mit ein wenig Nervensalat wegen der versagenden Technik keine entspannte Situation. Letztendlich sind wir aber für 7,60 € bis Toul Autobahn gefahren. Schon entspannter!

Hinter Toul beginnt die Achterbahnstraße, die ich schon so oft gefahren bin. Würde man 120 km/h fahren, wäre es für alle Mitfahrer eine Herausforderung. Aber seit einiger Zeit gilt in Frankreich auf den Nationalstraßen 80 km/h, was das Womo dann eher auf und ab gleiten lässt. 

Viele der Achtzigerschilder sind übersprüht und einmal stand noch eins mit 90 km/h und ich habe mich gefragt, ob trotzdem 80 gilt.

In Neufchateau war es dann endlich so weit: das erste Baguette des Urlaubs. Und natürlich habe ich uns auch an der reichhaltigen Käsetheke des Leclerc eingedeckt.

Seit gestern Nachmittag sind wir auf dem Stellplatz in Langres. Sehr großzügig angelegt und mit einem prächtigen Fernblick über den Lac de la Liez. 24 Stunden mit Strom und Kurtaxe ~10 €.

Auffällig ist, dass so gut wie keine Zigarettenkippen auf dem Boden liegen. Vielleicht hat es mit diesen Votumskästen zu tun, die überall in Langres zu finden sind. Sehr witzige Idee und offensichtlich wirkungsvoll.

27.11.2019 – 19:00 Uhr

An den Tagen mit vielen Stunden Fahrt fehlt mir dann abends doch noch die Energie, den Reisebericht zu vervollständigen. Das Alter fordert doch ein wenig Tribut.

So also heute wieder ein langer Nachtrag.

Wir sind inzwischen in Orcet, nahe bei Clermont-Ferrand. Dazu später mehr.

Diderot am Weihnachtsbaum

Nach dem Text von 4:30 Uhr (s.o.) habe ich noch mal ein paar Stunden geschlafen, bevor wir nach einem aufgebackenen Baguette und erfrischendem Kaffee ein wenig in den altehrwürdigen Ort gegangen sind. Schon am Vortag hatten wir ihn imposant hoch oben auf dem Berg liegen sehen. Jetzt waberten noch die Nebel durch die Gassen und die Türme der Kathedrale wurden von den Schwaden teilweise verdeckt. Just in dem Moment, als ich das Schauspiel fotografieren wollte, bekam die Sonne die Überhand und der Spuk war vorbei. Den Blick vom Berg zum Lac de Liez gab es aber auch eine Stunde später noch nicht.

Der „große Sohn“ der Stadt Langres war Denis Diderot: Abbe, Schriftsteller, Übersetzer, Philosoph, Aufklärer, …. Sein Denkmal steht auf dem zentralen Platz, derzeit neben dem Weihnachtsbaum. ;-)

Herr mit Hund und Beute

Meine „Bescherung“ waren ein Baguette und zwei Buttercroissants.

Vor der Weiterfahrt habe ich meine „Green-Zones-App“ befragt, ob es mit der Einfahrt in die Umweltzone um Dijon ein Problem gibt. Gab es nicht, aber bei der Gelegenheit der Hinweis an alle Frankreichurlauber die es noch nicht wissen: Frankreich hat inzwischen einige Umweltzonen mit Plakettenpflicht und die Regeln und Strafen sind zum Teil drastisch.

Vom Berg hinab ging es immer wieder in Nebelbänke. Kurz nach dem Start ging es über eine Brücke und ich hätte geniale Fotos von Silberreihern in Nebelschwaden schießen können, wenn wir hätten anhalten können. Die verpasste Gelegenheit hat mich noch Stunden beschäftigt.

Stellplatz am ...

Apropos beschäftigt: unser Navi ist ein zweifelhafter Quell der Freude. Erst geht es gar nicht, dann plötzlich doch und im Moment der Perfektion versagen wir und verpassen einen Abzweig. Daraufhin wurden abenteuerlich schmale Straßen gefunden, um uns auf den rechten Weg zurück zu führen. Wie sagte schon Goethe: Umwege erhöhen die Ortskenntnis.

Schließlich landeten wir auf dem angestrebten Stellplatz bei Beaulon am Seitenkanal der Loire. Die (besonders von mir) erhoffte Toilette gab es nicht, die 5 Stromanschlüsse waren alle belegt, aber der Platz als solcher ist auf unserm Weg eine gute Zwischenstation. Es gab eine ruhige Nacht mit Waldkauz.

Nun zum heutigen Tag:

Seitenkanal der Loire

Die Sonne holte uns beizeiten aus den Federn unseres komfortablen Bettes. Auch Gina genießt sichtlich den Zugewinn an Platz.

Und das Navi … erklärt mir auf Englisch (Deutsch lässt sich nicht einstellen!), dass ein schwerwiegender Bedienungsfehler vorliegt und das Gerät abgeschaltet werden muss. Tun wir … aber einschalten lässt es sich erstmal nicht mehr.

Nun, heute ist die Streckenführung eh ziemlich einfach und durch die gestrige Fahrt, sind wir dem Etappenziel bei Clermont-Ferrand auch schon ein gutes Stück näher gekommen.

11:20 Uhr scheint in diesem Urlaub eine magische Zeit zu werden (Abfahrt, Grenzübertritt, …), denn auf einem Acker neben der Schnellstraße sehen wir auf die Minute genau an die 40 Kraniche, denen wir doch ins Winterquartier folgen wollen.

Tanken mussten wir auch und fanden den billigsten Preis, der uns bisher in Frankreich begegnet ist: 1,429€.

Die 2009n führte uns über die Höhenzüge der Allier. Wunderbare Fernblicke, süße Schlösschen in jedem zweiten Ort und ein völlig entspanntes Fahren. Die Geschwindigkeitsbeschränkung auf 80 km/h führt dazu, dass es viel weniger riskante Überholmanöver gibt (die LKWs fahren genauso schnell) und was uns auffällt: hier gibt es viel weniger Protzkisten und SUVs als in Deutschland. Lohnt sich auch kaum, bei der extrem hohen Dichte an Blitzern.

Jetzt sind wir auf dem Campingplatz Le Clos Auroy in Orcet. Hier war ich schon vor 9 Jahren mit meinem Freund Rolf und auch diesmal wurden wir sehr freundlich begrüßt. Die Rasenplätze sind von den Regenfällen der letzten Zeit etwas aufgeweicht (auch jetzt beginnt es zu regnen), aber da sowieso wenig Betrieb ist, können wir auf der befestigten Fläche davor stehen.

Gallische Geschichte

Ein Spaziergang am benachbarten Bach, ein Gang durchs Dorf (altes Rathaus mit neuem Außenaufzug!) und der Blick auf ein Straßenschild … Asterixleser wissen, worauf ich anspiele. Das ruhmreiche Schlachtfeld bei Gergovia ist nicht weit von hier. Aber (Gallier seid stark!): auch an Alesia sind wir in diesem Urlaub schon vorbei gekommen.

Genug der Asterixerei, nun ist es Zeit fürs Bett. Der Reisebericht ist auf dem Laufenden und morgen ist Ruhetag, bevor es am Freitag über die Brücke von Millau zum Mittelmeer und am Samstag nach Spanien weitergeht.

28.11.2019 – 19 Uhr

Hier nun (frisch gewaschen und rasiert) der Bericht vom Ruhe- und Pflegetag.

Herrlich, in so einer netten Dorfbäckerei ein frisches Baguette für das Frühstück zu holen. Auf dem Weg zum Campingplatz habe ich sogar tapfer der Versuchung widerstanden, ein Ende sofort abzuknuspern.

nach dem Beben

 

Schon gestern war mir aufgefallen, dass es ganz viele Risse in den verputzten Häusern gibt. Und heute ging ich an dem nebenstehenden Haus vorbei, dessen Terrasse sich vom Haus gelöst hat und wo die Gartenmauer wohl nur noch abgerissen werden kann. Ein Blick ins Netz bestätigte dann meine Vermutung, dass ein Erdbeben der Verursacher sein muss: am 11. November hat im Bereich Auvergne-Rhône-Alpe die Erde gebebt. Das Epizentrum lag wohl weiter östlich, aber es hat hier offensichtlich auch noch für Gebäudeschäden gereicht.

29.11.2019 – 19:30 Uhr

Gregovia-Plateau

Heute ging es nach Baguette und Croissant erstmal auf die andere Seite von Orcet: das Foto vom Plateau von Gregovia fehlte ja noch für den gestrigen Bericht. Auch heute kein besonders gutes Fotolicht, aber man kann sich gut vorstellen, wie die Gallier sich dort oben verschanzt haben um Caesar mit vielen Attacken fertig zu machen. Bei einem nächsten Besuch werde ich das Plateau mal besteigen.

Das Navi hatte heute mal Lust mitzuspielen. So konnte ich erstmal eine weitere Neuheit dieses Wohnmobils auf der Autobahn ausprobieren: den Tempomat. Bis zur Ankunft am Tagesziel hatte ich den dann auch im Griff.

ich bin so fertig

Apropos im Griff haben: wir waren noch keine halbe Stunde auf der Autobahn, als Gina ihren sicheren Platz hinter meinem Sitz verließ und das Cockpit enterte. Sie überstieg das gespannte Netz und war von Elke nicht zu bändigen. Zum Glück versuchte sie nicht auch noch das Steuer oder die Pedale zu übernehmen. Ich musste in einer Ausbuchtung halten, um schlimmeres zu verhindern. Was sie von ihrem Platz vertrieben hat, der doch seit Tagen ihre Fahrposition war, … keine Ahnung. Sie war völlig in Panik und letztendlich musste Elke sie in ihrem Fußraum sicher unterbringen.

Die Fahrerei war heute über weite Strecken nicht so angenehm. Es regnete immer mal wieder, die LKWs zogen lange Gischtwolken hinter sich her und immer wenn zwischendurch die Sonne schien, blendete sie auf dem nassen Straßenbelag.

Eiffel lässt grüßen

Gleichzeitig glänzten allerdings die Regentropfen in Bäumen und Büschen wie Silberstücke. Immer wieder schön war auch das Spiel von Licht und Schatten in den herbstbunten Wäldern.

Als Zwischenstationen lagen zwei faszinierende Brücken auf der Strecke: das Eisenbahnviadukt von Garabit (mit dem Entwurf von Eiffel) und die Brücke von Millau, wahre Meisterwerke der Ingenieurskunst. Wenige Kilometer bevor wir die Aussichtspunkte erreichten, regnete es noch ergiebig und ich fürchtete Fotos seien nicht möglich. Und in beiden Fällen rissen die Wolken auf.

die Brücke von Millau

Die Brücke von Millau hatte Elke das letzte Mal gesehen, als noch ein Teilstück fehlte. Damals sahen wir sie von Millau aus und fragten uns, wie dort, in schwindelnder Höhe, das letzte Element eingesetzt werden könnte. Der höchste Pfeiler der Brücke ist höher als der Eiffelturm und immer noch die höchste Brücke Europas.

Die Weiterfahrt führte über das Hochplateau des Zentralmassivs und der höchste Punkt der A75, die übrigens bis auf die Brücke (10,90€) mautfrei ist, liegt bei 1121m. Selbst in dieser Höhe wird es immer mediterraner. Für den Ornithologen auch zu erkennen an den Rotkopfwürgern, die ab und an auf den Pfählen der Zäune sitzen, die Wildunfälle auf der Autobahn vermeiden sollen.

Von dort oben geht es natürlich irgendwann hinab zum Mittelmeer. Das Gefälle war so stark, dass ich über weite Strecken die Motorbremse im vierten Gang habe helfen lassen. Geschwindigkeitsbegrenzung für LKWs 50km/h und Überholverbot. Ein Tanklaster bretterte mit mindestens achtzig Sachen an mir vorbei und ich hatte schon vermutet, bei ihm sei irgendwas nicht okay. Dann kannte er aber wohl einen Blitzer und ging in die Eisen. Unglaublicher Leichtsinn!

Alle hundert Höhenmeter, die wir dem Mittelmeer näher kamen, stieg die Außentemperatur. Um 16 Uhr waren wir in der Ebene und es waren 17 Grad.

Um nach so viel Fahrerei den einfachsten Weg zu wählen, gab es noch ein Stück Mautstrecke. Die Einfahrt war relativ schmal, was zu einem sanften Kontakt des Außenspiegels führte. Etwas korrigierend war ich dann zu weit weg von der Ticketausgabe. Ein beherzter Zug … und das Ticket lag auf der Straße. Raus aus der Gasse, Elke holte das Ticket und der Autofahrer hinter mir zeigte und einen Vogel.

Der Stellplatz hier im Yachthafen von Gruissan ist riesig und er ist gut belegt. Einige Wohnmobile scheinen hier schon länger zu stehen. Für eine Zwischenübernachtung ein guter Platz. Allerdings ist die beschriebene Toilette zu vernachlässigen: ein Topf für alle!

Der Platzwart war schon im Feierabend und so werden wir morgen bezahlen … wenn er bei unserer Abfahrt schon da ist, denn wir wollen in Narbonne frühstücken.

Schließlich gingen wir auf die Suche nach einem Restaurant. Was wir fanden war nur eine ganz kleine „Creperie“, aber ein Geschenk! Wir wurden vom Sohn (~10)  der Besitzerin bedient, der sich sofort total in Gina verguckt hatte. Und für Gina war es der Hauptgewinn, denn Elke hatte als ersten Gang einen Salat, der mit gegarten Hühnerherzen und –mägen bestückt war. Der Hund fand es toll. Wir haben dem Knaben ein üppiges Trinkgeld gegeben. Ich vermute, er hat noch Stunden gestrahlt.

30.11.2019 – geschrieben am 1.12.2019

noch nicht jeder ist wach

Tja, Fahrtage strengen mich inzwischen doch sehr an. Und wenn man am Ende endlich mal wieder in Spanien ankommt, muss das natürlich gefeiert werden.

Um 9:30 Uhr war der Platzwart tatsächlich noch nicht da (und die Flamingos im Binnengewässer haben auch noch gepennt)  und so haben wir 9 € gespart, die ich in Narbonne gleich für die Frühstücksutensilien ausgegeben habe. Auf dem Parkplatz des Carrefour könnte man auch für eine Zwischenübernachtung stehen.

Eben dort haben wir auch für französische Verhältnisse am billigsten getankt: für 1,399€. In Spanien wird es billiger. Aber ich war nicht sicher, ob wir bis da noch mit dem Sprit hinkommen.

Dann ging es mehr oder weniger immer an der Küste lang nach Spanien. Ein Zwischenstopp am Meer und dann Kurven, Kurven, Kurven …. Aber auch ganz wunderbare Blicke aufs Meer auf dem Weg zum Übergang von Frankreich nach Spanien.

Um 14:25 Uhr haben wir bei Kilometerstand 11357 endlich wieder spanischen Festlandsboden erreicht. Vom Start an sind das 1642km.

Abendrot schlecht Wetter droht

Um 15:30 Uhr hatten wir uns auf dem Campingplatz Joncar Mar angemeldet und tranken den aus Deutschland mitgebrachten Cremant … welch ein Frevel!

Anschließend noch ein Gang entlang der Promenade mit der (nicht ganz neuen) Erkenntnis, dass abends erst ab 19 Uhr die Küchen bedient und Tapas ausgegeben werden. Für Elke wie gesagt grenzwertig. So haben wir im platzeigenen Supermarkt noch einen zwei-Liter-Kanister örtlichen Rotwein und ein Brot gekauft und das Ganze mit köstlichem französischem Käse (unter anderem einem Ortolan) gegessen.

Ah, bisher kam die Ornithologie zu kurz, dafür aber jetzt der Knaller: meine 355zigste Vogelart in der westlichen Westpaläarktis: der Mönchssittich, der ganz offensichtlich hier in Roses (spanisch Rosas) brütet. Wie in Deutschland die Halsbandsittiche.

1.12.2019 – 19:19 Uhr

ein Dank den Freunden

Jetzt bin ich im Hier und Jetzt.

In der Nacht hat es kräftig geregnet. Wie immer sehr gemütlich im Womo, ganz besonders wenn man sich vorstellt, man schliefe im Zelt. Alle haben lange geschlafen. Auch als wir gegen 10:30 Uhr mit frühstücken fertig waren, hatte Gina noch absolut keinen Bock auf Ausgang und hatte sich fest unter dem Tisch zusammengedreht.

Heute ist der erste Tag der Adventskalender: Ginas (!) habe ich nicht fotografiert, aber der schöne Fotokalender der Freunde aus Hann.-Münden hat einen Ehrenplatz in unserer Glasvitrine erhalten.

schicke gelbe Beine

Zu ihrer von zu Hause gewohnten Zeit (es sei noch einmal betont: ein absoluter Rentnerhund – erster Auslauf um 12 Uhr!) ging es dann an den Strand. Dort trafen wir die Mittelmeermöwen (englisch: yellow leggs …) wieder, die am Morgen schon den Campingplatz nach Leckerchen abgesucht und dabei einen unglaublichen Spektakel gemacht haben).

das ist mal frischer Fisch

Auf der Suche nach einer Einkaufsmöglichkeit fand ich mit sicherem Gespür den „Mercado municipal“ – die Markthalle. Auch am Sonntag für ein paar Stunden geöffnet. Allein der Fischstand … eine Augenweide. Und diese Schinken!!! Heute ging es aber nur um Lomo (Schweinelende) und Salchicha (Würstchen) für den Grill. Langsam werde ich mit der spanischen Sprache wieder warm. Den Singsang liebe ich sowieso.

Zu all den Dingen, die wir zu Hause vergessen haben, gehört auch der Milchaufschäumer. Schon in Frankreich haben wir vergeblich versucht einen zu kaufen. Heute gab es an der Zitadelle einen Markt und dort haben wir zumindest ein schönes Milchtöpfchen erstanden.

Über der Zitadelle dann auch die nächsten Mönchssittiche und der erste Verdacht auf Blaumerle. Eigentlich ein wenig zu tief in der Ebene.

köstliches Grillgut

 

 

Und dann … nach vielen Jahren des Darbens … der Kartuschengasgrill wird eingeweiht. Ein Multifunktionsgerät … die Hände wärmen geht auch. Und das Grillgut war perfekt!

2.12.2019 – 18:30 Uhr

In der Nacht wurde es stürmisch und da ich Sorge hatte, dass Stühle und Tisch gegen unser oder ein anderes Wohnmobil geweht werden könnten, bin ich raus um sie sicher in der Heckgarage zu verstauen.

Am Morgen war noch anständig Wind, aber der hatte dann auch alle Wolkenreste weggeblasen und die Sonne begann früh die Heizung im Womo zu ersetzen.

Nach einem netten Telefonat mit Bruder Jörg, der sich bereit erklärte, den heutigen Artikel mit meinem Interview in der WAZ zu besorgen, wurde es dann erst mal etwas naturschutzdienstlich. Das wird aber in diesem Urlaub nachlassen.

Tatsächlich haben mir zwei nette Menschen aus der Heimat den Artikel per WhatsApp zukommen lassen. Und Jörg späterhin als Pdf-Datei.

gemischte Fischplatte?

Bei herrlichem Wetter (ich mag Wind ja – Elke nicht so) ging es in den Ort zur Post (correos), einen Schwung Briefmarken für die nächsten Wochen besorgen. Ein Schalter war gerade frei, aber die Dame dort wies mich darauf hin, dass ich erst eine Wartemarke ziehen müsse. So stand ich an einem kleinen Terminal mit 6 Tasten, die natürlich alle in Spanisch beschriftet waren. Ein älterer Spanier kam mir aber zu Hilfe. Und tatsächlich waren noch zwei Leute vor mir dran. Post nach Deutschland kostet derzeit -,70€, billiger als bei uns.

Mit Blick auf den Strand, im Freien, in der Sonne und mit Windschutz folgte das erste spanische Essen dieses Urlaubs. Elkes „Fischplatte“ war dann eine Auswahl von Meeresfrüchten und so kam sie ganz unvermutet zu Muscheln. Es war gut, dass ich nur „Gambas con ajillo“ genommen hatte, so konnte ich zumindest beim Fisch Hilfestellung leisten … Gina auch. ;-)

"Mönchssittich an Datteln" ;-)

 

Für heute hatte ich mir vorgenommen, die Mönchssittiche zu fotografieren. Eine Zeitlang flog immer ein Paar vor uns her von Palme zu Palme, wo sie sich an den Datteln gütlich taten. Wenn ich endlich für ein Foto nahe genug dran war, flogen sie wieder weiter. Schließlich fand ich dann aber doch noch ein paar Exemplare, die sich willig fotografieren ließen.

3.12.2019 – 21 Uhr

Das Wetter ändert sich, das war schon in den Nacht zu merken. Der Wind zupfelte schon merklich am Womo und die trockenen Blätter auf dem Campingplatz imitierten das Geräusch von einsetzendem Regen.

wo ist denn hier der Eingang?

Am Morgen hatte es sich zugezogen und ein frischer Wind verlangte beim Spaziergang ganz eindeutig nach einer Mütze. Auf die frisch gewaschenen Haare … jede/r weiß, wie man dann aussieht. Naja, niemand hat uns 10 Wochen Sonne und Wärme versprochen.

Zur Zitadelle sind es nur 300m und dort ist das Gelände hundetauglich. Gina würde so gerne mal wieder richtig Gas geben, aber überall ist zumindest Leinenpflicht.

Heute gab es zwei Tagesziele: die ersten Ansichtskarten und etwas zum Kochen kaufen*. Beides gelang. Immer begleitet von den Mönchssittichen, die es hier in einer guten Population gibt.

*Elke hat aus einer grünen Paprika, einer Zucchini, Babymöhren, Hühnerbrust und Naturreis im womoeigenen  „Gourmetcenter“ eine köstliche Mahlzeit für uns drei gezaubert.

Schnee in der Ferne


Die Zitadelle wurde übrigens gebaut, um die ständigen Angriffe der Piraten auf die Bucht von Roses abzuwehren. Sie ist heute gleichzeitig ein Symbol für den Widerstand der Katalanen gegen die Fremdbestimmung. Zum Glück sind wir davon bisher in keiner Weise betroffen.

Unter den heranziehenden Regenwolken des Tages, die nach Meinung der Reisewetterexpertin in unseren Reihen in den nächsten zwei Tagen ergiebige Regenfälle bringen werden, waren in der Ferne die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen zu sehen.

4.12.2019 – 19 Uhr

Heute war es wieder die sprichwörtliche Herrgottsfrühe, als ich das Bett verließ. Die Hähne krähten zwar schon ins Dunkel hinein, aber es war in der Tat erst 5 Uhr.

Die erste spanische Post zu schreiben war der rechte Zeitvertreib und ich wusste: danach kann ich weiterschlafen. Denn es ist etwas erledigt!

Als ich die erste Briefmarke verarbeitete, wurde mir klar, dass ich zwar 30 Sellos (Sejos gesprochen = Briefmarken) bestellt, aber nur 3 Pakete a 5 Marken bekommen hatte. War wohl nix mit 0,70 €, richtig ist 1,40 € und damit ist die spanische Post doch teurer als unsere.

Post erledigt, eingeschlafen und um 10 Uhr wieder aufgewacht. In der Nacht hatte es zeitweise heftig geregnet, nach dem Frühstück war Pause. Genau so lange, dass ich eine gute Stunde mit Gina laufen, in der Post Marken kaufen und das Spülen erledigen konnte. Dann plädderte es erneut und bis auf kurze Unterbrechungen schaufelt der Wind unablässig die Wolken vom Mittelmeer in die Bucht von Roses. So ist es jetzt immer noch.

abendliche Köstlichkeiten

Morgen Mittag ist Besserung versprochen und so werden wir unsere Weiterreise und den Besuch in den Aiguamolls auf den Nikolaustag und damit auf die Geburtstage von Jörg und Frank H. verschieben.

Damit es heute überhaupt ein Bild gibt, mal ein Blick auf den abendlichen Tisch. Der kleine Kanister enthält Vino tinto (Rotwein) aus dem benachbarten Weinberg und was isst ein Ornithologe dazu … einen Ortolan. ;-)

Señoras y señores buenas noches!

5.12.2019 – 19 Uhr

Es hat die ganze Nacht geschüttet wie aus Eimern und das ging den ganzen Vormittag noch so weiter. Im Wohnmobil ganz gemütlich, aber draußen ist plötzlich überall sehr viel Wasser. Das kleine Rinnsal am Fuß der Zitadelle ist zu einem kleinen Flüsschen geworden und auf den sandigen Gehwegen steht das Wasser ebenso hoch wie auf der Promenade. Ausweichen ist angesagt. Auf den Strand zum Beispiel. Der Campingplatz hat aber wohl eine gute Drainage. Und es staubt heute ganz sicher in Roses nicht mehr! ;-)

für Zweieuroachtzig!

Für mich gab es dann ein Premiere: in all den vielen Wochen, die ich in meinem Leben in Spanien verbracht habe, war ich hier noch nie beim Friseur. Heute habe ich den Bann gebrochen. Und siehe da: auch hier war der Salon fest in der Hand von arabisch aussehenden netten Menschen. Auch dort war es überhaupt kein Problem klar zu machen, was ich wollte. Für 8 € + Trinkgeld eine perfekte Frisur!

Anschließend ging ich die Zutaten für unser Essen in der Markthalle einkaufen. Und einen Café con Leche grande (großen Milchkaffee) inclusive gutem Schokocroissant für insgesamt 2,80 € habe ich mir auch gegönnt. Ich komme mehr und mehr in meinem Spanien an!

Kuhreiher im Abflug

 

Auf dem Rückweg an der Zitadelle ca. 30 Kuhreiher. Jetzt galt es sich ganz vorsichtig auf Fotoentfernung anpirschen … und dann kam ein Mann mit freilaufendem Hund und weg sind sie. Nebenstehende habe ich zumindest noch auf der Mauer erwischt. Okay, morgen gibt es in Aiguamolls sicher Reiher satt.

7.12.2019 – 17 Uhr

Gestern hatte ich nach der Ankunft hier auf dem Stellplatz Massis del Montri keinen Bock mehr auf den Reisebericht und deshalb arbeite ich jetzt mal die beiden Tage ab.

Für den 6.12.2019 – Geburtstage von Jörg und Frank H. + Feiertag in Spanien

Das erste Stichwort des Tages ist „GAS“. Was hatten wir uns aufgrund der Berichte im Netz für Sorgen gemacht, wie wir an eine spanische Gasflasche kommen. Und nun sind wir in den SUMA Markt in Santa Margarida, einen Ortsteil von Roses, gefahren und haben ein Flasche von Cepsa gekauft. 45 € Pfand, 16,95 € die Füllung und das war es. Ab jetzt können wir immer tauschen … hoffen wir. Zuerst wird aber eine deutsche Flasche geleert, von der wir uns, wegen des Gewichtes, anschließend trennen. Ein Problem gelöst und zwar ganz einfach.

Hochwasser

Auf der Fahrt zu den ersten Beobachtungsplätzen der Aiguamolls vom Weg auffliegend der erste Wiedehopf. Der Versuch ihn aus dem Autofenster zu fotografieren scheiterte kläglich. Und beim Anpirschen machte er im wahrsten Sinne des Wortes die Flatter.

Alle Gewässer, auch das Flüsschen la Muga, führen deutlich mehr Wasser als normal. Die Sandwege sind ordentlich schlammig und vor den Beobachtungsplätzen steht so viel Wasser, dass dort, wo normalerweise die Watvögel so schön im Flachwasser zu beobachten sind, jetzt Tauchvögel zu ihrem Recht kommen. Ein Rohrweihenweib  machte an anderer Stelle zwar zwei mittelgroße Watvögel hoch, die ich aber so schnell nicht bestimmen und deren Rufe ich nicht deuten konnte.

Gummistiefel angebracht

Die Hoffnung am Infocenter des Parks bessere Bedingungen vorzufinden, hat sich auch nicht erfüllt. Zum einen hätten wir ein Parktagesticket ziehen müssen (eine neue Regelung und wenn ich es richtig verstanden habe für 10 €) und zum anderen sahen wir nachher auch die Leute in Gummistiefeln über die Wege waten. Alle Wiesen standen unter Wasser und es war ziemlich tote Hose.

Bei der Abfahrt dann jedoch noch ein jagender Greif, den ich als diesjährigen Habichtsadler bestimmt habe.

Bei Sant Pere Pescador das erste Tanken in Spanien: 1,139 €, das sind glatt 30 Cent pro Liter weniger als in Frankreich. Allerdings musste ich auch hier erstmal die Selbstbedienung überlisten. Bei meinem ersten Besuch in Spanien 1989 war Bedienung noch Pflicht und zusätzliche Serviceleistungen obligatorisch.

Auf der Suche nach diesem Stellplatz Massis del Montri haben wir dann noch ein wenig die Gegend erkundet (siehe Goethe). Meine Michelinkarten liegen ja zum Glück alle trocken zu Hause in meinem Arbeitszimmer.

Es scheinen hier in den letzten Tagen auch einige Kreisstraßen versunken zu sein. Es standen noch entsprechende Schilder am Straßenrand und an einigen Stellen lag noch Geröll auf der Fahrbahn.

Einfahrt zum Stellplatz

Der Platzwart war nicht da, aber es waren viele Stellplätz frei und wir haben uns gleich einen passenden ausgesucht. Um 16 Uhr konnten wir alles klären und haben uns für zwei Nächte eingerichtet.

Die ganze Zeit war vor den Bergen des angrenzenden Naturparks viele Kleinvogeltrupps unterwegs: Stare, Sperlinge, Finken, verschiedene Lerchen und nicht bestimmbare Pieper.

Gegen 17 Uhr fielen dann hunderte Haus- und Feldsperlinge (eventuell gemeinsam mit Finken und Ammern) in die Büsche zwischen den Stellplätzen ein und machten es sich für die Nacht gemütlich. Nach einer guten halben Stunde hörte man von ihnen nichts mehr, es sei denn, sie wurden durch die Menschen gestört.  Es war klar, am nächsten Morgen bei Tagesanbruch würde uns die Bande wecken.

Eins noch zum Tagesabschluss: die erste Flasche spanischen Rotwein, die wir im SUMA-Supermarkt erstanden haben, war deutlich schlechter, als alle spanischen Weine zu Hause bei uns im Keller. Und Anis-seco gab es auch nicht!

8.12.2019 – 19:20 Uhr

8.12.2019 - 15:45 Uhr!

Der Abstecher nach Banyoles scheint eine gute Wahl. Der Platz ist mit mittelalten Platanen bestanden, die jetzt, da das Laub abgeworfen ist, die Sonne durchlassen. Im Sommer werden sie aber den Gästen ausreichend Schatten spenden.

Die Fahrt hierher war ein Klax (~rund 35 km), die Wege durch den Ort schon mal ein Vorgeschmack auf die morgige Besichtigung. ;-)

Nach der Landung auf dem Campingplatz haben wir den See schon mal ein Drittel umrundet und heute, am 8.12.2019 um 15 Uhr, zum Kaffeetrinken auf einer Seeterrasse platzgenommen.

Mittelmeermöwenportrait

Am Nachbartisch fütterte ein Mann die Enten mit Kartoffelchips (!?!) und lockte den Erpelchef bis ran an seinen Tisch. Gina wurde richtig neidisch. Als die adulte Mittelmeermöwe kam, gingen die Enten vorsichtshalber auf Distanz und der Chef türmte als erster.

Meine Beute waren an einem Stand am See frisch gebrannte Mandeln. Köstlich!

als Angelplatz eine Pesquera

Vom Ufer in den See hinein gibt es mehrere Pesqueras (siehe Foto). Sie wurden ursprünglich gebaut, damit in den flachen Uferbereichen besser geangelt werden konnte und bei einigen gilt das vielleicht heute noch. Sie sind jedenfalls geschlossen. In einem dieser Gebäude sitzt aber die Touristeninformation und dort konnte Elke die Frage klären, wo wir morgen wohl einen Tierarzt finden. Gina fehlt nix (außer Futter ohne Ende), aber Elke quält die Vorstellung, dass bei dem warmen Wetter die Zecken und Mücken unsere Süße noch heimsuchen könnten.

Camping el Llac

 

So sehr uns der Campingplatz gefällt (übrigens 45 € komplett für 2 Übernachtungen), das Restaurant war eine Enttäuschung. Wir trösten uns damit, dass wir in diesem Urlaub ganz sicher noch oft besser und hoffentlich selten schlechter essen werden.

Morgen geht es einmal um den See (laut Komoot gute 7 km) und dann würden wir in Banyoles gerne mal frischen Fisch essen.

9.12.2019 – 17:45 Uhr

Wiedehopfbesuch am Morgen

Beim Frühstück sah Elke ganz dicht am Wohnmobil einen Wiedehopf. Durchs Küchenfenster entdeckte ich kurz dahinter einen zweiten. Schließlich waren es mindestens drei, die wir gleichzeitig sehen konnten. Und diesmal hat es mit den Fotos auch geklappt und so sehe mir jeder Besucher meiner Homepage bitte nach, dass es gleich 4 Fotos auf die Fotoseite des Urlaubs (auf die ich noch mal hinweisen möchte, da im Reisebericht natürlich nur wenige Bilder landen) geschafft haben.

Lichtspiele

Es war eine schöne kleine Wanderung um den See. Früher hätte ich das wohl als ausgedehnten Spaziergang bezeichnet. Immer wieder schöne Aussichtspunkte und viel Lichtspiele im Unterholz, wobei die dichten Schachtelhalmbestände so einen ganz besonderen Reiz bekamen. Gina war ob der vielen Düfte und Eindrücke ganz aus dem Häuschen und kriegte ab und an ihre dollen 5 Minuten.

vor über 7000 Jahren

Es waren ziemlich viele Leute unterwegs und einzelne Jogger kamen uns sogar 2-mal entgegen. Nicht alle sahen entspannt aus.

1990 hat man bei Ausgrabungen am Ufer des Sees Eichenpfähle gefunden, die zu einer der ältesten Siedlungen der Iberischen Halbinsel gehörten. Die Bauweise ist wohl sehr ähnlich den Pfahlbauten am Bodensee und im sonstigen Alpenraum.

Plaça Major Banyoles

Auf einer Terrasse mit Blick auf den See haben wir eine Kleinigkeit gegessen (bei Elke war es zumindest Thunfisch, der sonstige Fisch muss warten) und sind dann noch kurz durch die Altstadt von Banyoles. Montag und Siesta und somit ziemlich tote Hose. Auf der Plaça Major sieht es in der warmen Jahreszeit bestimmt ganz anders aus. Und so still dürfte es in der Stadt selten sein, denn eines hat sich in all den Jahren, die ich nach Spanien fahre, bisher nicht geändert: die Lautstärke der Gespräche. Bei meinem ersten Besuch im Land glaubte ich anfangs, dass die Leute sich sehr viel streiten. Aber sie erzählen sich einfach was und weil „die andern“ so laut sind, muss man dagegenhalten. Logisch, oder?

10.12.2019 – 19 Uhr

Wir stehen auf dem „area-d-autocaravanes“ in Vic. Die Nacht kostet uns 5 €, Strom würde deutlich mehr kosten (4 € für 3 Stunden), aber die Anlage funktioniert eh nicht. Es gibt auch eine Toilettenanlage, aber deren Benutzung ist nur nach einem Telefonat mit der Touristeninformation möglich, die einen Entsperrungscode aufs Smartphone schickt. Wir verzichten auch darauf. Morgen wollen wir sowieso sehr früh los hinauf nach Montserrat und dort ist sicher alles vorhanden.

Sonne im Winter - Schatten im Sommer

Der Tag begann auch heute mit Wiedehopfgala rund ums Auto (und einer verschwand sogar kurzfristig darunter). Da zuckt der Fotografenfinger!

Auf dem Bild sieht man sehr gut, weshalb der Platz im Sommer und im Winter perfekt ist: Im Sommer geben die geschickt geschnittenen Platanen Schatten und ohne Laub kann im Winter die Sonne wärmen.

Als wir am Sonntag ankamen, war der Campingplatz noch gut besucht. Der Nikolaustag ist in Spanien wohl Feiertag und so nutzten viele Spanier das lange Wochenende. Am späten Nachmittag begann dann die Abreisewelle und ab Montag waren nur noch ganz wenige Gäste da.

im Krater Santa Margarida

Vor der Weiterreise hat Elke dann tatsächlich das Zeckenmittel für Gina beim Tierarzt bekommen. Günstiger weise war die Praxis nicht weit von einem Supermarkt entfernt, wo wir unsere Vorräte auffrischen konnten.

Dann ging es durch herbstbunte Wälder in die Vulkanregion zwischen Santa Pau und Olot, mit einer schweißtreibenden Wanderung auf den Vulkan Santa Margarida. Wir müssen bei solchen Gelegenheiten feststellen, dass unsere Kondition nicht wirklich gut ist. Nur Gina hätte deutlich mehr Aktion vertragen können.

Das Kirchlein auf dem Grund des Kraters habe ich dann tatsächlich auch alleine besucht. Elke hat in der Sonne am Kraterrand gewartet und Gina hätte sich bald einen Knoten in den Schwanz gefreut, als ich endlich (nach einer viertel Stunde) wieder da war.

Blick vom Vulkan Santa Margarida

Beim Abstieg vom Vulkan noch mal ein toller Blick über das Gebiet bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln der Pyrenäen. Ein fast identisches Panorama ergibt sich hier vom Wohnmobilstellplatz aus durch die Windschutzscheibe.

Eigentlich wollten wir die kommende Nacht schon am Kloster Montserrat verbringen, aber nach der Vulkanexkursion war uns nach vorzeitiger Fahrtunterbrechung. Nun wird es morgen ein Kurzbesuch dort oben und dann geht es wieder hinab zum Meer. In den Regionen heute war es deutlich kühler. Elke vermutet, dass es an den kalten Fallwinden liegt, die von den Pyrenäengipfeln herabgleiten. Ich denke bei derzeit 9 Grad Außentemperatur: es ist Winter und in Essen bestimmt kälter.

11.12.2019 – 19:30 Uhr

In der Nacht wurde es dann draußen doch richtig kalt, denn am Morgen bedeckte Raureif die Wiesen. Auf der abschüssigen Fläche vor uns wurde ein Heißluftballon startklar gemacht und ich fragte mich, welche Temperaturen morgens um 9 Uhr wohl in luftigen Höhen herrschen. Für mich jedenfalls ein schöner Farbkleks im Fotoarchiv.

nach 9km Bergfahrt

Dann ging es wie geplant zügig über die perfekt ausgebauten Nationalstraßen zum Kloster Montserrat. Aus der Ferne sahen wir schon die extrem gezackten Gipfel des Montserratmassives, die ein wenig an die Dolomiten erinnern. Und dort hinauf ging es die letzten 9 Kilometer immer im dritten Gang, Kurve nach Kurve. Und die Temperatur ging im gleichen Maß Grad für Grad abwärts. Als wir oben ankamen, zeigte das Bordthermometer noch 5 Grad und es pfiff ein frischer Wind. Leider hatte sich auch die Sonne hinter Wolken versteckt. Für die Landschaftsfotos kein gutes Licht. Und das Mittelmeer sahen wir erst bei der Abfahrt als in der Sonne glänzenden Streifen am Horizont.

Kloster Monserrat

Der Klosterkomplex ist sehr beeindruckend und bei der Lage in den Felsen fragte Elke sich, wie man das dort oben bauen konnte. Heute gibt es sowohl eine Seilbahn wie auch eine Zahnradbahn, mit der die Touristen (es waren heute viele Japaner) hinauf gelangen können. Und die Straßen sind auch so ausgebaut, dass große Reisebusse bis zum Kloster fahren können.

Alpenbraunelle

Auch ein ornithologischer Leckerbissen wurde uns geboten: auf einer Mauer sammelte eine Alpenbraunelle die Brotkrumen der Touristen auf.

Die Parkplätze im Klosterbereich sind bewirtschaftet und es war gut, dass wir vorher gelesen hatten, dass Wohnmobile vom Einfahrtssystem manchmal als Busse erkannt werden. Als wir die Parkgebühr zahlen wollten, zeigte der Automat 52,50 € an, nach dem Aushang mussten wir aber nur die gleiche Gebühr wie ein PKW, nämlich 6,50 € zahlen. Es war ein wenig kompliziert heraus zu bekommen, dass wir einfach den Automaten ignorieren und die Parkgebühr an der Ausfahrt manuell zahlen konnten.

Abendstimmung in Cambrils

Hinab gen Mittelmeer stieg die Temperatur dann wieder gleichmäßig an. Als wir die Autopista AP 7 in der Ebene erreichten, waren es wieder 15 Grad. Allerdings wurde es windig und wir fuhren durch eine Schlechtwetterzone. Um Ortsdurchfahrten auf der Nationalstraße zu vermeiden sind wir die mautpflichtig AP gefahren und haben uns für 11,80 € bis hier sicher einigen Stress erspart. Hier, dass ist der Campingplatz Joan in Cambrils. Der Platz hat einen eigenen Strandzugang, aber ist ansonsten doch weitgehend in Winterruhe (kein Restaurant, kein Supermarkt, …). Brot gibt es aber morgen früh wohl an der Rezeption, wo ich heute Nachmittag auch sehr freundlich empfangen wurde. Und beim kurzen Strandspaziergang kam auch noch mal die Sonne raus.

12.12.2019 – 18:30 Uhr

wie ein großer Schmetterling

In der Rezeption gab es ein großartig knusperiges Baguette und ein paar freundliche Worte am Morgen. Es bestätigt sich die Erfahrung früherer Spanienbesuche, dass es dankbar zur Kenntnis genommen wird, wenn man sich bemüht, ein paar Brocken Spanisch zu sprechen.

Heute sollte es auf jeden Fall Fisch zum Mittag sein, wenn Cambrils schon einen kleinen Fischerhafen besitzt. Dazu mussten wir rund 4 km an der Strandpromenade entlang, was sich etwas zog, da ich partout unbedingt versuchen musste, einen der vielen Wiedehopfe am Strand im Flug zu erwischen.

fast alles Brandseeschwalben

Überhaupt war heute mal etwas mehr „Vogeltag“. Es begann mit einer überraschenden Haubenmeise und jagenden Felsenschwalben auf dem Campingplatz, großen Gruppen Mönchssittichen überall im Promenadenbereich und Brandseeschwalben auf den Steinschüttungen. Die einzelne Lachmöwe auf dem Foto fühlte sich offensichtlich gemobbt und schien um Hilfe zu rufen.

pa amb oli con olivas y alioli

Und dann gab es nicht nur Fisch, sondern auch köstliche Vorspeisen. U.a. „pa amb oli“ … geröstetes Brot mit Tomate. Wunderbar und leicht nachzumachen!

Als Fischgericht gab es Seeteufel (rape) mit gemischtem Gemüse und Pilzen. Und so war gleich das erste offene Restaurant eine gute Wahl.

auch die Römer waren schon da

 

Direkt nebenan die Ausgrabungen der Römerzeit. Vor 2000 Jahren gründeten diese hier die Siedlung Oleastrum („Stadt des Olivenöls“). Passenderweise stehen rund herum z.T. sehr alte Olivenbäume.

Und dann sprang gerade, kurz bevor der Regen anfing, eine Samtkopfgrasmücke unmittelbar vor dem Womo im Busch herum. Sehr nett, sie so aus der Nähe zu sehen.

13.12.2019 – 17:15 Uhr

Was für eine stürmische Nacht. Wie auf der spanischen Wetterseite im Netz zu sehen war, erreichten die Orkanböen Geschwindigkeiten von 110km/h und das Wohnmobil schwankte so stark, dass Elke Sorge hatte, es könnte kippen. Wir waren sehr froh, dass es keine Gegenstände in der Nähe gab, die der Sturm hätte auf das Womo schleudern können. Und es stürmte den ganzen Tag und erst vor einer Stunde wurde es langsam weniger, wenn auch immer noch mit kräftigen Böen.

hebt sie ab?

Den Plan heute ins Ebrodelta zu fahren, haben wir fallen lassen, auch um uns nicht unnötigen Gefahren auszusetzen. Dann eben morgen, am Geburtstag meines ornithologischen Ziehvaters Rolf, was bei den zu erwartenden Beobachtungen ja gut passt.

Der mittägliche Spaziergang mit dem Hund (Elke blieb lieber im Auto) war durchaus besonders. Zeitweilig konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass Gina gleich abhebt und wie ein Papierdrachen vor mir herfliegt. Auch ihr Ding ist Sturm ja nicht unbedingt, zumal immer wieder Plastikfetzen und Teile von den Palmen vorbeiflogen.

es wogt das Meer ...

Das Mittelmeer zeigt heute, dass es auch ganz anders kann als an den letzten Tagen. Der ablandige Wind führte dazu, dass die Gischt zurück aufs Meer getrieben wurde und dort eine flache Nebelschicht bildete.

Und Vögel? Komplett Fehlanzeige fürs Auge. In den Gummibäumen, die an der Promenade stehen, in den Pinien und Palmen hörte man Stare, Mönchssittiche, Elstern und Sperlinge, aber schön aus der Deckung.

Nach Ebrodelta morgen am Tag und „Spätzle Fritz“, dem etwas anderen Stellplatz, den wir für die nächste Übernachtung nutzen wollen, geht es am Sonntag dann stramm nach Süden bis nach Calp. Dort ganz in der Nähe ist die Bodega eines meiner Lieblingswinzer, Enrique Mendoza, wo wir uns am Montag für die Feiertage eindecken wollen.

14.12.2019 – 20:45 Uhr … Rolf hat Geburtstag

Bevor ich den wundervollen Tag im Ebrodelta würdige, noch ein paar Worte zum Campingplatz Joan in Cambrils. Wir können ihn für die Durchreise auf jeden Fall empfehlen und wer dort nächtigt, möge unbedingt die Köstlichkeiten des örtlichen Bäckers probieren, die in der Rezeption angeboten werden, wenn der Supermercado des Platzes geschlossen ist.

Katalanische Bewegung

Wenn wir nun auch in diesem Reisebericht vorerst Katalonien verlassen (das Ebrodelta ist Grenze), ein paar Worte zu den Bestrebungen auf Autonomie. Die Zeichen des Widerstandes, wie diese Fahnen oder gelbe Plastikschleifen auf Zäunen und gemalte auf den Straßen begleiteten uns bis heute. Von den bekannten Auseinandersetzungen haben wir nichts mitbekommen. Aber jawoll: die Sprache ist manchmal anders und für den, der wie ich, nur ein paar Brocken Spanisch kann, irritierend.

Dünnschnabelmöwe

Nach einem Anruf bei Rolf, dem ich den intensiven Zugang zur Vogelwelt verdanke, und einem Einkauf in einem Mercadona (solche Supermärkte hätte ich gerne in Deutschland häufiger!), ging es ins Ebrodelta.

Wo ist übrigens das tobende Meer von gestern? Eine seltene Dünnschnabelmöwe dümpelte auf leichter Dünung und Gina, die gestern fast das Fliegen gelernt hätte,  sprang auf der Flucht vor einer kleinen Welle fast auf meinen Arm, weshalb ich sie dabei leider nicht fotografieren konnte.

Alarm bei den Flamingos

Der Himmel war vom Sturm blank geputzt und so gab es immer wieder schöne Blicke auf die reichhaltige Vogelwelt. Eisvögel fast bei jedem Halt, aber immer im Abflug und nicht zu fotografieren.

Dafür aber die Rosaflamingos, die in den Salinen des östlichen Deltas brüten und jetzt im Winter die Reisfelder und sonstigen Gewässer als Nahrungsquellen nutzen.

Braune Sichler

Sehr schön auch am Ende des Deltabesuches eine Gruppe von mindesten 40 Sichlern, die offensichtlich in Spanien im Bestand zunehmen.

Mandarinenplantagen

Und dann ging es zu „Spätzle Fritz“. Mitten in Mandarinenhainen, gut besucht und das durchaus zu Recht. Der Stellplatz fürs Womo ist im Preis inbegriffen, wenn man im Restaurant isst. Das sollte man auch unbedingt tun, denn unser Essen war perfekt und der Chef macht Spätzle vom Feinsten: „Nomen est omen“.

Eigentlich zahlt man also nur einen kleinen Obolus für Strom und selbst das schnelle Internet, über das ich gleich diesen Bericht einstelle, ist im Preis inbegriffen.

Für die zum Teil anstrengenden Gäste (mein Haus, mein Boot, mein Superwohnmobil) kann der Chef ja nix.

15.12.2019 – 19 Uhr

Spätzle-Frist

Elke hat heute Morgen vom Hundespaziergang eine Mandarine mitgebracht, die auf dem Boden lag. Lecker, und davon gibt es rund um den Spätzle-Fritz zentnerweise. Andere Gäste nehmen sie von den Bäumen, was ich aber nicht korrekt finde.

Apropos Gäste: gestern Abend kamen noch Gäste an, denen 10 km vor dem Ziel der Klassiker passiert ist: ein Auto bremst sie auf der Autobahn aus und die Insassen zeigen an, dass ein Hinterreifen defekt ist. Der Mann steigt aus und in wenigen Minuten räumen drei Männer im Wohnmobil alles aus, was sie auf die Schnelle greifen können.

Penyal d´Ilfac

Ansonsten eben Fahrtag: stundenlang durch Plantagen von Zitrusfrüchten und Granatäpfeln. Malerische Orte und beeindruckende  Festungen. Und all das bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen von 18 bis 20 Grad.

Jetzt sind wir auf dem Stellpatz/Campingplatz „Sol de Calpe“, wo sich ganz viele Wohnmobilisten für Monate eingerichtet haben. Für uns ist es nur ein Übernachtungsplatz und wir finden, das ist auch gut so, denn die Wohnmobile stehen sehr dicht beieinander.

Andererseits: der Penyal d´Ilfac, den wohl sogar die Römer schon toll fanden, ist schon beeindruckend.

16.12.2019 – 21 Uhr

unser Lieblingswinzer

Heute wird der Reisebericht eine kurze Geschichte, denn es waren der Einkauf des Rotweines für die Feiertage bei unserem Lieblingswinzer Enrique Mendoza in Alfaz del Pi, die Fahrt durch Alicante und der Stellungswechsel zu den Salinen bei Santa Pola auf dem Programm.

Auf der Küstenstraße überholten wir eine Gruppe Radrennfahrer, bevor ein mit einem großen Boot beladener LKW vor uns einscherte und den gesamtem Verkehr ausbremste, weil ständig drohte, dass er irgendwelche Leitungen oder Ampeln herunterriss. Und da überholten uns die Radler wieder, mit ziemlichem Risiko, wie wir fanden.

fürs Fest

Die wirklich abseits gelegene Bodega Mendoza haben wir erstaunlich gut gefunden und uns mit ein paar wunderbaren Weinen eingedeckt. Leider konnte die Señiora nur spanisch, aber ich habe es trotzdem geregelt bekommen, auch noch Weingläser der Bodega zu kaufen. Von den Gläsern aus unserer Bordvitrine habe ich nämlich neulich eins zerstört. Die Mendozagläser passen perfekt!

Löffelentenpaar

 

Wir sind also jetzt auf dem Campingplatz Bahía Santa Pola, sozusagen mit Blick auf die Salinen. Der Platz ist sehr voll und offensichtlich besonders bei Skandinaviern beliebt. Unser Stellplatz liegt nahe an der Durchgangsstraße und wir wollen mal hoffen, dass es in der Nacht ruhiger wird.

Morgen dann also ein ausgiebiger Salinenbesuch. Flamingos und Löffelenten gab es heute schon vorab.

17.12.2019 – 17:15 Uhr

ohne Ton schön

Und erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt!

Gestern um diese Zeit dachte ich, das Thema des heutigen Tages wären Vögel ohne Ende mit Problemen bei der Auswahl der Bilder. Denkste!

Hier nebenan ist unser Übernachtungsplatz zu sehen, aber das Foto täuscht: Es war eine höllisch laute Nacht. Die Straße ist direkt hinter dem Womo und dort brettern die Autos mit Vollgas über die Piste. Als Verzierung zwischendurch noch ein Motorradfahrer, der es nicht aushalten kann und will, dass die Autos lauter sind als er und seine Maschine.

Um 7 Uhr lag ich schon eine Stunde wach und dachte, diese ganzen Idioten fahren quer durch unser „Schlafzimmer“. Also habe ich mich schon mal aus dem Bett gepellt und bin rein nach Santa Pola um unsere Weihnachtspost in einen verlässlichen Briefkasten zu werfen. Direkt bei „correos“ (der Post), fand ich clever. Hatte aber einen Schönheitsfehler: da war kein Briefkasten. Und dann diese netten Missverständnisse, wenn man nur einen Teil des Gesagten versteht. An der Rückseite der Post war eine Tür offen und der Postbedienstete sagte zu mir, die Post öffne erst um 8 Uhr, so habe ich es verstanden. Ok, kein Problem, gegenüber war ein Café und es war eine gute Gelegenheit für ein sehr spanisches Frühstück mit „café con leche“ (Milchkaffee) und einem perfekten Croissant. Fernsehen mit Wetterbericht inclusive.  

7:50 Uhr hinüber zur Post. 7:55 Uhr kommt eine der in Spanien üblichen Losverkäuferinnen der Blindenlotterie „once“ und fragt mich, wie ich meine, ob die Post schon auf habe. In Wirklichkeit hat sie mich wohl gefragt, ob ich auch zur Post möchte. Dies hat sie trotz meiner Antwort daraus geschlossen, dass ich einfach vor der Tür stehen blieb und hat es dann auch allen erzählt, die nach uns kamen.

Um 8:05 Uhr fand ich den Aufkleber auf der Tür auf dem stand, dass die Post tatsächlich erst um 8:30 Uhr öffnet. Ok, DANN bin ich aber der erste!

des Pudels Kern ;-)

Es kamen noch mehrere Once-Verkäufer dazu und es stellte sich später heraus, dass sie die Einnahmen der Nacht einzahlen wollten.

Um 9 Uhr war ich mit einem frischen Baguette aus einer netten kleinen Bäckerei wieder am Womo, wo Elke noch schlummerte. Also erstmal die Heizung an machen, denn im Womo waren es nur 17 Grad. Und endlich passierte, worauf ich schon Tage gewartet habe: die erste deutsche Gasflasche war leer. Nun galt es also das erste Mal eine spanische Flasche, die wir ja so einfach in Roses bekommen hatten, anzuschließen. Alle „Zutaten“ vorhanden. Und ich hatte mich im Netz natürlich schlau gemacht, wie all das funktioniert. Es hatte nur einen Schönheitsfehler: im Womo  kam kein Gas an. Alles wieder ab- und ausbauen und dann sah ich zu meiner großen Verwunderung: durch den notwendigen Adapter kann gar kein Gas fließen, denn er ist komplett dicht. Wie gut, dass wir in Essen mit der Womowerkstatt Peter Strey einen Freund und verlässlichen Partner haben. Er bestätigte mir telefonisch, dass ich den Adapter „entjungfern“ müsse und siehe da, der schwarze Gummipfropfen (siehe Foto) ließ sich mit einem Schraubenzieher durchstoßen. Das war das Problem … ein Fabrikationsfehler.

gelbe Füße - Seidenreiher

Nach dem Frühstück gab es dann tatsächlich auch noch ein paar Vögel (Flamingos, Säbelschnäbler, Stelzenläufer, Seidenreiher, …), aber alles bei mäßigem Fotolicht. Und diese laute Straße führt dazu, dass ich völlig unausgeschlafen bin und auch keine Lust mehr auf die Gegend habe. Wir fahren morgen weiter.

Pinot Noir

 

Aber jetzt weihen wir die Gläser von Enrique Mendoza mit seinem Pinot Noir ein. Und auch der, wie die anderen Weine, die wir von ihm kennen, ist ausgezeichnet.

Na denn: Buenos noches, los Señores!

18.12.2019 – 20 Uhr

allüberall Flamigos

Oh nein: die letzte Nacht war die zweite ohne ausreichenden Schlaf. Kein gutes Signal für meine Psyche. Wie können die Skandinavier in der Nachbarschaft unseres Stellplatzes im Krach der Durchgangsstraße nur für Monate aushalten? Aber zu Hause in der Winterdunkelheit ist es vielleicht noch schlimmer.

Bei der Abfahrt gen Cartagena dann von mir noch ein paar wehmütige Blicke auf all die Enten, Watvögel und Flamingohundertschaften auf den riesigen, von Milliarden Salinenkrebsen rosa gefärbten Salinen, auf die ich mich eigentlich so gefreut hatte. Es werden neue Gelegenheiten kommen und eine weitere schlafarme Nacht hätte mich sicher völlig aus der Bahn geworfen.

Steinbutt im Angebot

Dann ein Highlight des Tages: In den Supermärkten in Spanien einkaufen … was für ein Genuss! In diesem Fall ein (eigentlich französischer) Carrefour. Welche Auswahl an frischem Fisch. Das Tagesangebot frischer Steinbutt für 10,90 €/kg, dafür bezahlt man in Deutschland locker das Doppelte. Und natürlich Schinken aus allen Regionen der iberischen Halbinsel in allen Qualitäten!

das Mar Menor - sturmfrei

Nun sind wir auf dem riesigen Campingplatz „Caravaning la Manga“ am Mar Menor, einem großen Binnenmeer. Riesig heißt bei diesem Platz: 1 Kilometer von der Rezeption bis zum  Restaurant am Strand. Unsere Parzelle ist nahe beim Strand und damit ist es auch 1 km bis zum Supermarkt.

Es gibt viele Dauercamper mit zum Teil abenteuerlichen Unterkünften. Dabei einige An- und Umbauten, die ich als Eigentümer des Platzes nicht dulden würde, denn vieles könnte so auch in die Armenviertel der Welt passen. Das Schild „Se Vende“ = zum Verkauf ist häufig.

Iberischer Raubwürger

Ein kurzer Spaziergang mit Dünnschnabelmöwe, Iberischer Raubwürger (erste sichere Beobachtung) und Flussuferläufer wetzt ein wenig die ornithologischen Scharten der Salinen aus.

Und am Abend dann in das sehr spanische Restaurant „el Mirador“: Gambas in Knoblauch, ein spanischer gemischter Salat und Seezunge … endlich richtig spanisch! Perfekt!

Und im Wohnmobil den Shiraz von Enrique Mendoza. Muchas Gracias!

Jetzt freuen wir uns auf eine ruhige Nacht.

19.12.2019 – 20:30 Uhr

Es war wirklich herrlich ruhig und wir drei haben gut geschlafen. Gina machte keine Anstalten aufzustehen, als ich mich um 8:30 Uhr auf den Weg machte, dem „Internetcafé“ des Platzes einen Besuch abzustatten und uns ein Brot zu holen. Ich hatte darauf gehofft, dass es sich wirklich um ein Café handelt und wollte bei einem „café con leche“ meine Mails checken. Nix Café. Einfach ein karger Raum mit ein paar Computern, für deren Inbetriebnahme man an der Rezeption Chips kaufen muss. Um mit dem eigenen Computer ins Netz zu kommen, muss man für 20,90 € ein Monatsticket kaufen. Okay, dann nicht und der neueste Reisebericht geht erst morgen ins Netz. Kein guter Service.

Elke ist der Meinung, dass die verschiedenen Nationalitäten auf dem Platz blockweise verteilt sind. Richtig ist auf jeden Fall, dass bei uns ringsum überwiegend deutsch gesprochen wird. Mit einer Berlinerin und ihrem Wuschelhund Carlos gab es dann einen Spaziergang am Strand, wo Gina endlich auch mal wieder ohne Leine toben konnte. Sie war völlig aus dem Häuschen und hätte vor lauter Freude Elke bald über den Haufen gerannt.

Dünnschnabelmöwe im Abflug

Für den Nachmittag war Sturm angesagt und es zog sich gegen Mittag schon bedenklich zu. Kein gutes Fotolicht für die Salinen. Als eine Spezialität wird auf einer Schautafel an einem Beobachtungsstand die Dünnschnabelmöwe genannt, die in Europa an wenigen Stellen im Mittelmeerraum vorkommt.

Strelizie - Paradiesvogelblume

In den Vorgärten von la Manga, dem Ort auf der Landzunge zwischen Mar Menor und Mittelmeer, wachsen Zitronen und Strelitzien. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die Temperaturen hier auch im Winter nicht unter den Gefrierpunkt sinken.

KUHreiher als Beifahrer

Am Platz zurück waren Glöckchen zu hören. Ein Wanderschäfer zog mit einer gemischten Herde von Schafen und Ziegen über das benachbarte Feld und da waren sie wieder, die Kuhreiher, die eine gewisse Symbiose mit den Weidetieren bilden. Sie sitzen auf den Rücken der Tiere und kümmern sich um die lästigen Insekten im Fell.

Und am Abend dann auch das erste Mal in diesem Urlaub: das „menu del dia“, das Tagesmenü, einer spanischen Spezialität, die wir schon in früheren Urlauben schätzen gelernt haben. Heute für uns bestehend aus: mediterranem Salat  / Lauchcremesuppe – gebackener Barsch mit Pommes – Eis mit Banane / Vanillecreme. Dazu für jeden ein Getränk (mir wurde eine komplette Flasche Rotwein hingestellt), Brot und zum Abschluss noch einen Kaffee für 13 € pro Person!!!

Morgen dann die vorerst letzte Etappe von rund 200km zu unserem Weihnachts- und Jahreswechselplatz am Cabo de Gata. Zwei Wochen Pause sind dann auch mal gut!

20.12.2019 – 19:30 Uhr

Eine stürmische Nacht! Ein grauer und stürmischer Tag! Eine anstrengende Fahrt!

Wir sind bei schweren Sturmböen in la Manga gestartet und sind bei ungemütlichen Winden, die Elke schon mal ein Stöhnen entlockten, gen Cartagena gestartet.

Einkaufen und Tanken (1,109€) beim Carrefour (Elke findet die Spanferkel in der Kühlung nach wie vor gruselig). Wie so oft nicht ohne Umwege, aber letztendlich mit einem absoluten Glückstreffer: die in Auflösung betroffenen Scheibenwischer werden von Fachleuten ersetz und dann … beginnt es zu gießen!

So mancher LKW wurde dermaßen vom Sturm gebeutelt, dass wir letztendlich froh waren, die meiste Zeit die mautpflichtige Autobahn für uns zu haben. 10,90 € hat uns die kostenpflichtige AP7 gekostet, die Alternativen viel mehr Nerven.

ein stürmischer Tag!


Um 14:20 Uhr sind wir bei Tachokilometer 12521 in Andalusien angekommen, in einen Tunnel eingefahren und bei 23 Grad Außentemperatur im Plastikland Almeria gelandet. Himmel, was wird die Welt für unsere vegitablen Frischwarenwünsche verschandelt.

Bei der Anfahrt ans Cabo de Gata geht es wieder hinein in die Wolken, die von Afrika gegen die Berge gedrückt werden. Überall umgestürzte Müllcontainer. Und 16 Grad. Ein wirklich guter Start ist anders! Nun richten wir uns erstmal ein!

21.12.2019 – 18:15 Uhr

stürmischer Stellplatz

Es stürmt weiter kräftig und es war wieder eine unruhige Nacht. Hieß es gestern noch, dass heute der Sturm nachlassen würde, verkündet nun die Wetter-App eine Fortsetzung bis Montag. Immerhin kam heute regelmäßig mal die Sonne raus und genauso regelmäßig verschwanden die Vulkankegel des Naturparks wieder in den Wolken.

Besonders die Gummibäume auf dem Campingplatz mussten in den letzten 24 Stunden einige Zweige lassen. Die über die Plätze als Sonnenschutz gespannten Planen halten erstaunlich gut.

Gina verkriecht sich im Auto so gut es geht. Beim Spaziergang hinunter zum 1,5 km entfernten Strand ging es ihr deutlich besser. Es war allerdings keine gute Idee von mir, mit ihr auf den Strand zu gehen. Es gibt dort sehr viel Staub und Sand, der uns um die Ohren und in die Augen flog. Und die Fotos kann ich alle demnächst bei besserem Wetter wiederholen, denn ich habe mal wieder unbeabsichtigt den manuellen Focus eingeschaltet und das erst gemerkt, als der scharfe Pirat vor dem Castello de San Felipe unscharf wurde. Mist!

Pirat und Castello de San Felipe

Der Pirat steht dort nicht von ungefähr, denn die Burganlage wurde wie viele andere um 1800 herum gebaut, um gegen die ständigen Piratenüberfällen gewappnet zu sein. Nicht nur die modernen Touristen sind Mittelmeerfans.

Ganz viele Vögel habe ich heute auch gesehen. Aber die waren mit Rückenwind ganz schnell weg und ich hatte Mühe, dass Fernglas auch nur annähernd ruhig zu halten. Ich bin aber guter Dinge, dass es auch noch schöne ornithologische Beobachtungen geben wird.

Camping Los Escullos

In einem sonnigen Moment habe ich dann mal den Eingangsbereich des Campingplatzes Los Escullos fotografiert. Im Vordergrund das Restaurant mit dem gut sortierten Supermarkt und im Hintergrund die Rezeption. Der ganze Platz macht einen gepflegten Eindruck und auch die kleineren Sturmschäden der Nacht wurden zügig beseitigt.

Und für die Eroberungen des Umlandes hoffen wir dann jetzt mal darauf, dass der Sturm sich möglichst bald beruhigt! Die Temperatur stimmt: 20 Grad.

Übrigens sind wir bis hierher 2920 km gefahren. Es läppert sich.

22.12.2019 – 20 Uhr

Campingplatz bei Licht besehen

Heute Nacht hat Petrus (so er denn tatsächlich fürs Wetter zuständig ist) die Windmaschine ausgestellt und es wurde herrlich ruhig. Endlich habe ich auch mal viele Stunden hintereinander durchgeschlafen.

So begann der Tag entspannt und mit wolkenlosen Himmel. Dafür war die Außentemperatur auf 15 Grad gesunken, was sich bei Sonnenschein aber schnell wieder änderte. Nun entsprach das Hier und Jetzt dem, was wir uns für diesen „Festtagsplatz“ vorgestellt hatten.

Vulkangestein bis ins Meer

Heute dann also eine gemeinsame Wanderung (mit Sonnenschutz!) durch absolutes Lerchenland zum Aussichtspunkt Punta del Esparto. Hier kann man gut sehen, dass diese gesamte Halbinsel vulkanischen Ursprungs ist. Bis hinein ins Meer gibt es Gesteinsformationen in allen erdenklichen Farben.

Und endlich hat mich auch ein wenig die ornithologische Jagdleidenschaft gepackt. Ohne Foto blieb leider eine kleine Gruppe Stummellerchen, wogegen die hier sehr häufige Theklalerche sich geradezu in die Fotos drängelte. Die Blaumerle konnte ich zwar fotografieren, aber nicht in einer Qualität, die für meine Homepage reicht.

Trauersteinschmätzer

Am Castillo de San Felipe dann der Knaller: „Schau mal, “ sagt der Ornithologe zu seiner Frau, „wie schwarz dieses Hausrotschwanzmännchen ist!“ –denn hier überall wimmelt es von Hausrotschwänzen- und dann fliegt der Vogel weg, zeigt einen auffällig weißen Bürzel und ist in Wirklichkeit ein Trauersteinschmätzer. Überhaupt erst meine zweite Begegnung mit dieser Art in meinem Leben und dann gleich mit einem Paar, dessen Verhalten darauf hindeutet, dass es in einem großen Hohlraum des Castillos offensichtlich jetzt im Dezember eine Brut versorgt. Ich bin schwer beeindruckt!

ein schöner Neophyt

Die Pflanzenwelt sollte auch nicht zu kurz kommen und deshalb habe ich eine Kleepflanze fotografiert, die wir auf unserer Reise schon oft gesehen haben. Bei der Recherche im Netz habe ich dann festgestellt, dass der Kapstadt-Sauerklee ein sogenannter Neophyt ist, der, wie der Name schon vermuten lässt, aus Südafrika stammt. Angeblich hat eine Engländerin 1806 1 Exemplar aus der damaligen Kolonie mit nach Malta gebracht und von dort hat die Pflanze den gesamten Mittelmeerbereich erobert. Auch hier, wie bei den Neophyten in Deutschland, zum Schaden der einheimischen Flora. Tja, auch eine frühe Folge der Globalisierung!

23.12.2019 – 16:10 Uhr

Festtagsvorbereitungen ;-)

Wie man am nebenstehenden Foto sehen kann, sind die Festtagsvorbereitungen im vollen Gange. Jeder schmückt seine Parzelle so gut es geht. ;-)

Tatsächlich führte die angedachte erste Maschine Wäsche zu einem verkürzten Spaziergang. Heute ging es nur hinunter zum Strand. Auf dem Weg ein größerer fliegender Vogel. Wieder der Turmfalke von gestern? Nein, die Flügelabzeichen lassen sofort den Triel erkennen. Er landet 150 m von uns auf einer steinigen Böschung und ist, wie üblich, sofort selbst mit dem Fernglas nicht mehr zu entdecken.

rassiger Galopp

Am Strand galoppierte eine Spanierin auf einem feurigen Andalusier, hatte dabei aber eindeutig mehr Spaß als das Pferd, das immer ein wenig vor den Wellen zurückwich. Ein Seeregenpfeifer nahm schleunigst Reißaus.

Und am Strand gab es auch sonnenhungrige Touristen, die leicht bekleidet in der Sonne lagen. Aus der Heimat hören wir etwas von 9 Grad, trübem Wetter und dass es auch an den Feiertagen nicht besser werden soll.

bizarre Formen

 

Sehr malerisch verwittert und wohl auch vom Meerwasser ausgewaschen sind die Lavaformationen, die bei den Kindern als Kletterwand sehr beliebt sind.

Auf dem Weg zurück gab sich der Triel noch einmal fliegend die Ehre, aber für ein Foto reichte es auch diesmal nicht. Und mit dem britischen Birder, den ich gerne auf die Beobachtungsmöglichkeit hingewiesen hätte, gelang die Kommunikation auch nicht so wirklich.

24.12.2019 – 20 Uhr

am Morgen des 24.12.

Den Morgen des Heiligen Abends, an dem die Morgensonne so verlockend auf den Platz schien, habe ich mal so richtig spanisch begonnen. In der Bar des Campingplatzes habe ich mit ein paar Spaniern einen Kaffee getrunken, der durch andere verursachten Versuchung einen Brandy dazu zu nehmen widerstanden, ein paar Brocken spanisch gesprochen und bin dann mit einem frischen Pan (Brot) zum Womo zurück.

blühendes Lavaland

Elke hat heute einen Ruhetag eingelegt und so bin ich eine Runde mit Gina gegangen. Weitgehend ohne Leine (Gina) und mit vielen schönen Details am Wegesrand. Es ist für uns gut, dass es in den letzten Wochen geregnet hat, denn die Gegend blüht und es ist sicher viel grüner als normal, denn der Lavaboden ist ansonsten karg.

gehorsamer Weihnachtshund

Unterwegs trafen wir zwei Schwedinnen mit ihrer Hündin und sie gaben mir sofort die Hand und stellten sich mit Vornamen vor, inklusive sehr netter Konversation. Meine paar Brocken Englisch reichten!

Gina lief ab und zu ein paar Meter vor, kam aber sofort zurück, wenn ich sie rief. Wir können uns da wirklich nicht beklagen. Hier auf dem Platz gibt es auch Hunde (zum Teil spanischer Podenkomix) die gerne auch schon mal für Stunden stiften gehen.

Trauersteinschmätzer

Nachdem ich Gina „zu Hause“ abgegeben habe, bin ich dann noch ein wenig auf die Pirsch. Den Triel hatte ich heute auch nur fliegend und verschwindend, aber es gab mehrere Trauersteinschmätzer im Küstenbereich. Den englischen Birder von gestern traf ich mit seiner Frau und da ich heute den Svensson dabei hatte, konnten wir uns über die Beobachtungen perfekt austauschen.

noche buena - Heilige Nacht

Wir hatten überlegt, an dem heutigen Nachmittag, wo das Restaurant um 19 Uhr Küchenschluss hat und um 20 Uhr schließt, einen Tisch zu reservieren. Der Kellner, den wir vorgestern nach der Notwenigkeit befragten, hatte vollkommen recht: es war nicht nötig. Wir waren um 16:30 Uhr die einzigen Gäste. Es ändere sich dann aber von Minute zu Minute. Auch hier haben die Briten eindeutig die Festhoheit.

Jetzt sitzen wir bei einer Kerze und dem Wein Santa Rosa, den Pepe Mendoza seiner jüngst verstorbenen Mutter gewidmet hat und der wirklich vorzüglich ist, an einem mal ganz anderen Heiligen Abend im Wohnmobil.

Von einer Finca oberhalb des Campingplatzes ist Flamencomusik und lauter Gesang zu hören. Dort feiern Spanier „noche buena“ - den schönen Abend.

„feliz navidad“ allen Freunden und Lesern dieses Reiseberichtes.

25.12.2019 – 19:15 Uhr

fast alles vulkanisch

Heute ist Ruhetag. Im Supermarkt, im Restaurant und überall dort draußen. Kein Wunder, haben die Spanier doch die ganze Nacht gefeiert. Gestört hat es mich nicht. Es war sogar ganz nett mit Flamencomusik einzuschlafen.

In der Rezeption gab es zumindest das Brot fürs Frühstück, aber keine Post aus Deutschland.

Für uns war eigentlich auch Ruhetag, bis auf einen Spaziergang mit Gina. Unglaublich, dass dieses Millionen Jahre alte Vulkangestein noch immer so eine karge Landschaft prägt. Die höchsten Vulkane (493m)  sind direkt am Campingplatz und vor 5 Millionen Jahren erloschen. Trotzdem wächst auf vielen Lavaströmen so gut wie nix!

Noch kurz, trotz Ruhetag, zur Ornithologie: den Trauersteinschmätzer gibt es hier offensichtlich häufiger. Erst hatte ich ja ein Paar am Castillo, dann gestern mehrere Exemplare an der Küste und heute … ein schönes Männchen direkt neben dem Campingplatz. Hmm, dafür, dass ich in meinem Ornithologenleben bis zu diesem Urlaub erst einen gesehen hatte ….

Schwarzkehlchen

Bevor nun der Hinweis auf den Knaller kommt dies: in meinem Leben habe ich schon tausende  Schwarzkehlchen gesehen, aber trotzdem ist es immer ein Hingucker!

Und dann heute Abend plötzlich die klare Erkenntnis, dass die 4 – 5 Vögel, die ich am 23.12. am Punta del Esparto gesehen hatte und nicht sofort bestimmen konnte, Wüstengimpel gewesen sind, die in Europa genau nur hier vorkommen. Ich wusste, dass ich das Bild schon mal gesehen hatte, den Vogel selber aber nicht. Eine Nachsuche in dem Bereich gibt es auf jeden Fall!

Morgen müssen wir vor den Toren des Campingplatzes Grauwasser (Abwassertank) entsorgen und nutzen die Gelegenheit, dass Womo bewegen zu müssen, zu einem Ausflug zum eigentlichen Cabo de Gata, zu den Salinen und fahren dann auch einkaufen. Hier bleiben wir nämlich länger.

26.12.2019 – 20:45 Uhr

Flamingo - Flamenco

Heute ist bei uns in Deutschland der zweite Weihnachtsfeiertag … hier in Spanien ist normaler Werktag. Auch wenn die Spanier die Traditionen schon ein wenig geändert haben, der eigentliche Festtag mit Geschenken für die Kinder ist immer noch der 6.1., der Dreikönigstag.

Wie geplant haben wir entsorgt – und bei der Gelegenheit netten Kontakt zu einer deutschen Familie aus Dortmund aufgenommen – und haben dann den Flamingos in den Salinen bei der Balz zugesehen, was der Ursprung des Flamencos gewesen sein soll. Die Kopfdrehungen und das Flügelaufstellen (Rockhochwerfen) passen perfekt.

Wüstengimpel

Zurück dann mein Tageshighlight: die Wüstengimpel warten am Wohnmobil auf uns. Heute Morgen hatte ich noch geplant sehr ausdauernd am Punta del Esparto auf eine Möglichkeit zum Foto zu warten … jetzt kommen die Vögel zu mir. Danke!!!

der Faro am Cabo de Gata

Dann ging es hinauf zum Capo de Gata mit seinem Faro (Leuchtturm). Gestern hatte ich noch erwogen, die Schotterpiste von San Jose zum Leuchtturm zu fahren (ich liebe das!), habe dann aber am schlaflosen Morgen gelesen, dass die Piste eine der schönsten und eine der gefährlichsten in Europa ist. Vielleicht nichts für unser neues Womo, aber ganz bestimmt nichts für meine Frau. Der reichte schon die Fahrt zum Leuchtturm.

Trauersteinschmätzer an Mittagsblume

 

Übrigens: der „seltene“ Trauersteinschmätzer fliegt uns jetzt ständig unter der Nase durch. Bin ich froh, wenigstens den wirklich seltenen Wüstengimpel gesehen und fotografiert zu haben. Jetzt „kauf“ ich mir an den nächsten Tagen auch noch den Triel. ;-)

27.12.2019 – 21:45 Uhr

Los Escullos und im Hintergrund der "Turm der Wölfe"

In vieler Hinsicht war heute Ruhetag und trotzdem der Tag wichtiger Entscheidungen: wir werden hier länger bleiben und auch später wieder in Essen zurück sein. Anfang März ist dort erst wieder mit uns zu rechnen.

Für die Bettwäsche war heute Waschtag, weshalb Elke am Platz blieb, um eine freie Waschmaschine und den Trockner zu nutzen.

Thymian

Gina und ich sind, bei deutlich kühleren Temperaturen als an den letzten Tagen, in der vor Jahren geplanten und vom Naturschutz verhinderten Urbanisation oberhalb des Campingplatzes kreuz und quer gelaufen. Ich mit der Hoffnung, den Triel vor die Linse zu bekommen und Gina mit dem Ziel, ganz schnell zum Womo und damit zum Futter zurück zu kommen. Ein wenig Quengeln von ihrer Seite war angesagt, als ich auch noch den Thymian optimal fotografieren wollte.

Am Abend erfuhren wir, dass ein langjähriger Freund gestorben ist. Ein Grund mehr darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist im Leben.

29.12.2019 – 17:15 Uhr

Zwergpalme und Lavablock

Wir haben unseren Aufenthalt hier auf dem Campingplatz los Escullos vorerst bis zum 10.1. verlängert. Derzeit ist hier die wärmste Zone Europas. Heute Nachmittag 19° im Schatten.

Apropos: „Los Escullos“ heißt übersetzt „die Statuen“ und ist abgeleitet aus den Stein- und Lavaformationen am Strand, wie die auf dem Foto 160.

die Rambla

Die Vulkane haben dieses ganze Cabo de Gata geformt, was wir gestern auf der Wanderung in die „Caldera de la Majada Redonda“ erleben konnten. Die Caldera ist ein riesiger Vulkankrater mit einem Durchmesser von fast 2 Kilometern. Der Wanderweg dorthin führt durch die Rambla, die sich in der Abflussrinne der Lava gebildet hat. Tolle Steinformationen und eine interessante Pflanzenwelt bestimmen das Bild in den rund 2 Stunden, die man vom Campingplatz bis in den Krater braucht.

Farbenpracht

 

 

Wir haben darüber hinaus das Glück, dass es in den letzten Wochen in dieser ansonsten sehr trockenen Gegend geregnet hat und deshalb viele Pflanzen üppig blühen. Zusammen mit den bunten Flechten auf dem verschiedenfarbigen Gestein ergeben sich wunderbare Farbspiele.

 

Sonne tanken

 

Heute war dann mal ein richtiger Ruhetag und es wird in den Wochen, die wir hier noch verbringen, immer wieder mal so sein, dass der Reisebericht auch eine Pause einlegt. Wir tanken Sonne und Wärme!

Ende des ersten Teils

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zweiten Teil des Reiseberichts

Hier zu den Fotos zu Teil 1

Und hier zu den Fotos zu Teil 2